Beinahe jeden Tag kommen bei den Streaming-Anbietern neue Titel hinzu – Filme, (Mini-)Serien und Dokus. Da ist es naheliegend, dass selbst diejenigen, die ihre Watchlist akkurat pflegen, schnell mal den Durchblick verlieren. Aber zum Glück habt ihr uns! Woche für Woche suchen wir im Angebot von Amazon Prime Video für euch nach empfehlenswerten Klassikern, übersehenen Filmperlen und absoluten Geheimtipps – mit gültigem Abo kostenlos abrufbar.
Diesmal: ein Hochglanz-Thriller, der in die korrupte Welt der Hochfinanz entführt, einer der gefeiertsten Kultfilme der 90er und ein schwarzhumoriger, raffinierter Western für Fans von Sergio Leone und „Django“.
"Arbitrage" (2012)
Habt ihr schon mal von Nicholas Jarecki gehört? Noch nie? Dann seid ihr mit Sicherheit nicht die einzigen, hat der 46-jährige Regisseur doch erst zwei Spielfilme inszeniert. Der eine davon ist die (eher durchwachsene) Direct-to-DVD-Produktion „Crisis“ von 2021. Knapp ein Jahrzehnt davor aber drehte der gebürtige New Yorker mit „Arbitrage“ ein hintersinniges, kluges Thriller-Drama, das ganz auf Hauptdarsteller Richard Gere zugeschnitten ist.
Die Leinwand-Ikone („Pretty Woman“) schlüpft darin in die Rolle des Hedgefonds-Managers Robert Miller, der kurz vor dem Verkauf seiner Firma steht. Miller hat sich bei einer Auslandsinvestition verspekuliert und dabei viel Geld verloren. Auch das Privatleben des 60-jährigen Lebemanns birgt Stresspotenzial. Die Ehe mit Frau Ellen (Susan Sarandon) kriselt und Millers Affäre Julie (Laetitia Casta) droht, die Liaison zu beenden. Ein unerwartetes Ereignis lässt schließlich das über Jahre sorgsam aufgebaute Konstrukt aus Lügen und Verschleierung über Miller zusammenbrechen. Mit dem Trailer könnt ihr euch schon mal inhaltlich auf den Film einstimmen:
Geld regiert die Welt – so lautet ein oft bemühtes, aber wohl wahres Sprichwort. Auch in der Welt der meisten „Arbitrage“-Figuren sind Gier, Reichtum und Ansehen die Antriebsfeder für moralisch fragwürdige Handlungen. Jarecki inszeniert seinen dramaturgisch originellen und toll fotografierten Hochglanz-Thriller (gefilmt wurde in echten New Yorker Luxus-Lofts und 5-Sterne-Premium-Hotels) mit einem beachtlichen Gespür für Spannung und Timing. Nie kann man sicher sein, was als nächstes passiert, und dank Geres elektrisierender mimischer Performance fiebert man mit dem Protagonisten mit. Denn: Miller ist kein klassischer Bösewicht, sondern ein widersprüchlicher Charakter, der selbst zum Opfer des Systems geworden ist. Unbedingt sehenswert!
"Fight Club" (1999)
Kapitalismuskritisch geht es nicht nur in „Arbitrage“ zu. So sind ebenso die Mitglieder der titelgebenden „Organisation“ in David Finchers bahnbrechendem Thriller in ihrem Hass auf das System und den um sich greifenden Materialismus ihrer Mitmenschen vereint. Über „Fight Club“ ist schon viel erzählt und geschrieben worden. Es existieren ganze wissenschaftliche Arbeiten und Fachbücher über die Botschaften, Wirkmacht und den Einfluss dieses modernen Klassikers.
Dennoch hat der ein oder andere von euch den Film, der zum Zeitpunkt seines Erscheinens kein wirklich großer Erfolg war (Einspielergebnis: rund 100 Millionen Dollar bei Kosten von über 60 Millionen), womöglich noch nie gesehen. Oder ihr wollt Finchers viertes abendfüllendes Werk, das auf dem gleichnamigen Roman von Chuck Palahniuk basiert, nach langer Zeit mal wieder genießen. Ganz ohne Zusatzkosten bietet das Prime-Abo aktuell die Möglichkeit dazu.
