Er kam mit einer FSK-Freigabe ab 18 Jahren in die Kinos und von 1985 bis 2005 befand sich dieser heiß debattierte Skandalfilm in seiner ungeschnittenen Fassung auf dem Index. Danach wurde er ohne Kürzungen gegenüber der Kinofassung ab 16 Jahren freigegeben – aber es lässt sich weiterhin hitzig über ihn streiten: „Cruising“ von „Der Exorzist“-Regisseur William Friedkin ist für die FILMSTARTS-Redaktion einer der 15 besten Serienkiller-Filme aller Zeiten, wird allerdings auch heftig angefeindet.
Das liegt nicht zuletzt an seinem Sujet: Der Film dreht sich um die Jagd nach einem Serienkiller in der schwulen SM-Szene des New Yorks der 1970er-Jahre, und grob vereinfacht kommt auf jede Stimme, die die respektvolle Authentizität des Thrillers lobt, eine erzürnte Schelte, die ihm Stereotypisierung und Negativismus vorwirft. Sehr bald könnt ihr euch in völlig neuer Qualität euer eigenes Bild machen: „Cruising“ feiert am 9. Juli 2026 endlich seine deutsche Blu-ray-Premiere!
„Cruising“ feiert sein deutsches HD-Heimkino-Debüt in Form eines limitierten 2-Disc-Mediabooks. Es enthält neben einem Booklet von Marcus Stiglegger auch Audiokommentare des Regisseurs und zwei Featurettes. Laut Herstellerangaben wird der Film in seiner Original-US-Kinofassung präsentiert, nicht in den alternativen Heimkinofassungen, die für den DVD-Markt und die frühe Blu-ray-Ära erstellt wurden.
Darum geht es in "Cruising"
In den Gassen New Yorks werden immer häufiger die Leichen schwuler Männer gefunden. Es ist unverkennbar, dass sie Opfer einer Mordserie sind, doch die Polizei tappt im Dunkeln. Jungpolizist Steve Burns (Al Pacino) erhält den Auftrag, sich als Undercoverermittler in die SM-Szene der Stadt zu schleusen und so Ausschau nach dem Killer zu halten. Doch je tiefer er in diese Welt aus Sex und Gewalt abtaucht, desto mehr wird aus der Tätersuche eine Suche nach der eigenen Identität...
Authentisch oder herablassend?
„Cruising“ basiert auf Gerald Walkers gleichnamigen Roman*, beide Werke fußen aber auf einer realen Mordserie, die die New Yorker Schwulenszene heimsuchte. Friedkin nutzte bei der Recherche die Expertise zweier Cops, die an „Brennpunkt Brooklyn“ mitwirkten und einst undercover in Schwulenbars ermittelten. Friedkins erster Skriptentwurf ließ bedeutende, brenzlige Themen wie Korruption, Polizeigewalt und ein Desinteresse vieler Gesetzeshüter am Wohlergehen nicht-heteronormativer Personen noch aus – vielleicht, weil er anfangs stark von der Polizeiperspektive beeinflusst war.
Es war dieser Skriptentwurf, der unter anderem in die Hände der Presse und Interessenverbände geriet, woraufhin Protestaktionen wie Streiks und Boykottaufrufe gegen den Film gestartet wurden. Daraufhin überarbeitete Friedkin das „Cruising“-Drehbuch und versuchte sich an einer ausgewogeneren Darstellung. Ob dies ihm gelungen ist, wird noch immer intensiv diskutiert – aber „Cruising“ ist einer dieser Filme, die rückblickend milder statt kritischer betrachtet werden:
Zunehmend wird der Thriller als genau hinschauendes Zeitkolorit einer Subkultur betrachtet sowie als fesselnd-einfühlsame Auseinandersetzung mit der Suche nach Selbstakzeptanz und gesellschaftlicher Achtung. Darüber hinaus bezeichnen Josh & Benny Safdie, die Regisseure hinter dem Netflix-Knaller „Der schwarze Diamant“, diesen Skandalfilm als einen der wichtigsten Einflüsse auf ihren Stil. Das könnt ihr ganz leicht abgleichen, wenn ihr zusätzlich zu unserer „Cruising“-Empfehlung auch unseren folgenden Heimkino-Tipp befolgt:
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