Es ist ein Mosaik der Abscheu: In der Satire „Das Leben ist wundervoll“ setzen sich herbe, durchgeknallte Vignetten über Menschen an seltsamen, tragischen oder drastischen Wendepunkten zum verbitterten Porträt einer Gesellschaft im Wachstumsschmerz zusammen. Das sorgte mit seiner provokanten Art vor fünf Jahren bei den Filmfestspielen von Cannes für schockierte, gebannte Reaktionen. Danach lief der erbarmungslose Generalumschlag im Rahmen des Fantasy Filmfests in ausgewählten deutschen Kinos.
Seither ist es um „Das Leben ist wundervoll“ still geworden – bis jetzt! Denn nun ist der französische Geheimtipp, in dem Schimpftiraden, sexualisierte Gewalt, Korruption und Mord zu einem blutigen, bitteren, barbarischen Sozialzerrbild zusammenfinden, an die Oberfläche zurückgekehrt: Seit dieser Woche ist „Das Leben ist wundervoll“ auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Bei der Blu-ray handelt es sich um eine Limited Edition mit Postkartenset, die DVD-Edition kommt wiederum ohne haptisches Extra daher. Zudem findet ihr „Das Leben ist wundervoll“ auf diversen Plattformen als VOD, darunter Prime Video*.
Darum geht es in "Das Leben ist wundervoll"
Die 16-jährige Louise (Lilith Grasmug) löchert ihre Gynäkologin (Blanche Gardin) mit Fragen über Sex. Auf ihrem Heimweg gerät sie in die Fänge eines abstrusen Killers. Währenddessen bereitet sich Finanzminister Stéphane Lemarchand (Christophe Paou) darauf vor, dass ihn eine Journalistin aufgrund seines prall gefüllten, geheimen Überseekontos durchleuchten wird.
Unter der indes grassierenden Finanzkrise leiden Laurence (Lorella Cravotta) und Olivier (Olivier Saladin), deren Rente vorne und hinten nicht reicht. Also nehmen sie an einem Tanzwettbewerb teil, bei dem ein verlockender Preis ausgelobt wird. Ihr gemeinsamer Sohn Alexandre (Alexandre Steiger) belächelt die Aktion – er findet, dass sich seine Rock 'n' Roll liebenden Eltern nicht altersgemäß aufführen. Derweil steuert der Rechtsanwalt auf private wie berufliche Krisen zu. Und dann ist da noch der Perversling (Fred Blin) mit seinem absurd großen Schwein...
Dieser Film ist nicht mehr wütend, sondern völlig angeätzt
Regisseur Jean-Christophe Meurisse, der „Das Leben ist wundervoll“ mit Yohann Gloaguen und Amélie Philippe verfasst hat, stammt aus der Welt des Theaters – was seiner kompromisslosen Arbeit anzumerken ist: Stark verdichtet und mit einer unwirklichen Stimmung versehen, hinterlässt die Satire bereits einen bitteren Beigeschmack, bevor sie ihre drastischsten Passagen erreicht. Sobald das Kunstblut nur so spritzt und abscheulichste Sexualverbrechen in aller Beharrlichkeit eingefangen werden, kippt die Bitterkeit endgültig in metaphorische Abscheu.
Einen starken Magen sollte man also haben – und auch eine hohe Toleranz für kakophonische Dialoge, denn selbst wenn in dieser Satire „nur“ gestritten wird, ätzt und krächzt es gewaltig. Meurisse skizziert sein Heimatland als Republik der Anspannungen, in denen die Gräben zwischen den Geschlechtern, wirtschaftlichen Schichten und Generationen mit neuer Galligkeit gezogen werden, während allen eingeredet wird, sie seien freier denn je, und ein Streitklima ohne Wertekompass entsteht:
In der Welt von „Das Leben ist wundervoll“ wird über eine Nachlässigkeit im Restaurant genauso hart gestritten wie über die respektlose Wortwahl eines Taxifahrers und die Ausbeutung der Mehrheit durch ein paar Reiche – ein Serienmörder geht indes unbeirrt seinen Trieben nach. Dabei hätte es das während des Films groß eingeblendete, dem italienischen Philosophen Antonio Gramsci zugeschriebene Zitat „Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster“ gar nicht benötigt. Gleichwohl ist diese Entscheidung in ihrer Direktheit vollauf konsequent.
Einen weiteren wilden, zwischendurch galligen Film haben wir euch im folgenden Heimkino-Artikel ausführlicher vorgestellt. Dort wandeln wortwörtliche Monster durch eine ungerechte Gesellschaft:
Ein Horror-Meisterwerk wird zum gigantischen Gangster-Fieberwahn: Jetzt im Heimkino nachholenUnsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.
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