Heimkino-Highlight: Ein verstörendes Thriller-Meisterwerk einer absoluten Regie-Legende gibt es jetzt wieder in 4K!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

David Lynch war ein Meister der albtraumhaften Spannung. Und jetzt gibt's einen seiner legendärsten Albträume wieder in hervorragender Qualität: Der beklemmende Mystery-Thriller „Lost Highway“ kommt in 4K ins Heimkino zurück!

Mit sogleich mehreren unter die Haut gehenden, den Verstand kreisen lassenden Geniestreichen erarbeitete sich Regisseur und Autor David Lynch einen Ehrenplatz im Film-Olymp – und ging damit sogar in den Sprachgebrauch ein: Surreale, beklemmende, Paranoia weckende Filme und Serien werden in Anlehnung an seine bekanntesten Werke gerne als „lynchesk“ bezeichnet ...

... und einen der „lyncheskesten“ Filme überhaupt gibt es jetzt wieder in 4K-Qualität fürs Heimkino. Das dürfte für Fans, die in noch besserer Qualität in Lynchs Albträume abtauchen wollen, ebenso reizvoll sein, wie für alle, die einen letzten Schubs benötigen, um das Meisterwerk endlich mal nachzuholen: Der finstere Mystery-Mindfuck „Lost Highway“ erhält am 9. April 2026 eine 4K-Neuauflage im Heimkino!

Zur Einordnung: Seine deutsche 4K-Premiere feierte der Thriller-Meilenstein noch 2024 in einem limitierten Steelbook*, das mittlerweile bloß noch gebraucht zu erhöhtem Preis erhältlich ist.

"Lost Highway": Ein Verwirrspiel, das man gesehen haben muss

Jazzsaxophonist Fred Madison (Bill Pullman) wird nach einer Party festgenommen und des Mordes an seiner Frau Renée (Patricia Arquette) beschuldigt. In der Todeszelle auf seine Hinrichtung wartend, wird er von Kopfschmerzen geplagt und Visionen des Mystery Mans (Robert Blake) verfolgt. Als er sich in den Automechaniker Pete Dayton (Balthazar Getty) verwandelt, lassen die Wärter Pete frei – immerhin sitzt plötzlich ein Unschuldiger in Freds Zelle! Doch kaum auf freiem Fuß, beginnt Pete eine Affäre mit Alice (ebenfalls Patricia Arquette) und kommt schleunig vom Pfad der Tugend ab...

Ein Element des düster-morbiden Surrealen, das sich durch die Bildsprache ebenso zieht wie durch die elliptische Erzählweise, eine Vielzahl an sich aufdrängenden Fragen und eine betörend-beklemmende Klangfarbe, die uns in Unsicherheit wiegt: „Lost Highway“ ist eine sehr erfüllende, hoch kreative Seherfahrung und avancierte nicht grundlos zum Genreklassiker.

Lost Highway
Lost Highway
Starttermin 10. April 1997 | 2 Std. 15 Min.
Von David Lynch
Mit Bill Pullman, Patricia Arquette, Balthazar Getty
Pressekritiken
3,3
User-Wertung
4,1
Filmstarts
5,0

Zugleich ist er aber auch ein überaus verwirrendes und sich im Hinterkopf festbeißendes Erlebnis, das sämtliche „Alles muss astrein und logisch ablaufen“-Filmfans nachhaltig zur Verzweiflung treiben dürfte. Denn die erzählerischen Sprünge und narrativen Ellipsen in „Lost Highway“ drängen uns zwar allesamt den einen oder anderen Interpretationsansatz auf – aber stets gibt es auch bewusste Lücken.

Man könnte Fred respektive Pete beispielsweise als Menschen mit gespaltener Persönlichkeit deuten, und den Wechsel als Versinnbildlichung dessen verstehen. Das ist über weite Strecken des Films ein ergiebiger Ansatz, der allerdings allein schon durch die bereitwillige Freilassung Petes einen gewaltigen Bauchschuss abbekommt. Ähnlich verhält es sich mit weiteren Deutungsversuchen, etwa dem Ansatz, dass die zweite Filmhälfte Freds gedankliche Flucht in ein Leben darstellt, in dem er unschuldig geblieben ist – bis wieder die Realität hereinbricht.

Es ist leicht, den „Lost Highway“ mit einem Gedanken entlang zu düsen, doch irgendwann landet man zwangsweise in einer frustrierenden Sackgasse. Genau das Lynch als Skriptfehler anzulasten, wäre jedoch fatal: Dieser morbid-hypnotisch gefilmte, von wortwörtlichen wie sinnbildlichen Metamorphosen durchzogene Film gewinnt durch dieses Element an Wahnsinn. „Lost Highway“ wird so erst wirklich albtraumhaft (oder sind eure Albträume lückenlose Alltagsnarrativen?) und erinnert zugleich daran, dass sich im Leben wie in der Kunst verschiedene Wege anbieten – und keiner davon frei von Schlaglöchern ist.

Und wenn ihr auch offen für Thriller-Geheimtipps seid, wie wäre es mit dem folgenden, schwarzhumorigen Film eines zelebrierten Regie-Novizen?

Trotz 95% bei Rotten Tomatoes ist dieser Thriller völlig unbekannt: Crime-Geheimtipp vom Regie-"Wunderkind" jetzt neu im Heimkino!

Dies ist eine überarbeitete Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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