In den letzten 15 Jahren gab es so manch erfolgreiche Streaming- und TV-Serie, die der Welt gezeigt hat: Auf der Insel verstehen sie etwas von seriellem Erzählen. „Peaky Blinders“, „Downton Abbey“ oder „The Crown“ gerieten zu weltweiten Exportschlagern. Schauen wir nochmals ein oder zwei Jahrzehnte zurück, stoßen wir auf weitere legendäre britische TV-Serien, die Millionen Fans erreicht haben – und ganze Genres prägten („Teletubbies“, „Mr. Bean“, „The Office“ u.a.).
Doch all diese Serien können nicht mit „Coronation Street“ mithalten. Die von Drehbuchautor Tony Warren erdachte Soap-Opera ist eine Art kultisch verehrtes Nationalheiligtum im Land von „Fish & Chips“ – und läuft seit 66 (!) Jahren ohne Unterbrechung im britischen TV. Damit ist „Coronation Street“ die am längsten laufende Fernsehserie Großbritanniens. Als wäre dieser Rekord nicht schon beeindruckend genug, diente „Coronation Street“ auch noch als Vorbild für die erste deutsche Seifenoper. Und die wurde ebenfalls ein Straßenfeger!
Liebe und Leid unter Nachbarn: Das ist "Coronation Street"
„Coronation Street“ (von Fans liebevoll nur „Corrie“ genannt) flimmerte erstmals im Dezember 1960 über die britischen Bildschirme. Die in der fiktiven nordenglischen Stadt Weatherfield spielende Serie erzählt aus dem Leben einer Reihe von Bewohnern der titelgebenden Straße. Dieser Straßenzug ähnelt den typischen Reihenhäusern vieler nordenglischer Arbeiter- und Industriestädte.
Alles beginnt in der Auftaktfolge damit, dass alteingesessene Coronation-Street-Bewohner im kleinen Eckladen (dem passend bezeichneten „Corner-Shop“) auf ihre neuen Nachbarn treffen. Es wird eines der Kernkonzepte der Serie bleiben: Menschen aller Generationen, die in ihrem Alltag Freud und Leid erfahren und sich bei Zufallsbegegnungen darüber austauschen.
Man trifft sich im örtlichen Pub, beim Arzt, in der Fabrik, im Kiosk oder am Imbissstand. Inhaltlich ging es – und geht es bis heute – um Alltägliches. Streitereien zwischen Nachbarn, Liebeskummer, kleine und große Konflikte, Krankheiten, finanzielle Nöte. „Coronation Street“ trifft einen Nerv: 20 bis weit über 25 Millionen Briten sitzen von den 60ern bis in die 90er-Jahre mehrmals in der Woche vor dem TV, um sich das neueste Treiben in der Coronation Street anzuschauen. Die Serie entwickelt sich zum popkulturellen Phänomen, die in Musikvideos („I Want To Break Free“ von Queen) oder von anderen bekannten Serien, darunter die Hit-Sitcom „Absolutely Fabulous“, parodiert (oder besser: zitiert) wird. Das steigert ihre Bekanntheit weltweit nur noch mehr.
Vorbild für Deutschlands älteste Soap: Die "Lindenstraße"
1985 kopierte die deutsche Serie „Lindenstraße“ das Prinzip des erfolgreichen britischen Vorbilds. Lokal auf eine (Münchener) Straße begrenzt, erzählte Deutschlands erste Seifenoper von typischen Handlungssträngen rund um Freundschaft, Alltagssorgen, Liebe, Ehe und Tod. Die „Lindenstraße“ wurde mit bis zu 15 Millionen TV-Zuschauern zu einem der größten Hits der deutschen TV-Geschichte. Nach mehr als 34 Jahren auf der Mattscheibe lief 2020 die letzte Folge. Sie war Deutschlands langlebigste wöchentliche TV-Soap.
Ein weiteres Erfolgsrezept von „Coronation Street“ und der „Lindenstraße“: Beide Serien sind/waren seit jeher auch Spiegelbild gesellschaftlicher Themen und Umbrüche. Von der AIDS-Krise in den 80ern über Transgeschlechtlichkeit (die Serie führte 1998 als erste britische Soap einen transsexuellen Charakter ein) bis hin zu Frauenrechten und häuslicher Gewalt. All das griffen die beiden Kult-Serien in ihren Episoden auf.
Und: Im Gegensatz zu vielen auf Hochglanz polierten US-Soap-Operas porträtiert „Coronation Street“ schon immer die einfachen, hart arbeitenden Menschen – mit denen sich die TV-Zuschauer bis heute identifizieren können. Das zeigt sich am nach wie vor beachtlichen Zuschauerinteresse. Heute schalten im Schnitt noch etwa 4 bis 4,5 Millionen Zuschauer pro Episode ein. Damit behauptet sich die Serie im Zeitalter von Streaming und medialer Konkurrenz durch die Social-Media-Plattformen weiterhin als eine der meistgesehenen Soaps in Großbritannien.
2005 erfüllte sich Gandalf-Darsteller Ian McKellen einen Lebenstraum und spielte zehn Folgen lang in „Coronation Street“ mit. Dass der britische Charaktermime im neuen „Herr der Ringe“-Film erneut als bärtiger Zauberer auftreten wird, ist schon lange bestätigt. Kürzlich machte eine weitere spannende Casting-Meldung die Runde:
Neuer "Der Herr der Ringe"-Film: "50 Shades Of Grey"-Star wird zu einem der größten Helden der Fantasy-SagaFILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover, um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.
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