Dieser Skandalfilm ist zu hart für die FSK: 19 (!) Jahre nach seiner Weltpremiere erscheint er endlich auch in Deutschland – uncut!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Es hat echt lange gedauert, doch diese Woche ist es tatsächlich passiert: Die umstrittene Pseudo-Horrordoku „The Poughkeepsie Tapes“ ist diese Woche erstmals in Deutschland erschienen – ungeschnitten und ohne FSK-Siegel!

Jahrzehnte ist es her, da war die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft der Erzfeind unzähliger Horrorfans – wurden doch zahlreiche Schocker aus dem Ausland von ihr streng beurteilt und daraufhin von Verleihern rüde gekürzt. Diese Zeiten sind mittlerweile vorbei: War es einst an der Tagesordnung, dass Horrorfilme ungekürzt keine Freigabe ab 18 Jahren erhielten, passiert dies nun überaus selten.

Umso aufsehenerregender ist es, wenn solch ein Fall doch wieder eintritt – wie beim sich stilistisch als seriöse Dokumentation ausgebenden Found-Footage-Horror „The Poughkeepsie Tapes“. Der Serienkiller-Slowburn-Schocker feierte 2007 seine Weltpremiere, hatte daraufhin aber international eine turbulente Veröffentlichungshistorie, die zugleich seinem eiskalt-verstörenden Ruf zuträglich war. Die Weigerung der FSK, ihm ungekürzt eine Freigabe zu erteilen, dürfte dieses Image weiter unterstreichen.

Das verantwortliche Label MT Trading ging daher den nächstbesten Schritt und holte sich ein Gutachten von der Juristenkommission der SPIO (Spitzenorganisation der Filmwirtschaft). Die attestierte dem Film, dass von ihm keine schwere Jugendgefährdung ausgeht. Daher ist „The Poughkeepsie Tapes“ diese Woche erstmals im deutschen Heimkino veröffentlicht worden – und das uncut auf DVD und Blu-ray!

Die Discs kommen ohne Bonusmaterial daher. Solltet ihr angesichts dessen (oder sowieso schon) auf das haptische Element verzichten wollen: Der Skandalfilm von „Katakomben“- und „No Escape“-Regisseur John Erick Dowdle ist außerdem bei Amazon Prime Video* und auf anderen Streamingplattformen als VOD verfügbar.

Darum geht es in "The Poughkeepsie Tapes"

Die Kleinstadt Poughkeepsie im US-Bundesstaat New York: Die Polizei stürmt ein von außen nicht weiter bemerkenswertes Wohnhaus. Dort stößt sie auf eine 800 Videobänder umfassende Sammlung mit grässlichem Inhalt. Denn der Serienkiller Edward Carver hat seine unaussprechlichen Schandtaten über Jahre hinweg minutiös selbst dokumentiert. Im Laufe einiger Interviewschnipsel mit Angehörigen der Opfern, Stimmen aus der Politik und Mitgliedern der Polizei oder auch des FBI sowie durch Einblicke in die erschütternden Videoaufnahmen erfahren wir nach und nach, was der grausame Mörder alles getrieben hat...

15 Drehtage und eine lange, lange Wartezeit

Die Idee zum Film kam John Erick Dowdle mit seinem Bruder Drew, als sie nach Wegen suchten, einen möglichst günstigen Film zu machen, der den Eindruck erweckt, das Ergebnis einer extrem aufwändigen Produktionsgeschichte zu sein. So kam ihnen das Konzept einer auf verschiedenen Medien gedrehten Fakedoku in den Sinn, die an den extremsten Orten des Hudson Valley spielt – denn das New Yorker Tal wirkte auf die Brüder ebenso malerisch wie finster.

Das Ergebnis dieser Überlegungen wurde 2005 innerhalb von 15 Tagen gedreht (allerdings größtenteils in Los Angeles, auch wenn ausgewählte Aufnahmen im titelgebenden Poughkeepsie stattfanden) und feierte seine Weltpremiere am 27. April 2007 auf dem Tribeca Film Festival, woraufhin sich MGM die US-Vertriebsrechte am Found-Footage-Schocker sicherte. Der Verleih kündigte an, „The Poughkeepsie Tapes“ im Februar 2008 regulär in die US-Kinos zu bringen, strich den Film allerdings nach Anbruch der Werbekampagne vom Kalender.

Im Tandem mit der falschen Annahme, der Film verarbeite die realen Verbrechen des Serienmörders Kendall Francois, sowie positiven Kritiken von wie Genre-Fanpublikationen wie Bloody Disgusting befeuerte dies in Horrorfankreisen einen kleinen Hype um „The Poughkeepsie Tapes“: Ist dieser bizarre, narrativ atypisch aufgezogene Serienkillerschocker etwa zu hart für die breite Masse?!

Erst 2014 konnte sich für sehr kurze Zeit ein größeres Publikum ein Bild davon machen: Wenige Wochen lang war der Indie-Horror als VOD verfügbar. Erst 2017 folgte eine neue, langfristigere Veröffentlichung in Form einer DVD-Blu-ray-Kombo des kleinen US-Labels Scream Factory – und nun endlich können sich auch deutsche Horrorfans ganz leicht einen Eindruck vom Film verschaffen.

Und sollte euch „The Poughkeepsie Tapes“ um den Schlaf bringen: Unser folgender, leichtfüßiger Heimkino-Tipp bringt euch sicher wieder auf fröhlichere Gedanken...

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