Es ist eine der härtesten Szenen meiner Kindheit gewesen – und bis heute eine einprägsame Erinnerung: Atréju (Noah Hathaway) versucht in einem verzweifelten Kampf, sein treues Ross Artax aus dem Moor zu befreien. Doch all das Schreien, Weinen und Flehen hilft nichts, denn das arme Pferd versinkt elendig im braunen Morast. Und tatsächlich bin ich mit dieser Erfahrung nicht allein. Eine ganze Generation von Kindern trägt diesen Moment aus „Die unendliche Geschichte“ als kollektives Trauma bis heute mit sich herum.
Wahrscheinlich ist diese Szene auch so schmerzlich, weil hier viele junge Zuschauer*innen erstmals ein radikales Scheitern einer Heldenfigur erlebt haben. Dass Atréju nichts für seinen lieb gewonnenen Gefährten tun kann – trotz seines reinen Herzens und guten Absichten – fühlt sich auch all die Jahre später noch nach schreiender Ungerechtigkeit an.
Dass „Die unendliche Geschichte“ trotz dieser grausamen (aber überaus gelungenen) Szene wohlig-warme Erinnerungen auslöst, zeigt einfach, was für ein geniales Fantasy-Epos Wolfgang Petersen („Das Boot“) mit „Die unendliche Geschichte“ geschaffen hat. Wer sich mal wieder die volle Nostalgie-Dröhnung geben möchte, der sollte am heutigen 25. November 2025 unbedingt um 20.15 Uhr Kabel 1 einschalten.
In derselben Nacht wird das Kult-Märchen um 1.35 Uhr noch einmal wiederholt. Wer an keinem der Sendetermine Zeit hat, der kann das Fantasy-Epos stattdessen auch im Stream genießen. Leider wird der Film zwar aktuell von keinem Dienst im Abo angeboten, gegen einen kleinen Obolus könnt ihr diesen aber bei Online-Anbietern wie Amazon Prime Video leihen:
"Die unendliche Geschichte": Das ist die Handlung
Wer „Die unendliche Geschichte“ noch nicht kennt, bekommt hier noch eine kurze Zusammenfassung der Handlung: Der junge Bastian (Barret Oliver) wird von seinen Mitschülern ständig schikaniert. Auf der Flucht vor den Quälereien sucht er Zuflucht in einem alten Antiquariat, wo er auf einen Buchhändler trifft, der ihn vor einem besonderen Buch zu warnen versucht.
Doch Bastian ist fasziniert und nimmt das geheimnisvolle Werk mit dem Titel „Die unendliche Geschichte“ heimlich an sich, um es versteckt auf dem Schul-Dachboden zu lesen. Während der Lektüre wird er in das fantastische Reich Phantásien hineingezogen und erkennt, dass er selbst eine entscheidende Rolle dabei spielt, diese wundersame Welt vor ihrem Untergang zu bewahren...
Funktioniert auch 40 Jahre nach Veröffentlichung noch bestens
Artax' Tod im Moor ist übrigens nicht die einzige Szene, die mir lebhaft im Kopf geblieben ist. Die Prüfung der Torwächter, die jeden ohne genügend Selbstvertrauen töten oder das Verschwinden Phantásiens im ewigen Nichts sind Momente, die sich auf meiner Netzhaut eingebrannt haben. Doch wo Schatten ist, existiert auch Licht – und so haben auf der anderen Seite Figuren wie der Glücksdrache Fuchur, die mystische Riesenschildkröte Morla oder der liebenswerte – aber dennoch furchterregende – Steinbeißer mein Herz erobert.
„Die unendliche Geschichte“ packt sein jüngeres Publikum nicht in Watte – und kann zarte Gemüter etwas überfordern. Auch weil das Fantasy-Abenteuer stets ein Kampf gegen die Hoffnungslosigkeit ist. Tatsächlich fällt es bisweilen schwer, sich vorzustellen, wie Atréju trotz aller Rückschläge und Widrigkeiten ein ganzes Königreich vor einer übermächtigen Bedrohung schützen will. Dadurch wird die Heldenreise nicht nur im Film, sondern ebenfalls vor den Bildschirmen ausgetragen.
Dass sich viele Fans dabei nicht nur mit Atréju, sondern insbesondere mit dem kleinen Bastian (Barret Oliver) identifizieren konnten, ist da kein Wunder. Schließlich spiegelt dieser all die Ängste, Freuden, Hoffnungen und Sorgen des jungen Publikums, das im Gegensatz zu Bastian jedoch zu grausamer Passivität verdammt ist.
Atréjus Heldenreise funktioniert auch heute – und damit über 40 Jahre nach Veröffentlichung – noch wunderbar. „Die unendliche Geschichte“ erzählt eine erstaunlich ambivalente Geschichte über die Macht der Fantasie. Da macht es auch fast gar nichts, dass manche Spezialeffekte inzwischen etwas angestaubt wirken. Spätestens wenn das Pferd wieder im Moor steckt, sitzen junge wie alte Zuschauer*innen bibbernd vorm Fernseher und hoffen auf einen guten Ausgang.
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