Neu im Heimkino: Ein fesselnder, in Vergessenheit geratener Abenteuerfilm
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Ein lockerer, amüsierter und leichtfüßiger Abenteuerspaß, der Raum für eine kluge, mitreißende Dekonstruktion des Genres macht: „Die Abenteurer“ ist ein sehenswerter Geheimtipp für Genrefans. Endlich ist das Alain-Delon-Vehikel zurück im Heimkino!

Dank einprägsamer, gewinnend-charismatischer Performances in einer Vielzahl an Genres war Alain Delon jahrzehntelang einer der bedeutendsten Kinostars Europas: Publikum und Presse feierten ihn gleichermaßen, sei es in Epen wie „Der Leopard“, Gangsterfilmen wie „Vier im roten Kreis“ oder erotisierten Thrillern wie „Der Swimmingpool“. Und selbstredend trat Delon in diversen Abenteuerfilmen auf.

Ein fesselnder Abenteuerfilm in Delons Vita ist trotz seiner außergewöhnlichen Art in Vergessenheit geraten: „Die Abenteurer“ von 1967 beginnt als leichtfüßiger Eskapismus im Stile des Popcorn-Zerstreuungskinos seiner Zeit, unterläuft dann jedoch konsequent und stimmig die tonalen Erwartungen.

2011 feierte der Abenteuer-Geheimtipp seine deutsche Blu-ray-Premiere, allerdings ist diese Edition kaum noch zu einem fairen Preis aufzutreiben. Das muss aber nicht weiter stören, denn diese Woche hat „Die Abenteurer“ endlich eine Neuauflage auf Blu-ray und DVD erhalten!

Als Bonusmaterial enthält die Blu-ray aus dem Hause Pidax ein Making Of, ein Interview mit Nebendarstellerin Joanna Shimkus und ein Porträt über Komponist François de Roubaix.

Darum geht es in "Die Abenteurer"

Dragster-Fahrer Roland (Lino Ventura), Sportpilot Manu (Alain Delon) und die aus Schrott Skulpturen formende Künstlerin Laetitia (Joanna Shimkus) sind ein ungewöhnliches, miteinander befreundetes Trio. Als Manu eines Tages für ein riskantes, erfolgreich absolviertes Flugmanöver um sein Honorar geprellt wird, knöpfen sich die drei den verantwortlichen Betrüger vor.

Der erzählt ihnen von einem versunken Schatz, den Roland, Manu und Laetitia prompt heben wollen. Was als unbeschwertes Abenteuer beginnt, wandelt sich sukzessive zu einer Kräfte zehrenden, Sympathien auf die Probe stellende und noch dazu lebensgefährlichen Mission...

Eine Vorlage, zwei Adaptionen und eine Quasi-Fortsetzung

Als Inspirationsquelle für „Die Abenteurer“ diente der Roman „Les Aventuriers“ von José Giovanni. Regisseur/Autor Robert Enrico und seine Ko-Autoren (Pierre Pilegri sowie Giovanni höchstpersönlich) nutzten jedoch bloß die erste Sinnhälfte ihrer Vorlage, die zweite Sinnhälfte diente wiederum als vage Vorlage für den Thriller „Rache ist nicht nur ein Wort“, den Giovanni inszenierte.

Zudem inszenierte Giovanni mit „Der Rammbock“ eine Art „Fortsetzung im Geiste“ von „Die Abenteurer“, die 1983 in die Kinos gelangte, allerdings völlig unterm Radar lief. Viel bekannter als die Filme, die aus „Les Aventuriers“ gesponnen wurden, dürfte sowieso der Schauplatz des großen Finales von „Die Abenteurer“ sein:

Der Showdown wurde auf dem weltberühmten Fort Boyard gedreht, das seit 1990 weltweit immer wieder als Produktionsstandort für eine (teils gleichnamige) Abenteuer-Spielshow herhält. Wer „Die Abenteurer“ kennt wird dies aufgrund dessen, wie sehr Enricos Regiearbeit die Vorstellung eines unschuldig-romantischen Abenteuerlebens dekonstruiert, sicherlich ironisch finden.

Einen richtig beklemmenden, zum Nachdenken anregenden Alain-Delon-Klassiker haben wir euch übrigens vor einiger Zeit anlässlich seines späten Blu-ray-Debüts ausführlicher vorgestellt:

Dieser Gangsterfilm geht richtig unter die Haut: Beklemmender Klassiker erscheint erstmals auf Blu-ray

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