Mit gerade einmal 18 Jahren schrieb Mary Shelley „Frankenstein“. Zunächst noch gespalten aufgenommen, avancierte der Schauerroman zu einem der meist adaptierten und interpretierten Werke der Literaturgeschichte. Frankensteins Monster ist aus der Populärkultur und dem Kino nicht wegzudenken: Bereits 1910 adaptierten die Edison Studios den Stoff mit Charles Ogle als Frankensteins Monster für die große Leinwand, ikonisch ist Boris Karloffs Darstellung des Monsters in James Whales Verfilmung von 1931 und gehypt wurden Guillermo del Toros und Yorgos Lanthimos („Poor Things“) Interpretationen des Werks.
Dass Frankenstein und sein Monster so wunderbar immer wieder neu aufleben können, liegt weniger an der Story oder daran, dass Monster so schön anzusehen sind, als an den zeitlosen Themen des Romans: Es geht um Verantwortung, Zugehörigkeit, Ausgrenzung und die Frage, wer eigentlich das wahre Monster ist.
Genau hier setzt auch Bomani J. Storys Debüt „The Angry Black Girl And Her Monster“ an, den ihr heute Abend um 23.55 Uhr auf Tele 5 sehen könnt. Der Film hebt Shelleys Motive ins Amerika der Gegenwart, erweitert sie aber um Fragen des strukturellen Rassismus.
Tod als lösbares Problem
Aus Dr. Victor Frankenstein wird die hochbegabte Teenagerin Vicaria (Laya DeLeon Hayes), die in einem von Gewalt und Kriminalität geprägten Viertel lebt. Ihre Mutter wurde erschossen, ihr Bruder Chris (Edem Atsu-Swanzy) ebenso – wodurch sie zu der Überzeugung gelangt, dass der Tod eine um sich greifende Krankheit sei, die geheilt werden müsse. Besessen von dieser Idee, beginnt sie, mit Leichenteilen zu experimentieren und möchte ihren Bruder wieder zum Leben erwecken.
Wie auch schon im Original soll ihr Gelingen nicht frei von Konsequenzen bleiben: Denn die Kreatur, die sie nun erschaffen hat, sinnt auf Rache – und Vicaria findet sich zunehmend in einer Spirale aus Angst, Verantwortung und Kontrollverlust wieder.
Wer auf Splatter- und Schockmomente hofft, den müssen wir leider enttäuschen, denn „The Angry Black Girl And Her Monster” ist mehr Sozialdrama als knallharter Horrorfilm. Streamen könnt ihr ihn dennoch im Home-Of-Horror-Channel von Amazon Prime Video, wo ihr auch die ein oder andere etwas brutalere Horror-Perle mit FSK 18 finden könnt.
„The Angry Black Girl And Her Monster” setzt mehr auf Gesellschaftskritik als auf blutige Eskalation – und etwas mehr Radikalität hätte dem Film sicher gut getan. Sehenswert ist er dennoch gerade wegen dieses Turns: Denn er zeigt, dass Monster weniger im Labor erschaffen werden, als vielmehr durch die Umstände entstehen, in denen Menschen leben.
Welcher „Frankenstein“-Darsteller sich in einem Werbeclip als neuer James Bond inszeniert, könnt ihr hier nachlesen:
Sehen wir hier Daniel Craigs Nachfolger? "Frankenstein"-Star bringt sich als neuer James Bond in StellungUnsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.
*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.