Ridley Scott ist ein Phänomen. Seit den 70er-Jahren bescherte uns die Regie-Legende etliche Genre-Klassiker, von „Alien“ über „Blade Runner“ bis hin zu „Thelma & Louise“. Dieses Jahr wird Scott 89 Jahre alt, doch von Ruhestand keine Spur. Im Gegenteil: Mit dem postapokalyptischen Endzeit-Thriller „Das Ende der Sterne“ (OT: „The Dog Stars“) startet bald sein 30. Spielfilm (!) in den Kinos. Zuvor hatte er mit „Napoleon“ und „Gladiator II“ kurz hintereinander zwei kostspielige Historien-Epen gedreht.
Die rastlose Arbeitsweise und der unbekümmerte Regiestil des Briten riefen und rufen unter Crew-Mitgliedern und Darstellern aber immer wieder Kritik hervor. Jetzt wurde bekannt, dass auch Josh Brolin, einer der Stars aus „Das Ende der Sterne“ und bekannt außerdem aus den „Dune“- und „Avengers“-Filmen, seine Probleme mit Scotts unkonventioneller Art hatte. Der Hollywoodstar stand sogar kurz davor, das Projekt zu verlassen.
Schock beim Dreh: Deshalb hätte Josh Brolin fast hingeschmissen
Zeit für Proben oder ausführliche Diskussionen über die zuletzt gedrehte Szene? Bei Scott scheint all dies nicht (mehr) zu existieren. Eine Tatsache, die Brolin nach nur einem Drehtag zu schaffen machte, wie er in einem Empire-Interview verraten hat.
Dem Schauspieler zufolge sei am ersten Drehtag quasi überhaupt nicht geprobt worden. „Stattdessen hat Ridley [Scott] bloß Geschichten erzählt. Das hat mich völlig aus dem Konzept gebracht und ich bekam richtiggehend Angst", so Brolin.
Nach diesem Schock rief er noch am selben Abend seinen Agenten (und engen Freund) an und bat ihn um Hilfe: „Ich sagte zu ihm: ‚Ich will hier raus. Irgendwas läuft hier verdammt nochmal schief und ich muss hier sofort verschwinden.‘“ Sein Agent bat ihn, erst einmal eine Nacht darüber zu schlafen. Doch Brolin konnte sich kaum beruhigen. „Ich meinte: ‚Nein, Mann. Ich weiß, was du verdammt nochmal versuchst. Das ist keiner dieser Tage. Und ich hatte recht.‘“
Nach einer Phase der Eingewöhnung beruhigte sich die Situation. Als der eigentliche Dreh begann, bekam Brolin zudem einen Eindruck von Scotts technischem Gespür und seiner Vorliebe für den Einsatz mehrerer Kameras. Die multiperspektivische Umsetzung bezeichnete er, nachdem ihm Scott einige gedrehte Szenen gezeigt hatte, als „unglaublich kreativ “. Am Ende sei die Arbeit mit dem Filmemacher trotz der anfänglichen Zweifel „sehr befriedigend“ gewesen.
Scott verfilmte mit „Das Ende der Sterne“ den 2012 erschienenen Roman „Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte“ von Peter Heller. Der Film startet am 27. August 2027 in den Kinos und erzählt die Geschichte eines jungen Piloten (Jacob Elordi), der sich gemeinsam mit einem Marine (Brolin) in einer zerstörten Welt zu einer gefährlichen Reise ins Ungewisse aufmacht.
Brolin war bei weitem nicht der Erste, der sich an Scotts Regiestil störte. 2024 sorgte etwa Kameramann John Mathieson („Gladiator“), ein langjähriger Weggefährte Scotts, für Schlagzeilen. Er behauptete, der Regisseur sei „faul“ und „achtlos“ geworden, zudem bemängelte er Scotts überhastete, hektische Arbeitsweise. Das extrem hohe Arbeits- und Drehtempo kritisierte gleichsam Idris Elba nach dem Dreh von „Prometheus“ (2012).
Und auch Russell Crowe hatte so seine Mühen mit Scott beim Dreh des Historien-Abenteuer-Blockbusters „Gladiator“. Der Star hielt zunächst sogar so wenig vom Drehbuch des späteren Kassenhits, dass er daran dachte, das Projekt abzusagen:
"Das Drehbuch war Schund": Russell Crowe war sich sicher, dass "Gladiator" zum Scheitern verurteilt ist