Streaming-Tipp: Einer der spannendsten Filme der letzten 15 Jahre – mit einem Finale, das ihr nie mehr vergesst!
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

Nichts ist wie es scheint in Joel Edgertons zwischen Psycho-Thriller, Home-Invasion und Beziehungsdrama angesiedeltem „The Gift“. Ein paranoider Albtraum aus Lügen, Rache und Geheimnissen. Den erschütternden Twist am Ende werdet ihr nie vergessen!

Seit Joel Edgerton der große Durchbruch in der Rolle des Owen Lars in „Star Wars: Episode II“ und „Episode III“ gelang, sind fast 25 Jahre vergangenen. Seitdem hat er sich, durch kluge Rollenauswahl und eindringliche Darbietungen, den Ruf eines Kritikerlieblings erspielt. Zuletzt begeisterte er in Clint Bentleys mehrere Jahrzehnte umspannendem Meisterwerk „Train Dreams“ (2025).

Zehn Jahre zuvor bewies der Australier erstmals sein Talent für Regie. In „The Gift“ von 2015 zeigte er, dass Psycho-Thriller auch tiefgründig und enorm komplex sein können. Man muss nur hinter die Fassade schauen, die Figuren genauer analysieren und so deren Beweggründe durchdringen. Edgerton befasst sich darin mit Themen wie Mobbing und Ausgrenzung, Eifersucht, Vergeltung, tief sitzenden Vorurteilen, moralischen Ambivalenzen und unterdrückten Emotionen.

Das klingt nach vielen Themen und Inhalten? Unbedingt! Denn es gibt wahrhaftig einiges zu entdecken in diesem kleinen, aber feinen Psycho-Trip, der sich als echter Überraschungserfolg erwies. Bei einem Budget von nur 5 Millionen Dollar generierte „The Gift“ schließlich fast 60 Millionen Dollar. Und auch die Kritik zeigte sich angetan von Edgertons Regie-Einstand. So steht der Film etwa bei 91 Prozent positiver Kritiken bei Rotten Tomatoes.

Wer sich diesen herausragenden Psychothriller nicht entgehen lassen möchte, findet „The Gift“ als VoD zum Leihen oder Kaufen bei Amazon Prime Video.

Darum geht es in "The Gift"

Nach Jahren begegnen sich Simon Callum (Jason Bateman) und sein alter Mitschüler Gordo (Joel Edgerton) in einem Möbelgeschäft. Was anfangs noch einen Hauch von Nostalgie besitzt und nach dem Wiederaufleben alter Beziehungen aussieht, entwickelt sich schon bald in eine ganz andere Richtung. Denn Gordo erweist sich als ziemlich aufdringlich. Er macht ungefragt Geschenke, schleicht scheinbar ums Haus und besucht Simons Frau Robyn (Rebecca Hall) immer dann, wenn ihr Mann gerade nicht zu Hause ist.

Dabei waren die beiden erst kürzlich in ein beschauliches neues Haus in einen Vorort von L.A. gezogen, um dort eine Familie zu gründen und neu anzufangen. Als Gordos Verhalten immer seltsamer wird, beschließen sie, auf Abstand zu ihrem „neuen Freund“ zu gehen. Doch damit beginnen die wirklichen Probleme so richtig.

The Gift
The Gift
Starttermin 26. November 2015 | 1 Std. 48 Min.
Von Joel Edgerton
Mit Jason Bateman, Rebecca Hall, Joel Edgerton
Pressekritiken
4,1
User-Wertung
3,7
Filmstarts
4,0

Edgerton hat die Regeln des Thriller- und Suspense-Kinos verinnerlicht. Eine Besonderheit von „The Gift“ ist jedoch, dass er bei weitem nicht auf die erwartbaren, Genre-üblichen Jump-Scares oder auf billige Effekthascherei setzt. Vielmehr zieht er die Spannungsschraube langsam und mit Bedacht an und bereitet seine an unerwarteten Stellen platzierten Auflösungen sowie Schockmomente auf diese Art sehr sorgsam und überlegt vor. Jene Home-Invasion- und Paranoia-Thriller-Elemente wirken nicht zuletzt deshalb so lange nach, weil sie Edgerton sehr kalkuliert und wohldosiert einsetzt – und vieles nur andeutet. Das brillante Sounddesign trägt seinen Teil dazu bei.

Was ist Traum, was ist Wirklichkeit?

Statt instrumentaler Klänge hört man oft nur das Brummen des Kühlschranks, das Tropfen eines Wasserhahns oder Schritte auf dem Parkett. Das verstärkt die Intensität und Spannung ungemein, vor allem, wenn man die Vorgeschichten der Protagonisten kennt. Denn „The Gift“ deutet mehrmals an, dass Robyn in früheren Zeiten mit Angstzuständen und Wahnvorstellungen zu kämpfen hatte. Bildet sie sich die unheimlichen Geräusche und Vorkommnisse also vielleicht nur ein?

Das eigentlich Brillante an dem Film aber ist die Umkehrung der Verhältnisse, die Edgerton an vielen Punkten beachtlich gelingt. Rein auf dem Papier ist Gordo (zunächst) der klare Antagonist und Psychopath. Gerade zu Beginn erscheint er stets freundlich, zuvorkommend und empathisch – wodurch er nur noch unheimlicher wirkt. Doch dann wendet sich das Blatt. Es entsteht irgendwann fast so etwas wie Mitleid für den unbeholfen und unsicher wirkenden Mann mit Ohrring und gefärbten Haaren, der, so stellt sich heraus, mit einem schlimmen Ereignis aus der Jugend nicht abschließen kann. Im gleichen Atemzug erscheint einem Simon, aufgrund seiner zunehmenden Aggressivität und seltsamen Verhaltensweisen, immer bedrohlicher und rätselhafter.

Wem können Robyn (und die Zuschauer) überhaupt noch trauen? Wer sagt die Wahrheit: der traumatisierte, psychisch labile Gordo? Oder Simon? Der nach außen den ebenso toughen wie erfolgreichen, wohlhabenden Karrieristen mimt – tatsächlich aber ein Meister der Verdrängung ist. „The Gift“ dreht diese – etablierten – Machtverhältnisse (zwischen Gordo und Simon, zwischen Simon und Robyn) gekonnt um.

Macht euch auf ein schockierendes Finale gefasst

Zwischendurch erweist sich der Film immer wieder als raffinierte Beziehungsstudie, die das langsame Ende einer Partnerschaft thematisiert. Kenne ich den Menschen an meiner Seite wirklich? Was weiß ich über seine/ihre Vergangenheit? All diese – und ähnliche Fragen – wirft „The Gift“ auf, der die Zuschauer*innen zudem mit einem ziemlich heftigen, wahrlich unerwarteten Schock-Finale entlässt.

Es fließt am Ende kein Blut (wie im ganzen Film übrigens nicht), und Edgerton benötigt für seinen Twist weder laute Geräusche noch aufwendige Effekte. Der Terror spielt sich allein im Kopf der Personen ab. Ein paar Minuten verwackelter, unscharfer Video-Aufnahmen und wenige Sätze genügen, um das Opfer (wer es ist, soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden) psychisch zu zerstören.

Wer an unalltäglichen Psycho-Thrillern seine Freude hat, der könnte auch an „Raging Grace“ Gefallen finden. Die bereits mit vielen renommierten Preisen bedachte deutsche Produktion erscheint schon bald als VoD. Hier könnt ihr euch den Trailer dazu ansehen:

Preisgekrönter Psycho-Thriller startet endlich in Deutschland – hier ist der Trailer zu "Raging Grace"

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