Das aktuelle deutsche Kinojahr bot schon sehr früh ein denkwürdiges Highlight: Bereits am 15. Januar hatte der erste Film 2026 seinen bundesweiten Start, der in der offiziellen FILMSTARTS-Kritik die Höchstnote ergatterte! Das international besetzte, drei visuell wie tonal unterschiedliche Kapitel zu einem schillernden, poetischen Triptychon verwebende Drama „Silent Friend“ bekam von FILMSTARTS-Autor Michael Bendix fünf Sterne und somit Meisterwerkstatus zugesprochen.
Falls ihr den unter anderem mit globalen Schauspielgrößen wie Tony Leung Chiu-Wai und Léa Seydoux besetzten Film im Kino verpasst habt, oder erneut die über hundert Jahre umspannende Geschichtensammlung aus der Universitätsstadt Marburg erleben möchtet, besteht Grund zur Freude. Denn diese Woche ist „Silent Friend“ auf Blu-ray erschienen.
Das über zwei Stunden lange, nachdenkliche und zwischendurch auch komische Drama wurde außerdem auf DVD* veröffentlicht und unter anderem bei Prime Video* als VOD verfügbar gemacht. Die Discs verfügen über zwei Interviews als Bonusmaterial – eines mit Regisseurin Ildikó Enyedi, eines mit der hervorragenden Darstellerin Luna Wedler.
Darum geht es in "Silent Friend"
Seit über hundert Jahren wacht ein mächtiger Ginkgobaum über den botanischen Garten an der Universität von Marburg. In dieser Zeit wird der Baum zum stillen Zeugen verschiedenster Lebensgeschichten. 1908 etwa wird Grete (Luna Wedler) zur ersten Studentin an der Universität. Wiederholt muss sie sich gegen Sexismus und veraltete, verurteilende Denkmuster wehren – doch sie entdeckt auch die Fotografie für sich und dank ihrer neuen Passion verborgene Strukturen im Pflanzenreich.
1972 verliebt sich wiederum der verpeilte, schüchterne Hannes (Enzo Brumm) in die engagierte, rebellisch tickende Biologiestudentin Gundula (Marlene Burow) und greift ihr daher bei einem ambitionierten Experiment unter die Arme. Ob ihm das Chancen ermöglicht, ihr Herz zu erobern?
2020 stellt sich der Neurowissenschaftler Tony (Tony Leung Chiu-wai) aus Hongkong derweil ganz andere Fragen: Was soll er bloß tun, während er auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie allein mit dem grummelnden Hausmeister Anton (Sylvester Groth) im altehrwürdigen, efeuumrankten Universitätsgebäude festsitzt? Vielleicht lassen sich in der Pflanzenwelt neue Errungenschaften machen – doch dafür braucht er Rat von der französischen Expertin Alice (Léa Seydoux) sowie Antons Geduld für seine sonderbar scheinenden Ideen...
Drei Zeiten, viele Gefühle, ein alles verbindender Baum
Kameramann Gergely Pálos und Regisseurin Ildikó Enyedi trennen die drei Kapitel visuell und technologisch durch die Wahl der Kamera: Alices Geschichte ist schwarz-weiß auf 35-mm-Film festgehalten, Hannes und Gundula werfen sich in grobkörnigem 16-mm-Farbbildern Blicke zu und das Corona-Jahr 2020 präsentiert sich in klarer, detailreicher Digitalästhetik. Es ist auch, dank knapper Dialoge und weiten, leergefegten Universitätshallen, über lange Strecken das einsamste Kapitel des Films.
Die 1970er in „Silent Friend“ sind derweil nicht bloß aufgrund des rauschenden, knisternden Bildmaterials, sondern ebenso aufgrund des wuselnden Campuslebens und der nach gesellschaftlichen Aufbruch strebenden Figuren sehr lebendig. Dank Hannes' goldigem Humor und liebenswert-hilflosen Flirtversuchen stellen sie zugleich den lustigsten Teil dieses Dramas über sich unterschiedlich äußernde Sehnsucht, wandelndes Streben nach Nähe und langwierige, geheimnisvolle Prozesse dar.
Gretes Handlungsfaden befindet sich zwar chronologisch am Anfang, tonal liegt sie indes zwischen den anderen Sinnabschnitten des Films: Der steife, dauerempörte Sexismus und das staubig-intolerante Gesellschaftsdenken rund um die wissbegierige, (nicht immer erfolgreich) für sich einstehende Studentin sind belastend und machen wütend. Aber Wedler verleiht Greta zugleich eine amüsant-pointierte Unermüdlichkeit und einen unterschwelligen, alleinunterhaltenden Witz im Umgang mit den Spießern um sie herum. Hochverdient gewann Wedler bei den Filmfestspielen von Venedig den Marcello-Mastroianni-Preis als beste Nachwuchsdarstellerin!
Beiläufig und zugleich poetisch ist derweil die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur, die sich durch die drei Filmkapitel zieht: Immer wieder werden die Figuren durch Anblicke in Marburgs Flora und die von der Natur erzeugten Stimmung inspiriert, wodurch sie Erkenntnisse gewinnen und Taten vollbringen, die wiederum zeitverzögert den Pflanzen rund um die Universität zugutekommen – insbesondere dem Ginkgobaum, auf den sich der Filmtitel bezieht.
„Enyedi lässt Menschen (und Pflanzen) über sämtliche kommunikative und sogar zeitliche Barrieren hinweg eine Form der Verständigung finden, womit 'Silent Friend' auch eine Utopie ist“, urteilte daher Michael Bendix in der FILMSTARTS-Kritik. Weiter kommt er zum Fazit: „'Silent Friend' ist ein Film von monumentaler Dimension, trotzdem fühlt er sich leicht und selbstverständlich an.“ Und wenn ihr weiter auf der Suche nach herausragenden Filmen seid, die 2026 im Kino noch mehr Liebe verdient hatten, folgt doch auch diesem Streaming-Tipp:
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