Er war lange Zeit verboten: Einer der verstörendsten Skandalfilme der Kinogeschichte erscheint erstmals komplett ungekürzt in 4K
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Jahrzehntelang war er in Deutschland indiziert, demnächst feiert er dank eines deutschen Labels seine weltweite 4K-Premiere im Heimkino – und das ungekürzt: Erlebt das Skandal-Meisterwerk „Salò oder die 120 Tage von Sodom“ völlig neu!

Der hochpolitische, bitter-zornige SchockerSalò oder die 120 Tage von Sodom“ ist ein aufwühlendes, schonungsloses und zielgerichtet-verstörendes Opus, das erbarmungslos mit dem Faschismus abrechnet und radikal davor warnt, ihn wieder erstarken zu lassen. Das gestaltete der italienische Regie-Provokateur Pier Paolo Pasolini derart konsequent, dass sein trostloses, erschütterndes Ausnahmewerk zum Politikum aufstieg, das den Jugendschutz in zahlreichen Ländern erzittern ließ.

Auch in Deutschland hatte das Skandal-Meisterwerk einen ungeheuerlich schweren Stand: 1976 wurde eine Beschlagnahmung verfügt, weil der Film gewaltverherrlichende, kunstfreie Perversion sei – im Folgejahr wurde dieser Entschluss wieder zurückgenommen. Dennoch erfolgte die Zweitverwertung des Films auf dem Videomarkt bloß gekürzt, 1987 landete er obendrein auf dem Index.

Im DVD-Zeitalter kam es dann zu gekürzten sowie ungekürzten Veröffentlichungen, aber erst 2022 erfolgte die Listenstreichung. Vier Jahre später, gelingt dem berechtigt-empörten, niederschmetternden Klassiker der nächste große Schritt: Am 31. Juli 2026 feiert „Salò oder die 120 Tage von Sodom“ seine 4K-Weltpremiere im Heimkino – und das dank Wicked Vision, einem deutschen Label! Manchmal ist Ironie einfach zu köstlich, um sie unkommentiert liegen zu lassen.

Wicked Vision wiederum lässt sich nicht lumpen, sondern direkt eine 5-Disc-Deluxe-Edition springen, die in zwei auf jeweils 1.500 Exemplare limitierten Varianten (Cover A und Cover B) erscheint. Der Film wird in einer komplett unzensierten, restaurierten Fassung präsentiert, die auf einem 4K-Scan des Original-Kameranegativs basiert. Als Tonspuren stehen die deutsche, englische und italienische Sprachfassung zur Auswahl.

Neben einer 4K-Disc und einer Blu-ray des schockierenden Leinwand-Mahnmals sind drei Bonus-Scheiben angekündigt: Eine Blu-ray mit zahlreichen Begleitinterviews, den Dokus „Whoever Says The Truth Shall Die“ über Leben, Wirken und Tod Pasolinis und „Walking With Pasolini“ sowie einem Kurzfilm, eine Bonus-DVD über die komplexe deutsche Veröffentlichungsgeschichte des Films, und eine Soundtrack-CD. Zudem gibt es mehrere haptische Dreingaben, darunter ein doppelseitiges A3-Filmposter, ein 80-seitiges Buch mit Begleittexten und sechs Replikate der originalen Kinoaushangfotos.

Darum geht es in "Salò oder die 120 Tage von Sodom"

Die Mussolini-Herrschaft liegt in ihren letzten Atemzügen, doch in der Republik von Salò, einem faschistischen Marionettenstaat innerhalb des von den Nazis besetzten Norden Italiens, kosten vier sadistische Großbürger ihre Macht voll aus:

Sie lassen 18 Jugendliche entführen und missbrauchen sie unter Waffengewalt in einem geschmacklosen Anwesen als atmende Objekte der Lust, Folter und Demütigung. Dieses entwürdigende Schauspiel gipfelt nach allerlei sexueller Perversion, abscheulicher Gewalt und der Verkostung von Exkrementen in einer seelenlosen, fatalistischen Orgie...

Mit Sinn und Verstand vollauf verstörend

Tragischerweise stellte „Salò oder die 120 Tage von Sodom“ Pasolinis letzten Film dar: Drei Tage vor Veröffentlichung seiner deutlichsten, erbittertsten Abrechnung mit Gewissenlosigkeit, Selbstsucht, Totalitarismus und Machtbesessenheit wurde der politisch unter anderem durch eine katholische Widerstandsgruppe geformte Filmemacher unter nebulösen Umständen ermordet.

Pasolinis ungeplantes Abschiedswerk ist vom Episodenroman „Die 120 Tage von Sodom“ des Marquis de Sade sowie von der „Göttlichen Komödie“ Dantes inspiriert und lässt sich nicht bloß als Protestschrei gegen den Faschismus, sondern ebenso als Tabus brechende, schmerzliche Warnung vor einer ausufernden Konsumgesellschaft deuten. Zugleich ist der anklagende Reißer ein Paradebeispiel dafür, wie sehr das Medium Film aufrütteln und an die Nieren gehen kann – nicht grundlos ist er im FILMSTARTS-Ranking der verstörendsten Filme aller Zeiten zu finden:

Die verstörendsten Filme aller Zeiten

Wenn ihr zusätzlich zu diesem frühen Eintrag ins Genre des Folterhorrors einen weiteren, visuell eindrucksvollen Klassiker sehen möchtet, der mit dunklen Geschichtskapiteln abrechnet und zugleich eine packende, aufrüttelnde Geschichte erzählt:

Erst kürzlich feierte ein mit Mitläufertum hart ins Gericht gehender, atmosphärischer Kino-Meilenstein, der unter anderem „Der Pate“ beeinflusste, seine deutsche 4K-Premiere! Mehr erfahrt ihr im folgenden Beitrag:

Wer "Der Pate" liebt, muss dieses Meisterwerk unbedingt gesehen haben – Spionage, Intrigen und umwerfende Bilder
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.
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