Es ist im mehrfachen Sinne ein Monsterfilm: „The Bride! – Es lebe die Braut“ dreht sich um ins Leben zurückgeholte, wandelnde Leichen und ist mit einem Budget von 80 bis 90 Millionen Dollar angesichts seiner monströsen Unangepasstheit auch ein monströs aufwändiger Film. Das hat sich an den Kinokassen nicht bezahlt gemacht:
Weltweit wurden Einnahmen von unter 25 Millionen Dollar generiert. Aber es sind ja manchmal die krachenden Flops, die im Heimkino ein beeindruckendes, neues Leben finden – und in diesem Fall wäre das ja thematisch passend! Diese Woche ist der Gangster-Horror „The Bride!“ im Heimkino erschienen, darunter in 4K als Limited Edition Steelbook.
Parallel zum limitierten 4K-Steelbook ist eine 4K-Edition in Standardaufmachung* in den Handel gelangt. Selbstredend ist der tragisch-romantische, schwarzhumorige, metafiktionale Monster-Grusel-Gangsterfilm zudem auf DVD und Blu-ray* erhältlich.
Wenn's weniger physisch sein soll, könnt ihr bei Prime Video* und diversen weiteren Plattformen zur VOD-Variante greifen. Und wer HBO Max hat, findet „The Bride!“ bereits im Abo – und HBO Max wiederum ist als alleinstehender Streamingdienst verfügbar sowie als Prime Video Channel*.
Darum geht es in "The Bride!"
Chicago in den 1930ern: Frankensteins Monster (Christian Bale) leidet unter schmerzhafter Einsamkeit, weshalb es die ebenso rätselhafte wie geniale Wissenschaftlerin Dr. Euphronius (Annette Bening) bittet, ihm eine Gefährtin zu erschaffen. Also wird eine weibliche Leiche (Jessie Buckley) mit wissenschaftlicher Raffinesse zurück ins Leben geholt. Vor ihrem schmerzhaften Tod war sie eine selbstbewusste, lautstarke Frau, die mit abartig gefährlichen Gangstern verkehrte.
Nun hat sie gewaltige Gedächtnislücken. Und sie folgt, während der Geist der „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley (ebenfalls Jessie Buckley) im Jenseits ihren scharfen Senf dazugibt, einem brutalen Freiheitsdrang. Schon bald entwickelt sich eine leidenschaftliche, wenngleich durch (Not-)Lügen vergiftete Romanze zwischen dem Monster und seiner wiedergängerischen Braut. Es kommt zu Mord, einer radikalen feministischen Bewegung, Tänzen und inbrünstigen Kinobesuchen...
Ein Frankensteinmonstrum aus Referenzen
Monster und Braut hetzen als leidenschaftliches Gangster-Paar durchs Land, als seien sie das untote Bindeglied zwischen den Titelfiguren aus „Bonnie und Clyde“ und dem „Natural Born Killers“-Paar Mickey & Mallory. All das, während das Monster zu erkennen gibt, dass Kinofilme quasi sein Lebenselixier darstellen – Panikattacke inklusive, wenn es zu lange der großen Leinwand fernblieb. Im Kjno liebt es leichtfüßige Abenteuer, lustige Liebesgeschichten und Musicals, was Regisseurin und Drehbuchautorin Maggie Gyllenhaal die Chance gibt, ihren Bruder Jake in den Filmen-im-Film als Hybrid aus Fred Astaire, Douglas Fairbanks und weiteren, früheren Publikumslieblingen zu inszenieren.
Währenddessen hasten Peter Sarsgaard und Penélope Cruz als Schnüfflerdoppel dem monströsen Killerpaar hinterher, sich als bittere, um die Screwball-Vergnüglichkeit erleichterte Neuinterpretation der „Der dünne Mann“-Hauptfiguren Nick & Nora präsentierend. Hinzu kommen Herman-Melville-Zitate und jede Menge Querverweise ans darstellerische sowie inszenatorische Schaffen der brillanten Regisseurin & Schauspielerin Ida Lupino, die ein Händchen dafür hatte, aus den Schlagzeilen gerissene Stoffe zu Geschichten mit galantem Stil, leisem Witz und viel Herz zu formen. All das auf einem der besten Horrorfilme aller Zeiten fußend, James Whales stylisches, bittersüßes, feministisch angehauchtes und aus queerem Subtext fast schon Text formendes Meisterwerk „Frankensteins Braut“ von 1935.
Das ist solch ein metatextuelles, tonal wüst zusammengenähtes Allerlei, dass es nicht verwundert, wie schwer sich „The Bride!“ an den Kinokassen tat. Und trotz eindrucksvoll-exzentrischer Kostüm- und Make-Up-Designs sowie mit Punk-Attitüde abgelieferter, sinfonischer Filmmusik der „Joker“-Komponistin Hildur Guðnadóttir lässt sich nicht verleugnen: Maggie Gyllenhaal und „There Will Be Blood“-Editor Dylan Tichenor hätten von dieser Kreatur einige Gramm Fett abschleifen und manche Extremitäten anders anordnen können.
Doch selbst wenn „The Bride!“ verdammt schwer zu lieben ist, verdient dieses Big-Budget-Experiment durchaus Respekt. Denn wie oft bekommt man schon, um aus der positiven Rezension von FILMSTARTS-Chefkritiker Christoph Petersen zu zitieren, „eine tragische Gothic-Romanze, swingende Ausstattungs-Extravaganz, feministische Wutrede, Liebeserklärung an das klassische Hollywood-Kino und surreale Halluzination in einem“?
Wenn es als nächstes ein weniger sonstige Genres in sich vereinender, gefeierter Horrorfilm sein soll: Unser folgender Heimkino-Tipp schreit nach euch!
"Ich habe noch nie einen furchteinflößenderen Film gesehen": Horror-Sensation feiert 4K-Premiere im HeimkinoUnsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.
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