Heimkino-Highlight: Dieses opulente Historien-Epos ist ein atemberaubendes Meisterwerk – endlich erscheint es auf Blu-ray
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Das ist eine hervorragende Gelegenheit, um ein eindrucksvolles Meisterwerk nachzuholen oder neu zu entdecken: Der epochale Historienfilm „Andrej Rubljow“ ist nun in zwei Schnittfassungen erhältlich!

Dank einer Reihe an nachdenklichen, komplexen und zumeist mit Engelsgeduld erzählten Spielfilmen ging der Regisseur und Drehbuchautor Andreï Tarkovskys in die Kinogeschichte ein: Seine Werke beeinflussten Leute wie Ingmar Bergman, Lars von Trier, Alejandro González Iñarritu sowie Michael Haneke und werden als absolutes Pflichtmaterial für alle Filmbegeisterten gehandelt, die den künstlerischen Aspekt des Mediums wertschätzen.

Selbst der Vatikan erteilte Tarkovsky seinen Segen und nahm einen Klassiker des sowjetischen Regisseurs in den Kanon der 45 Filme auf, die man gesehen haben sollte! Genau dieser Film hat nun ein längst überfälliges Upgrade erhalten: Diese Woche ist das Mittelalter-Epos „Andrej Rubljow“ erstmals in Deutschland auf Blu-ray erschienen!

Der im Laufe der Jahrzehnte in zahlreichen Ländern mehrfach gekürzte Klassiker wird auf Blu-ray in der etwa drei Stunden langen, internationalen Kinofassung präsentiert. Zudem gibt es auf der Bonus-DVD die noch längere Schnittfassung namens „Die Passion nach Andrej“. Diese enthält zusätzliche Traum- und Handlungsszenen, gegen Mensch und Tier gerichtete Gewaltspitzen sowie kurze, exklusive Momente der Nacktheit.

Obwohl Tarkovsky von der sowjetischen Filmbehörde zu diesen Kürzungen gedrängt wurde, erklärte er später die daraufhin entstandene, rund 180-minütige Fassung als die von ihm bevorzugte Annäherung an den Stoff. Trotzdem ist es allein schon filmhistorisch erfreulich, dass die Urfassung zugänglich ist – zumal es auch Stimmen gibt, die diese Version aufgrund ihrer gesteigerten Unbequemlichkeit favorisieren.

Darum geht es in "Andrej Rubljow"

In acht Kapiteln blickt Andreï Tarkovsky auf das Leben des bedeutenden Ikonenmalers Andrej Rubljow, der es vom Mönch zum Heiligen der östlich-orthodoxen Kirche schaffen sollte. Neben dem an humanistisch-aufklärerischen Ideen interessierten Künstler sind aber genauso sehr die zeitlichen und politischen Umbrüche Thema, die ihn formten.

Er wird Zeuge menschenverachtender Macht- und Kriegspolitik, entwickelt ebenso Verantwortungsbewusstsein wie Schuldgefühle und stürzt sich in Selbstzweifel, die ihm eine schöpferische Krise bescheren – sich auf langer Sicht jedoch auch zum Antrieb seines Handelns und Einflusses wandeln...

Der Mensch als Schöpfer in einer zerstörerischen Welt

Aufgrund der Absicht, seine historische Titelfigur nicht weiter zu idealisieren und zu ideologisieren, handelte sich Tarkovsky den Zorn der sowjetischen Behörden ein. Die erwarteten keinen facettenreichen Film, der realistisch-komplexe Persönlichkeiten in episodischen Kapiteln beleuchtet und als Sprungbrett für eine differenzierte Meditation über Kreativität und Spiritualität nutzt, sondern eine prunkvoll ausgestattete, geradlinige Heldenverehrung.

Die Filmgeschichtsschreibung hat „ Andrej Rubljow“ indes als Meisterwerk für sich entdeckt, das auf bewegende, opulente Weise über den Wert der Kunst in einer harschen, feindseligen Welt sinniert: Ganz gleich, wie schlimm Menschen sein können, der Mensch ist zum kreativen Schöpfungsprozess und all seinen erstrebenswerten Früchten fähig.

Zu welch bewegenden Bildern Tarkovskys noch fähig war, zeigt euch derweil unser folgender Heimkino-Tipp:

Dieses Meisterwerk sollte jeder einmal gesehen haben – spätestens jetzt: Einer der besten Filme aller Zeiten erscheint erstmals auf Blu-ray

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