Die Psychologie legt nahe, dass Menschen, die in den 80ern und 90ern mit "Dragon Ball" aufgewachsen sind, eine besondere Fähigkeit entwickelt haben
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Filme gehen für ihn fast immer vor Serien. Doch es gibt Ausnahmen: In den letzten 10 Jahren hat er wenig Besseres gesehen als David Lynchs "Twin Peaks"-Revival – und nach dem Motto "Besser spät als nie" wühlt er sich gerade durch sämtliche "Friends"-Staffeln.

Fernsehen ist schädlich für die Entwicklung? Von wegen! Wer seine Kindheit mit „Dragon Ball“ verbracht hat, kann sogar einen entscheidenden Vorteil gegenüber älteren Generationen vorweisen.

Crunchyroll GmbH

Ältere Generationen rühmen sich oft damit, dass ihre Kindheit besser gewesen sei – schließlich hätten sie viel Zeit draußen verbracht, während die nachfolgenden Jahrgänge vor dem Fernseher, dem Computer oder dem Smartphone groß geworden seien. Doch selbst wenn das stimmen sollte: Die Psychologie legt nahe, dass das nicht unbedingt ein Nachteil gewesen sein muss. Denn gerade Kinder, die in den 1980er- und 1990er-Jahren aufgewachsen sind, haben etwas, das anderen Generationen fehlt – und das ihnen einen großen Vorteil verschafft: „Dragon Ball“ (und natürlich Dragon Ball Z“)!

Dragonball
Dragonball
Starttermin 1986-02-26
Serie: Dragonball
Mit Masako Nozawa, Toshio Furukawa, Torû Furuya
User-Wertung
3,8

Das mag zunächst absurd klingen, ist aber letztlich ganz einfach: Kognitive und psychologische Studien zeigen, dass Begegnungen mit fiktionalen Geschichten in bestimmten Altersphasen prägen, wie wir später die Welt wahrnehmen, uns in ihr bewegen und mit ihr umgehen. Gerade Anime-Serien konfrontieren ihr junges Publikum öfter als andere Produktionen mit moralischen Ambivalenzen, was dazu führt, dass junge Zuschauer*innen früh lernen, komplexere Zusammenhänge zu verstehen.

Das beste Beispiel dafür, wie „Dragon Ball“ unsere Fähigkeit zur Empathie schon in jungen Jahren beeinflusst hat, sind Figuren wie Piccolo oder Vegeta. Bei beiden handelt es sich um Charaktere, deren Entwicklung weit über das klassische Gut-Böse-Schema hinausweist. Sie sind nicht einfach nur Bösewichte, die plötzlich geläutert wurden. Vielmehr zwingen ihre Motive, Entscheidungen und inneren Konflikte das Publikum dazu, sie aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Gerade diese moralische Grauzone – etwa wenn Vegeta zunächst als skrupelloser Zerstörer von Planeten auftritt und später gemeinsam mit Goku kämpft – machte „Dragon Ball“ für viele so prägend. Die Serie nahm uns mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt und erzählte Geschichten, die deutlich komplexer waren als vieles, was westliche Produktionen der damaligen Zeit boten. Immer wieder zwang die Anime-Kultserie ihre Fans dazu, ihre Sicht auf die Figuren zu hinterfragen und die Hintergründe ihres Handelns besser zu verstehen.

Auch Son Gohan macht eine außergewöhnliche Entwicklung durch

Das beste Beispiel dafür ist jedoch nicht nur die ungewöhnliche Vielschichtigkeit der Protagonisten, sondern Son Gohan. Als Kinder sahen wir, wie aus ihm der stärkste Krieger der Galaxie wurde – nur um später mitzuerleben, wie er diesen Weg wieder verlässt, um sich seinem Studium zu widmen und das Kämpfen hinter sich zu lassen. Allein die Vorstellung eines solchen Szenarios – über sein eigenes Schicksal zu bestimmen, auch wenn das bedeutet, mit dem scheinbar logischen Weg zu brechen – brachte viele Kinder dazu, erstmals darüber nachzudenken, was Macht bedeutet, welche Verantwortung mit ihr einhergeht und inwiefern sie selbst die Freiheit haben, ihren eigenen Lebensweg zu wählen.

In diesem Sinne lässt sich „Dragon Ball“ gut mit der Theorie der moralischen Entwicklung des Psychologen Lawrence Kohlberg in Verbindung bringen, die bereits Jahrzehnte zuvor formuliert wurde. Sie besagt, dass die Erfahrungen, denen Kinder etwa zwischen dem neunten Lebensjahr und der Pubertät begegnen, einen entscheidenden Einfluss darauf haben können, wie sich ihr moralisches Denken entwickelt.

Übrigens: Nicht nur Fernsehen ist (potenziell) gesund, sondern auch der Gang ins Kino. Das haben Psychologen endgültig unter Beweis gestellt, wie ihr im folgenden Artikel nachlesen könnt:

Psychologen haben endgültig bewiesen: Kinobesuche sind gesund!

Ein ähnlicher Artike ist bereits bei unseren Kolleg*innen von 3DJuegos erschienen.

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