Anfang der 2000er schwappte eine Welle an neuartigen Genrefilmen aus Südkorea in die westliche Welt – darunter Banger wie „A Tale Of Two Sisters”, „Sympathy For Mr. Vengeance” oder „Oldboy”. Ihnen gemeinsam war eine ganz andere, tief unter die Haut gehende Art des Erzählens, die weniger auf krasse Schockmomente Wert legte als auf Atmosphäre, psychologische Dichte, menschliche Abgründe und raffinierte Plot Twists.
Kein Wunder also, dass Hollywood-Remakes nicht lange auf sich warten ließen – wie auch bei dem bereits erwähnten „A Tale Of Two Sisters” von Kim Jee-woon. Eindringlich inszeniert, zutiefst verstörend und mit einem Twist, der das gesamte Geschehe im Nachhinein neu sortiert, gilt er als einer der einflussreichsten asiatischen Horrorfilme überhaupt.
Nur wenige Jahre nach Erscheinen des Originals kam 2009 die unvermeidliche Neufassung von Charles und Thomas Guard bei uns in die Kinos: als „Der Fluch der zwei Schwestern”, im Original „The Uninvited”. Kommerziell blieb der Film eher im Mittelfeld und konnte – wenig überraschend – weder an den Kultstatus noch an die erzählerische Brillanz des Originals anknüpfen.
Ansehnlich ist das Remake dank des einen oder anderen guten Moments trotzdem – falls ihr euch selbst davon überzeugen wollt, könnt ihr das heute Abend um 23.00 Uhr auf Tele5 tun. Alternativ findet ihr das Werk bei Paramount+, den ihr auch als Kanal bei Amazon Prime Video abonnieren könnt (für Prime-Video-Kunden mit einem 7-tägigen Probezeitraum sogar ohne Zusatzkosten):
Wenn Verstörung zwei Gesichter hat
Die Geschichte beginnt mit der Rückkehr von Anna (Emily Browning) in das abgelegene Haus ihres Vaters Richard (David Strathairn). Nach einem traumatischen Ereignis – dem Tod ihrer Mutter bei einem Feuer – war sie monatelang in psychiatrischer Behandlung. Nun soll sie wieder zur Ruhe kommen.
Doch im Haus stimmt etwas nicht. Rachel (Elizabeth Banks), die neue Lebensgefährtin ihres Vaters und ehemalige Pflegerin ihrer Mutter, wirkt kühl, kontrollierend und zunehmend bedrohlich. Gemeinsam mit ihrer Schwester Alex (Arielle Kebbel) findet Anna heraus, dass Rachel nicht ist, wer sie vorgibt zu sein. Und auch das tödliche Feuer birgt ein dunkles Geheimnis. Während Anna von Visionen und Träumen heimgesucht wird, versucht sie, die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Was wir sehen – und was wir übersehen
Der Kern liegt natürlich in dem, was wir nicht wissen – im Unausgesprochenen und Ungezeigten, in den Leerstellen, die wir erst mit weiteren Wendungen zu füllen vermögen. Aus heutiger Sicht sind wir unzuverlässige Erzählungen wie diese natürlich schon gewöhnt: fragmentierte Wahrnehmungen, psychologische Brüche, Wahrheiten, die sich erst rückwirkend erschließen. Daher trifft uns die Auflösung heute auch nicht mehr ganz so hart wie früher – denn vieles deutet sich schon an, wenn auch im Remake noch einmal deutlicher als im koreanischen Original, das um einiges subtiler funktioniert.
Und doch verfehlt „Der Fluch der zwei Schwestern” in seinen stärksten Momenten seine Wirkung nicht – mit dem einen oder anderen Jumpscare und Body-Horror-Moment ergibt sich immerhin solider Familiengrusel, der sich aus Andeutungen, Spannungen und psychologischen Rissen speist.
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