"Das Drehbuch war Schund": Russell Crowe war sich sicher, dass "Gladiator" zum Scheitern verurteilt ist
Louis Verheyen
Louis Verheyen
-Freier Autor
Genießt alle Facetten des Kinos und lässt sich von „Mulholland Drive“ ebenso gern verstören wie von „Call Me By Your Name“ verzaubern. Hofft immer noch wehmütig darauf, dass Richard Kelly mal wieder einen Film dreht.

Mit seiner oscarprämierten Leistung in „Gladiator“ zementierte Russell Crowe Anfang der 2000er-Jahre endgültig seinen Status als Hollywood-Ikone. Dabei hielt er zu Beginn ziemlich wenig von dem Projekt und dachte sogar daran, es wieder zu verlassen.

Ob „A Beautiful Mind“, „L.A. Confidential“ oder auch der in den letzten Jahren zum Kultfilm avancierte „The Nice Guys“ – an erinnerungswürdigen Werken mangelt es Russell Crowe in seiner Vita definitiv nicht. Seine ikonischste Rolle bleibt aber die des tragischen Arenakämpfers Maximus, den er im wohl beliebtesten Sandalenfilm aller Zeiten verkörperte: „Gladiator“.

Gladiator
Gladiator
Starttermin 18. Mai 2000 | 2 Std. 35 Min.
Von Ridley Scott
Mit Russell Crowe, Joaquin Phoenix, Connie Nielsen
User-Wertung
4,5
Filmstarts
4,5
Im Stream

Der Abenteuer-Blockbuster ist mit einem Einspielergebnis von 466 Millionen US-Dollar nicht nur bis heute der finanziell größte Erfolg des Schauspielers, für seine Leistung darin wurde er obendrein mit dem Oscar als „Bester Hauptdarsteller“ gekrönt. Daher überrascht es, dass Crowe zunächst überhaupt nicht angetan von der Geschichte des Films war und dem Projekt sogar beinahe abgesagt hätte.

Das "seltsame" erste Drehbuch von "Gladiator"

Auch wenn Crowe keinen Zweifel daran hatte, dass er die Hauptrolle in einem groß angelegten Actionstreifen wie „Gladiator“ problemlos ausfüllen könnte, hatte er an den ursprünglichen Plänen des Films doch stark zu nagen. „Dem Ganzen lag zwar ein großartiges Konzept zugrunde, aber das Drehbuch war Schund, absoluter Schund. Es enthielt all diese seltsamen Sequenzen“, erklärte Crowe im Interview mit Vanity Fair.

Am meisten abgeschreckt war der Darsteller von einer im ursprünglichen Skript vorgesehenen Szene, in der die Gladiatoren auf Streitwagen fuhren, die Werbung für Produkte wie Olivenöl machten. Obwohl derartige Werbedeals im antiken Rom tatsächlich historisch belegt sind, befürchtete Crowe, sie würden die Zuschauer nur irritieren: „Das mag zwar alles der Wahrheit entsprechen, aber auf ein modernes Publikum wirkt es einfach nicht glaubwürdig.“

Die ersten Gespräche zwischen Crowe und Regisseur Ridley Scott („Alien“) waren daher wenig ergiebig, und zu Beginn spielte der Schauspieler wiederholt mit dem Gedanken, das Projekt wieder zu verlassen. Letztlich gab Scott ihm aber doch die nötige Zuversicht: „Irgendwann sagte er zu mir: ‚Hör zu, wir filmen nichts, hinter dem du nicht zu 100 Prozent stehst.‘“ Und so blieb von dem ersten Drehbuchentwurf nicht mehr viel übrig.

Die Dreharbeiten begannen mit nur wenigen Seiten Skript

Crowes Eingriffe ließen das Skript letztlich auf 21 Seiten schrumpfen – eine verschwindend kleine Zahl, wenn man bedenkt, dass das klassische Hollywood-Drehbuch einen Umfang von etwa 120 Seiten hat. „Wir hatten also noch einen weiten Weg vor uns, und wir haben diese Seiten im Grunde schon im ersten Teil des Films aufgebraucht. Als wir dann am zweiten Drehort ankamen, mussten wir gewissermaßen erst einmal aufholen.“

So wurde die Handlung parallel zum Dreh fortwährend weitergesponnen, wobei das Autorenteam unter enormem Zeitdruck litt. Viele Passagen wurden daher erst unmittelbar vor ihrer Umsetzung fertig und in einigen Fällen hinkten die Autoren sogar dermaßen hinterher, dass Szenen vor Ort komplett improvisiert werden mussten. Selbst Maximus’ legendäres Zitat „Unterhalte ich euch nicht?“ stand nirgendwo geschrieben und entsprang einer spontanen Idee von Crowe. Umso beeindruckender ist es, dass das Endergebnis stolze 12 Oscar-Nominierungen einheimste, darunter auch eine für das „Beste Drehbuch“.

Übrigens: Zum 2024 erschienenen „Gladiator II“ hat Crowe weiterhin eine starke Abneigung, da die Macher seines Erachtens überhaupt nicht verstanden haben, was das Original so besonders machte. Mehr dazu im folgenden Artikel:

"Sie sind gescheitert": Russell Crowe rechnet knallhart mit "Gladiator II" ab

Unsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren