Netflix verkündet endlich den Starttermin für den 150 Millionen Dollar teuren Sci-Fi-Film, auf den wir seit 30 (!) Jahren warten
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Zuletzt gab es nach einem IMAX-Kino-Streit, den man gegen Quentin Tarantino und David Fincher verlor, noch mal große Aufregung um „Ray Gunn“ – ein Projekt, das schon lange viele Diskussionen umgibt. Jetzt haben wir endlich den Netflix-Starttermin.

Netflix

Bereits in den 1990er-Jahren hatte der damals noch unbekannte Brad Bird die Idee für „Ray Gunn“. Doch niemand wollte und konnte die teure Sci-Fi-Detective-Noir-Vision des Filmemachers realisieren. Nach gefeierten Animationsfilmen wie „Der Gigant aus dem All“, „Die Unglaublichen“ und „Ratatouille“ sowie den Live-Action-Abenteuern „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ und „A World Beyond“ rechnete sich Bird bessere Chancen aus. Doch weiterhin war der Weg beschwerlich.

Mehrere Versuche, das Projekt bei diversen Firmen in Gang zu bringen, scheiterten am hohen Budget. Lange Zeit sollte „Ray Gunn“ ein großer Kinofilm bei Warner werden. Zwischenzeitlich lag das Projekt bei Apple. Erst 2023 eilte Netflix zur Rettung, um den am Ende wohl 150 Millionen Dollar teuren Sci-Fi-Animationsfilm zu realisieren, bei dem nun Sam Rockwell und Scarlett Johansson die Hauptfiguren sprechen. In weiteren Rollen sind Tom Waits, Patton Oswalt und Kathryn Hunter zu hören.

Ray Gunn benutzt eine neue Waffe... Skydance Animation / Netflix
Ray Gunn benutzt eine neue Waffe...

Bei dem Streamingdienst wird der Film jetzt auch erscheinen. Ab dem 18. Dezember 2026 ist „Ray Gunn“ weltweit auf Netflix verfügbar. Das wurde auf dem Annecy International Animation Film Festival angekündigt, wo auch die ersten sieben Minuten zu sehen waren. Zudem wurden in diesem Zug zwei neue Bilder geteilt, die wir euch im Verlauf des Artikels eingebunden haben. Doch bevor wir euch verraten, warum es trotz jüngster Rückschläge auch Hoffnung gibt, dass wir „Ray Gunn“ – wie von Bird immer geplant – auf der großen Kinoleinwand sehen werden, verlieren wir ein paar Worte zur Story.

Das ist die Story von "Ray Gunn"

In einer alternativen Zukunft koexistieren Menschen und Aliens auf der Erde. Raymond Gunn (Stimme im Original: Sam Rockwell), der letzte menschliche Privatdetektiv in einer Welt, in der Roboter viele Jobs erledigen, wird von einem Mogul angeheuert, um dessen Frau – den Superstar Venus Nova (Scarlett Johansson) – wegen einer Affäre zu beschatten.

Ray liefert prompt Beweisfotos, bemerkt jedoch zu spät, dass er hintergangen wurde: Die Bilder zeigen lediglich ein Double. Einem Roboter-Detektiv wäre dieser Fehler nicht unterlaufen. Als Ray kurz darauf die echte Venus trifft, verliebt er sich in sie. Doch dann wird das Double ermordet, die Sängerin verhaftet und Ray muss seinen menschlichen Instinkt nutzen, um sie zu retten.

Das steckt hinter der IMAX-Absage und der Kontroverse

Als Netflix jüngst Greta Gerwigs „Die Chroniken von Narnia“ ins Jahr 2027 verschob, hatte der Streamingdienst plötzlich einen exklusiven Zugriff auf IMAX-Leinwände offen. Denn diese hatte man bereits für das Fantasy-Abenteuer im Herbst 2026 reserviert. Das Team hinter „Ray Gunn“ sah seine Chance gekommen, den 150 Millionen Dollar teuren Sci-Fi-Animationsfilm auf den größten Kinoleinwänden der Welt zu zeigen und soll bei Netflix nachdrücklich darum gebeten haben, „Ray Gunn“ den alten Termin des „Narnia“-Films zu geben.

Doch Netflix lehnte ab und gab den Termin und die IMAX-Leinwände lieber an „The Adventures Of Cliff Booth“, das von Quentin Tarantino persönlich geschriebene Sequel zu „Once Upon A Time... In Hollywood“ – und das, obwohl der für die Fortsetzung verantwortliche Regisseur David Fincher laut einem Bericht des Branchenmagazins TheWrap gar kein Interesse an dem IMAX-Starttermin hatte. Das sorgte in der Branche für eine Menge Diskussionen – und einige vermuteten sogar, dass eine Retourkutsche von Netflix gegen Paramount-Boss David Ellison dahintersteckt.

Ray Gunn und Venus Nova in Skydance Animation / Netflix
Ray Gunn und Venus Nova in "Ray Gunn".

Dem Milliardärssohn gehört nämlich nicht nur Paramount, zuletzt stach er auch nach einem Kampf mit harten Bandagen Netflix bei der Übernahme von Hollywood-Studio Warner aus. Und Ellison gehört auch die Firma Skydance Animation, die wiederum hinter „Ray Gunn“ steckt. Netflix arbeitet hier also mit dem Mann zusammen, mit dem man in anderer Sache zuletzt heftigst stritt. Und so vermuteten einige in Hollywood, dass Netflix „Ray Gunn“ nur den IMAX-Start verweigerte, um Ellison eins auszuwischen.

Ob das wirklich der Grund war? Wir sind eher skeptisch. Viel wahrscheinlicher scheint uns, dass Finchers Sequel zu einem Tarantino-Film einfach die sicherere Nummer war, um die IMAX-Kinos zu füllen. Denn auch wenn „Ray Gunn“ von vielen Filmfans mit besonders großer Spannung erwartet wird, gibt es schon einen Grund, warum Bird 30 Jahre brauchte, um den Film zu realisieren. Es ist ein animierter originärer Stoff für Erwachsene – das ist im Kino ein Risiko.

Weil "Ray Gunn" ein Oscar-Kandidat ist, könnte trotzdem ein Kinostart folgen

Und trotzdem gibt es die Chance, dass „Ray Gunn“ noch auf der großen Leinwand zu sehen sein wird. Angeblich soll Netflix nämlich vorab noch einen Kinostart planen, damit „Ray Gunn“ die Kriterien für eine Oscarnominierung in der Hauptkategorie „Bester Film“ erfüllt. Ja, ihr habt richtig gelesen. Die Verantwortlichen rechnen sich angeblich Chancen aus, dass der Film beim begehrtesten Filmpreis der Welt nicht nur als bester Animationsfilm, sondern auch als bester Film ins Rennen geht.

Der Dezember-Start auf Netflix unterstreicht auch, dass der Streamingdienst „Ray Gunn“ viel zutraut. Es ist eine Zeit, in welcher Netflix immer wieder große mögliche Publikumserfolge zeigt, weil gerade über die darauf folgenden Weihnachtsfilme viel gestreamt wird. Es ist aber auch der beste Zeitpunkt, um sich für die Oscars in Stellung zu bringen, weil gerade frisch gesehene Filme bei den Wählerinnen und Wählern, die Anfang Januar ihre Stimmen für die Nominierungen abgeben, noch in besonders guter Erinnerung sind.

"Brillant" und "Fantastisch": Viel Lob für die ersten Minuten von "Ray Gunn"

Die jetzt in Annecy gezeigten ersten Minuten schüren die Vorfreude weiterhin an. Drew Taylor von TheWrap ist absolut begeistert von dem, was er gesehen hat. Er spricht von einer „kühnen, neuen Vision“. Der Film sehe „brillant“ aus, die Musik von Michael Giacchino sei „fantastisch“. Schon die ersten Minuten „reichen völlig aus, um alles zu vermitteln, was man über ‚Ray Gunn’ wissen muss – ein Held mit einem Herz aus Gold, eine Welt voller farbenfroher Kreaturen und atemberaubender Architektur sowie eine Tonalität, die sich wahrhaftig wie ein Film Noir anfühlt“, schreibt Taylor weiter.

Er kommt zum Fazit: „Dies ist nicht einfach irgendeine Geschichte mit einem Film-Noir-Anstrich, es ist Teil ihrer DNA. Das Mysterium fühlt sich vielschichtig und tiefgründig an, und wir können es kaum erwarten, tiefer darin einzutauchen.“

Auch wir sind gespannt. Es bleibt abzuwarten, ob „Ray Gunn“ wirklich vorab noch den Kinostart bekommt und ob es den dann auch in Deutschland gibt (für die Oscar-Qualifikation reicht eine Auswahl amerikanischer Städte). Spätestens im Dezember auf Netflix wissen wir aber auf jeden Fall mehr. Mehr zu einem anderem Netflix-Projekt, auf das wir warten mussten, gibt es im folgenden Artikel:

Nach über 2 Jahren Wartezeit: Endlich geht ein lang erwartetes Fantasy-Highlight bei Netflix in die nächste Runde

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