„Fight Club“ handelt von einem namenlosen, von seinem Alltag gelangweilten New Yorker (Edward Norton), der unter seiner chronischen Schlaflosig- und Emotionslosigkeit leidet. Durch Zufall lernt er den selbstbewussten Tyler Durden (Brad Pitt) kennen, mit dem er eine folgenschwere Verbindung eingeht. In ihrem Fight Club veranstalten sie brutale Kampfabende, an denen immer mehr Männer teilnehmen. Allmählich verliert der Namenlose die Kontrolle über den Club – und über sein Leben.
„Fight Club“ ist kompromisslos, herausfordernd, nachdrücklich und gilt heute – zurecht – als einer der stärksten Filme der 1990er, wenn nicht aller Zeiten. Nicht zuletzt aufgrund des ebenso unvergesslichen wie überraschenden Endes, das einen sprachlos zurücklässt. In der berühmten IMDb-Liste der Top-250-Filme aller Zeiten steht „Fight Club“ mit einer Wertung von 8,8 auf Position 13.
"Sabata" (1969)
Und zum Schluss möchte der Verfasser dieses Artikels allen Italo-Western-Liebhabern noch einen echten Geheimtipp mit auf den Weg geben. Viele kennen die legendären, von Zynismus und (Anti-)Heldentum durchzogenen Filme eines Sergio Leone („Dollar“-Trilogie) oder Sergio Corbucci („Django“). Auf dem Höhepunkt der Genre-Welle Ende der 1960er-Jahre kam mit „Sabata“ aber auch ein Werk in die Kinos, das mit gängigen Konventionen und Traditionen brach. „Sabata“ ist deutlich humorvoller sowie, im Stil und Tonfall, locker-leichter als die meisten der vorherigen Italo-Western. Und: Ein Film, der mit Ex-Offizier Sabata einen der lässigsten Charakterköpfe der Western-Geschichte etablierte und über echt schräge Sidekicks sowie Helfershelfer verfügt (darunter ein verrückter Banjospieler und ein stummer Artist).
Der für seine Auftritte in Genrefilmen berühmt gewordene Lee Van Cleef („Zwei glorreiche Halunken“) spielt ebenjenen Sabata, der in einer abseits gelegenen Kleinstadt einen Bankraub aufklärt, wohlhabende Städter erpresst – und viele Leichen zurücklässt.
Sabata ist ein verschmitzter, immer elegant gekleideter Gentleman-Killer, der auf ausgefallene Waffen und trickreiche Gadgets setzt. An seiner Mini-Taschenpistole (mit Zusatzpatronen im Griff!) und dem in der Schuhsohle versteckten Revolver hätte sicherlich auch der Technik-affine 007-Waffenmeister Q seine helle Freude gehabt. Sabatas Mix aus Coolness und Schlitzohrigkeit in Verbindung mit dem präzisen Einsatz von Spezialwaffen ist einmalig und inspirierte erfolgreiche Filmemacher wie Quentin Tarantino oder Christopher McQuarrie (die „Mission: Impossible“-Reihe).
Heutige, „moderne“ Action-Helden wie John Wick, Jack Reacher oder Robert McCall alias "The Equalizer" sind mehr als deutlich von diesem intelligent und stets hochprofessionell vorgehenden Kopfgeldjäger inspiriert. Wer Sabata noch nicht kennt, sollte unbedingt Bekanntschaft mit ihm machen!
Für Western-Fans lohnt zudem ein Blick in Louis Malles oft übersehenen, aber ungemein unterhaltsamen 60er-Klassiker "Viva Maria!". Ein ebenso kurzweiliger wie systemkritischer Mix aus Western, Abenteuer und Komödie:
Streaming-Tipp: Dieses Western-Abenteuer müsst ihr gesehen haben – verführerisch, durchgeknallt & starbesetzt!*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.