RomComs, die einem vom Suchen und Finden der großen Liebe, vom Zusammenkommen wider aller Umstände erzählen, gibt es wie Sand am Meer. Bereits als Kinder wurden wir medial von Disney & Co. dahingehend geprägt, dass mindestens ein Happy End, idealerweise eine Hochzeit, das große Ziel sei, das es zu erstreben gilt.
Glücklicherweise gibt es inzwischen auch Filme, die dem entgegensteuern – Susanna Fogels „Cat Person” von 2023 ist so ein Fall. Der Film zeigt das Negativbeispiel einer Dating-Erfahrung – und zieht dabei alle Register. Der Film basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Kristen Roupenian, die 2017 im New Yorker erschien und heftige Debatten rund um Konsens und Geschlechterverhältnisse anstieß.
Wie auch seine Vorlage, lebt „Cat Person” von Ambivalenz. Vom unterschiedlichen Empfinden und Handeln zweier Personen, die sich kennenlernen, von leisen Alarmsignalen und dem Übergehen derselbigen – und von einer großen Portion Unbehagen, das letztlich dem Film aber eine ganz besondere Note verleiht. „Cat Person” läuft in der Nacht von Freitag, 19. Dezember 2025, auf Samstag, 20. Dezember 2025, leider viel zu spät um 00.25 Uhr im BR.
Wer sich lieber früher am Abend einen romantischen (oder eher weniger romantischen) Couchabend machen könnte, bekommt den Film auch im Stream im ARTHAUS+ Channel von Amazon Prime. Das siebentägige Abo des Channels ist kostenfrei, danach kostet es 3,99 Euro im Monat, ist aber jederzeit kündbar:
Und darum geht’s
Margot (Emilia Jones) jobbt an der Theke eines Kinos, um sich zum Studium was dazuzuverdienen. Dort trifft sie auch auf den Filmgeek Robert (Nicholas Braun, bekannt aus „Succession”), der sie nach ihrer Nummer fragt. Das erste Treffen geht zwar etwas in die Hose, dafür ist der Kontakt danach umso süßer.
Bei ihrem ersten richtigen Date beginnen die Dinge, sich langsam zu verschieben: Margot merkt, dass sie eigentlich doch kein Interesse an Robert hat, aber dennoch begleitet sie ihn nach Hause, in sein Bett, zwischen halbleeren Limobechern, Taschentüchern und gerahmten Bildern von Harrison Ford. Sie bleibt, obwohl ihr Gefühl ihr etwas anderes sagt – und danach kippt die Situation erst recht...
„Cat Person” beginnt mit einem Zitat von Margaret Atwood, der Autorin von „The Handmaid’s Tale”: „Männer fürchten, dass Frauen sie auslachen; Frauen fürchten, dass Männer sie töten”. Entlang dieses Zitats entspinnt sich der gesamte Film, wobei die Inszenierung bewusst lange ambivalent bleibt: Zwar folgen wir stets Margots Perspektive, müssen dabei dennoch ihr Handeln hinterfragen. Warum macht die das jetzt? Warum schickt sie ein Bild ihrer Brüste? Hätte sie jetzt vielleicht mal Nein sagen sollen? Ist sie nicht irgendwie selbst schuld?!
Gestützt wird ihre Perspektive durch kleine Exkurse – man muss beinahe sagen: Kleine Filme im Film, die Margots Gedankensprünge und innere Sicht verbildlichen. Wir sehen Robert an ihre Gurgel springen, sie anschreien, und letztlich auch Margot einen inneren Monolog mit sich selbst führen, während sie mit ihm schläft – nur einer von vielen kleinen Höhepunkten des Films, während sie ihren eigenen Höhepunkt faket. Keine Pointe.
Fremdschämen mit System
Robert indes finden wir zunächst sympathisch, dann nerdy, dann fragwürdig … und am Ende beängstigend. „Cat Person” ist eine Geschichte, wie sie tagtäglich irgendwo passiert – bis sie schließlich grandios eskaliert.
Die Kunst des Films wie auch der Vorlage ist, beide Seiten so zu halten, dass es keine umfassende Wahrheit gibt – und Gut und Böse, Schwarz und Weiß manchmal nicht so einfach voneinander trennbar sind. Manchmal finden sich zwei Menschen wieder in sattem Grau, schaukeln sich aneinander hoch und reiten sich gegenseitig in eine Situation hinein.
Dabei schafft Susanne Fogel es mit „Cat Person”, leise und in Zwischentönen ein Unbehagen, auch ein Fremdschämen hervorzurufen, welches in krassem Kontrast zu dem steht, was man sonst mit Filmen verbindet, die zwei Menschen zeigen, die sich gerade treffen und vielleicht sogar verlieben könnten.
Am Ende, wenn alles vorbei ist, fühlt sich das Aufatmen dann doch beinahe an, wie ein Happy End. Wenngleich das mulmige Gefühl bleibt, dass man beim nächsten Date vielleicht lieber zuhause bleibt.
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