Als am 15. März 2026 in Los Angeles die 98. Oscar-Verleihung über die Bühne ging, war „Sentimental Value“ für insgesamt neun Awards nominiert – darunter für den besten Film, die beste Regie, das beste Drehbuch sowie in diversen Schauspielkategorien. Dass das Werk des norwegischen Regisseurs Joachim Trier („Der schlimmste Mensch der Welt“) letztlich „nur“ den Preis für den besten internationalen Spielfilm erhielt, mag im ersten Moment ein wenig enttäuschend klingen, sagt aber absolut nichts über dessen Qualitäten aus. „Sentimental Value“ ist und bleibt eine der besten Kinoarbeiten 2025. Und für den Verfasser dieses Artikels ist sie obendrein auch die emotional packendste und berührendste ihres Jahrgangs.
Nur fünf Monate nach seinem Kinostart in Deutschland (4. Dezember 2025) könnt ihr „Sentimental Value“ mit unter anderem Renate Reinsve („A Different Man“), Stellan Skarsgård („Dune“) und Elle Fanning aus „Like A Complete Unknown“ erstmals im Rahmen eines Streaming-Abos sehen:
„Sentimental Value“ ist ab sofort Teil des Flatrate-Programms von Streaming-Service HBO Max. Alternativ ist der FSK-12-Titel ebenfalls seit heute als kostenpflichtiges Video-on-Demand bei anderen Anbietern wie zum Beispiel Amazon Prime Video zu haben:
Falls ihr ein Abo von Amazon Prime Video haben solltet, könnt ihr „Sentimental Value“ dort übrigens ebenfalls ohne Aufpreis streamen. Dazu müsst ihr euch lediglich für den siebentägigen Gratis-Test des HBO-Max-Channels* anmelden. Sofern ihr nicht wieder stornieren wollt, werden nach dem Probezeitraum je nach Abo-Modell ab 5,99 Euro pro Monat fällig.
Eine wahrlich außergewöhnliche Tragikomödie
Mal herzerwärmend schön, dann wieder furchtbar bitter und kaum zu ertragen: „Sentimental Value“ schickt nicht nur seine Figuren, sondern auch uns als Publikum auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Dabei ist das Ganze deshalb so berührend, weil Regisseur Joachim Trier und sein seit zwei Jahrzehnten bewährter Ko-Drehbuchautor Eskil Vogt („The Innocents“) auf Klischees und Sentimentalität nahezu komplett verzichten und uns stattdessen ein immer authentisches, dabei zutiefst menschliches und mit einem angenehmen Schuss Humor gewürztes Szenario präsentieren.
Die Entfremdung zwischen Renate Reinsves Figur und der ihres von Stellan Skarsgård verkörperten Vaters ist durchgehend nachvollziehbar – ebenso wie der beiderseitige Wunsch nach einer Annäherung und auch die Gründe dafür, dass diese (zunächst?) einfach nicht erfolgen kann. Die eigentlich recht einfache, allerdings von komplexen Charakteren bevölkerte Story wird dabei nicht nur mittels der intensiven, oft hautnah an die Figuren herangehenden Inszenierung getragen, sondern speziell von der herausragenden Besetzung.
Neben den international längst etablierten Reinsve und Skarsgård sowie US-Star Elle Fanning als einer Art sympathischem, aber irgendwie doch unerwünschtem Eindringling in die Familie, ist es die hierzulande noch längst nicht so bekannte Inga Ibsdotter Lilleaas („A Beautiful Life“), die besonders zu begeistern weiß. Für viele Zusehende wird die von ihr verkörperte Agnes schnell zur Identifikationsfigur in all dem familiären Chaos werden. Denn die junge Frau ist deutlich bodenständiger und vernünftiger als der Rest ihrer Familie. Das heißt jedoch nicht, dass nicht auch sie irgendwann in deren emotionalen Strudel aus Liebe und Aversion, Enttäuschung und Hoffnung sowie der Unfähigkeit, diese Gefühle effizient zu verbalisieren, hineingezogen wird.
Schaut euch diesen großartigen Film an, der deutlich leichter daherkommt, als es sich im vorherigen Absatz vielleicht anhören mag, und genießt einige der besten Schauspielleistungen der letzten Jahre im Rahmen einer wahrlich außergewöhnlichen Tragikomödie.
"Sentimental Value": Das ist die Story
Nora Borg (Renate Reinsve), die an Oslos größtem Theater sehr erfolgreich als Schauspielerin arbeitet, hat mal wieder einen Nervenzusammenbruch. Während ihre jüngere Schwester Agnes (Inga Ibsdotter Lilleaas) bereits Mann und Kind hat, empfindet sie ihr eigenes Privatleben als eine einzige Katastrophe. Die Schuld daran gibt Nora ihrem Vater Gustav (Stellan Skarsgård). Der hatte die Familie früh verlassen, um sich um seine Karriere zu kümmern, und danach kaum noch Kontakt zu seinen Töchtern. Als Noras und Agnes' Mutter stirbt, taucht Gustav plötzlich wieder auf, als wäre nichts gewesen.
Allerdings hat Gustav einen Hintergedanken: Früher war er ein populärer Filmregisseur, dessen Ansehen aktuell allerdings rapide abnimmt. Jetzt hat er aber ein neues, seiner Meinung nach exzellentes Drehbuch geschrieben und will unbedingt Nora in der Hauptrolle besetzen. Die lehnt indes schroff ab, ohne das Skript überhaupt zu lesen. Da gelingt es Gustav durch einen Zufall, Hollywood-Superstar Rachel Kemp (Elle Fanning) für den Part zu engagieren, der offenbar an die Geschichte seiner eigenen Mutter während der Besetzung Norwegens durch die Nazis angelehnt ist…
Lange vor „Sentimental Value“ und Joachim Trier arbeitete Stellan Skarsgård mit einem der angesehensten Regisseure aller Zeiten zusammen. Wirklich gut verstanden haben sich die beiden dabei aber wohl nicht, wie ihr im folgenden Artikel nachlesen könnt:
"Er war ein Nazi und kein sehr netter Mensch": Stellan Skarsgård rechnet hart mit einem der größten Regisseure aller Zeiten ab*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf oder beim Abschluss eines Abos über diese Links erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.