Streaming-Tipp: Dieses Western-Abenteuer müsst ihr gesehen haben – verführerisch, durchgeknallt & starbesetzt!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Ob athletische Kampfkunst, die ehrfürchtig-ruhig gefilmt ist, oder explosiv-lärmender Hollywood-Bombast: Im Action-Kino ist er flexibel – eine konsequente Umsetzung ist für ihn aber stets ein Bonus.

Dieser Western-Wahnwitz eines Meisterregisseurs ist abwechslungsreich, spaßig und voller aufrührerischer Revoluzzer-Energie: Streamt Louis Malles wildes, wagemutiges Actionabenteuer „Viva Maria!“ mit Brigitte Bardot und Jeanne Moreau!

Eine Slacker-Komödie mit einem zerstreuten Protagonisten, Action-Reißer inklusive sensationeller Auto-Verfolgungsjagd, genüsslich beißende Satire und alarmierende Polit-Bestandsaufnahme: Innerhalb von rund 160 Minuten lädt der von FILMSTARTS und Moviepilot zum besten Film 2025 gewählte Geniestreich „One Battle After Another“ zum turbulenten, tonal höchst abwechslungsreichen Ritt.

Regisseur Paul Thomas Anderson steht somit in einer langen, nicht oft genug besungenen Tradition an Filmen, die nicht bloß Revolution thematisieren, sondern ihre Werte konsequent in ihre Erzählweise übertragen. Ein Paradebeispiel ist „Viva Maria!“, ein ebenso aufrührerischer wie unterhaltsamer Mix aus Revolutionswestern, Abenteuerkomödie und musikalischer Vaudeville-Komödie mit stattlichen Schauwerten.

Falls ihr neugierig seid: „Viva Maria!“ von „Mein Essen mit André“-Regisseur Louis Malle ist auf mehreren Plattformen als Leih- und Kauf-VoD verfügbar, etwa bei Amazon Prime Video.

Falls ihr ARTHAUS+ als Prime Video Channel* abonniert habt, könnt ihr dieses oft übersehene Kleinod mit „Die Verachtung“-Star Brigitte Bardot und „Jules und Jim“-Legende Jeanne Moreau ohne Zusatzkosten abrufen!

Darum geht es in "Viva Maria!"

1907: Marie Fitzgerald O'Malley (Brigitte Bardot), genannt Maria, ist die Tochter einer Französin und eines irischen Anarchisten – und sie kommt ganz nach ihrem Vater! Als sie in Mittelamerika eine Brücke in die Luft sprengt, gerät sie ins Visier der britischen Kolonialisten, und schließt sich auf der Flucht einem französischen Wanderzirkus an. Dadurch lernt sie ihre Namensvetterin Maria (Jeanne Moreau) kennen, eine Vaudevillekünstlerin, die auf der Suche nach einer neuen Bühnenpartnerin ist.

Als Doppelakt erfinden sie den Striptease, verdrehen Männern den Kopf und werden Zeuginnen, wie ein Dorf durch einen kriminellen Immobilienbesitzer drangsaliert wird. Das reaktiviert den linken Tatendrang in der einen Maria und überzeugt die andere Maria davon, dass die Welt aufgerüttelt werden muss. Alsbald werden Maria, die Revoluzzerin mit Raufboldenergie, und Maria, die eloquent-gewiefte Aufsässige, essentieller Teil einer sozialistischen Revolution im diktatorisch regierten Staate San Miguel...

Fesches Aufeinanderprallen der Welten

Während vor der Kamera die Schauspielstars Moreau und Bardot aufeinandertreffen, die sich Mitte der 1960er auf einem internationalen Popularitätshoch befanden, bringt dieser Genremix von 1965 hinter ihr zwei andere, prägende Namen des französischen Kinos zusammen:Fahrstuhl zum Schafott“-Macher Louis Malle verfasste „Viva Maria!“ mit Jean-Claude Carrière, bevor dieser durch seine Mitarbeit an Filmen wie Luis Buñuels „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ oder Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“ berühmt werden sollte.

In „Viva Maria!“ lassen sich insbesondere Parallelen zu Carrières Kooperationen mit Buñuel erahnen: Diese zwischen Klamauk und Ernst gleitende Western-Obskurität vertritt ihre dem Konservativismus, ungleicher Machtverteilung und Bigotterie den Kampf ansagenden Werte mit straffer Überzeugung, entsagt sich aber handelsüblicher Didaktik. Viel mehr bekommen Spießertum, Ausbeutung und Unterdrückung den Vogel gezeigt, offenbaren sich als harsche Plottriebfeder und werden von den munteren, einnehmenden Hauptfiguren deklassiert.

Das mündet gleichzeitig durch raffinierte Stilbrüche in eine amüsante Arthousetauglichkeit wie in pompös gedachte Popcornkino-Exzentrik. Denn in „Viva Maria!“ wird konstant in Extremen operiert. Marias und Marias Bühnenauftritte könnten aus einem schillernd-frivolen MGM-Musical stammen. Wenn sich Maria, Maria und der vom Revolten-Schönling Florès (George Hamilton) angestoßene Aufstand selbst im Weg stehen, entbrennt derweil cartoonesk-spritziger Slapstick wie er in „Die nackte Kanone“ oder „Hot Shots!“ auftauchen könnte.

Und wenn all diese Leichtigkeit durch die Brisanz der überfälligen Revolution verdrängt wird, dann klotzt Malle plötzlich mit massiven Schlachtsequenzen, harschen Folterszenen und dreckig-staubiger Western-Action, die echte Wucht aufweisen.

Umsturz mit exzentrischem Stil

Zusammengehalten wird dies durch Malles mühelos zwischen blutigem Ernst, der Absurdität der politischen Lage und den markigen Eigenheiten der Figuren tänzelnder Inszenierung und gewieften Skript-Einfällen: Ganz gleich, von welcher Stimmung eine Passage dominiert wird – Malle und Carrière bringen stets beiläufig-versiert komplementäre, tonale Farbkleckse ein, die die nächste tonale Wende vorbereiten.

So bedienen mitten in wüster Westerngewalt die Titelheldinnen im unpraktischen Saloontänzerinnen-Outfit ein Maschinengewehr, und raue Spannung wird durch den Einsatz einer kuriosen Um-die-Ecke-Knarre zugleich zur parodistischen Farce. Und natürlich hilft das liebenswerte Zusammenspiel der Hauptdarstellerinnen dabei, „Viva Maria!“ zu einem Gesamtkunstwerk festzuzurren: Bardot stürzt sich mit staunenden Kulleraugen in den sozialistischen Kampf, Moreau mit einer weiseren und etwas kleinlauteren Art, kombin iert mit einer diebisch-heimlichen Freude.

Zusammen ergeben sie ein Freundinnen-Doppel mit ansteckender Bombenstimmung, von denen man sich voller Freude durch diese sozialistische Umsturz- und Western-Abenteuerkomödie, ihre schillernden Showeinalgen und ihre wilden Schlachtsequenzen ziehen lässt. Eins steht außer Frage: Leonardo DiCaprios „One Battle After Another“-Held würde diesen Film lieben! Und noch mehr Filmtipps findet ihr im folgenden Beitrag:

Die 3 besten Filme, die ihr diese Woche bei Amazon Prime Video schauen müsst – 19. bis 25. Januar 2026

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