Seine jüngeren Karrierejahre wurden zwar von „Venom“-Eskapaden dominiert, doch Tom Hardy war sich nie für ungewöhnlichere Projekte zu schade. Dazu gehört ein kurz nach Hardys imposantem Auftritt als Batman-Schurke in „The Dark Knight Rises“ veröffentlichtes Drama, das zurecht als schauspielerische Meisterklasse gehandelt wird:
Das Kammerspiel „No Turning Back“ zeigt Hardy, wie er als Bauleiter am biografischen Scheideweg im Verlauf einer Autofahrt die wichtigsten Telefonate seines Lebens führt, während er Nervosität, Selbstzweifel und Zorn durchlebt, ihm Angstschweiß auf der Stirn steht und sich Tränen aus seinen ratlosen Augen zwängen. Der NDR zeigt „No Turning Back“ heute, am 19. Januar 2026, ab 23.15 Uhr. Darüber hinaus ist das von elektrisierender Spannung durchzogene Drama als Leih- und Kauf-VOD verfügbar, etwa via Amazon Prime Video:
Übrigens: Falls ihr ALLSTARS als Prime Video Channel* abonniert habt, könnt ihr „No Turning Back“ über dieses Angebot ohne Zusatzkosten abrufen.
Darum geht es in "No Turning Back"
Es ist Abend: Bauleiter Ivan Locke (Tom Hardy) soll am nächsten Tag die Betonage eines Großprojekts in Birmingham überwachen. Es ist der größte, bedeutungsvollste Auftrag seiner Karriere. Doch als er sich ins Auto setzt, erhält er einen Anruf, der sein Leben auf den Kopf stellt: Bethan (Olivia Colman), eine frühere Kollegin mit der er auf einer Betriebsfeier unter Alkoholeinfluss fremdgegangen ist, wurde von ihm schwanger und steht kurz vor der Entbindung.
Ivan muss sich entscheiden, ob er nach London fährt, um Bethan bei der Geburt beizustehen, oder ob er wie geplant nach Hause kommt, um seine ahnungslose Ehefrau Katrina (Ruth Wilson) und ihre gemeinsamen Kinder zu sehen. Parallel dazu muss er sich um Ersatz kümmern, sollte er morgen nicht in Birmingham sein können. Innerhalb einer Autofahrt und zahlreicher Telefonate gerät alles ins Wanken: Ivans Privatleben, seine berufliche Zukunft und das Bild, das er von sich errichtet hat...
Ein Mann, allein mit den Konsequenzen seines Handelns und einem Gewirr aus Reflexionen
„No Turning Back“ feierte im selben Jahr Premiere, in dem die umjubelte und stilsicher ausgestattete Serie „Peaky Blinders“ debütierte, die sich Regisseur und Autor Steven Knight erdacht hat. Während die Serie des „Wer wird Millionär?“-Mitschöpfers rasch zu einer der namhaftesten TV-Produktionen ihrer Zeit aufstieg, stellte „No Turning Back“ eher einen Achtungserfolg dar: Bei einem Budget von zwei Millionen Dollar und einem weltweiten Einspielergebnis von 5,2 Millionen Dollar machte das atypische Roadmovie zwar ein Plus, trotzdem sollte es etwas dauern, bis das nachhallende Echo des Films deutlich wurde.
Mittlerweile blickt „No Turning Back“ auf eine Bühnenadaption zurück, auf wiederholte Würdigung in den Videos des YouTube-Essayisten Patrick H. Willems sowie auf mehr als ein Jahrzehnt, in dem Fans dieses psychologisch komplexe Drama als strahlendes Highlight in Hardys Schaffen zelebrierten. Schließlich trägt der „Mad Max: Fury Road“-Star es mimisch ganz alleine: Ivan ist als einzige handelnde Figur zu sehen, alle anderen Rollen sind nur über Lautsprecher zu hören.
Der Stimmcast ist mit Leuten wie Colman, Wilson, „All Of Us Strangers“-Hauptdarsteller Andrew Scott und MCU-Spider-Man Tom Holland namhaft und talentiert besetzt. Trotzdem ist es Hardy, auf dessen Talent der gesamte Film zugeschnitten ist: Kleine, tief blicken lassende Brüche in seiner Stimmfarbe, wann immer Ivan gedanklich zwischen (vermeintlicher) Stabilität und (mutmaßlicher) Schwäche schwankt. Unterdrückte Geräusche des Frusts oder der Kummer, eine hörbar von ihm fallende Schutzrüstung der Ausflüchte und Scheinargumente – durch all das wäre „No Turning Back“ bereits ein erstklassiges Hörspiel.
Doch wie Hardy dem, was gesagt wird, und der Bedeutungsebene, die sich dadurch erschließt, wie er es sagt, eine weitere Schicht zufügt, ist meisterhaftes (Kammerspiel-)Kino: Zitternde Mundwinkel, tränende Augen und das Bemühen um Selbstbeherrschung signalisierende Fältchen. Die Art, wie aufrecht, erschöpft oder ambivalent er auf dem Fahrersitz Platz nimmt. Sogar die Intensität, mit der er nach dem Steuer greift – all dies erweitert das Gesamtbild, das Hardy von seiner Rolle vermittelt, mit lebensnaher Authentizität und macht diesen makelbehafteten, zu allem Übel eine Erkältung ausschwitzenden Protagonisten zu einer soghaften, komplexen Figur, mit der man (kopfschüttelnd) mitleidet.
Wenn's doch spektakulärer und actionreicher zugehen soll: Hardy hat auch eine prägende Nebenrolle in einem der besten und härtesten Abenteuerfilme aller Zeiten. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Artikel:
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