Dieser stylische Fantasy-Film wurde in den USA stark gekürzt als Horror vermarktet – jetzt kommt er uncut ins Heimkino
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Endlich muss man nicht mehr nach der jahrzehntealten Videokassette greifen: Diese Woche hat der visuell verspielte Fantasyfilm „Sampo – Das gestohlene Glück“ seine DVD- und Blu-ray-Premiere im deutschen Heimkino gefeiert!

Hierzulande mag Aleksandr Ptushko nicht gerade zu den berühmtesten Filmschaffenden überhaupt zählen, dennoch bewegte der von der New York Times als „sowjetischer Walt Disney“ gelobte Regisseur auch bei uns mehrere Generationen: Vor allem seine Märchen- und Fantasyfilme wie „Das purpurrote Segel“ sind farbenfrohe, fantasievolle Klassiker, die während der deutsch-deutschen Trennung auf beiden Seiten der Mauer Herzen höher schlagen ließen. Ein Film Ptushkos ist zudem in den USA berühmt-berüchtigt:

Die familienfreundliche, bunte Fantasy-Mär „Sampo – Das gestohlene Glück“ wurde für den US-Markt um über 20 Minuten gekürzt, haarsträubend synchronisiert und mit dem reißerischen Spruch „The most chilling terror ever experienced“ als Horrorfilm vermarktet. Diese verstümmelte Fassung fiel kommerziell und bei der Presse durch, woraufhin sie zum Ziel des Spotts im Lästerformat „Mystery Science Theater 3000“ wurde, dem US-Vorbild für „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“.

In Deutschland war der Film bislang bloß auf Videokassette erhältlich, doch jetzt endlich ist ihm der Sprung ins Digitalzeitalter gelungen: Diese Woche hat „Sampo“ seine deutsche DVD- und Blu-ray-Premiere gefeiert!

Als Bonusmaterial enthält die Blu-ray ein digitales Booklet, einen Audiokommentar von Filmhistoriker Dr. Rolf Giesen, ein Making Of sowie die „Das gestohlene Glück“ betitelte, von der DEFA für den deutschen Markt angepasste Fassung des Films.

Als Tonformate liegen die deutsche Synchronfassung in Stereo und die finnische Sprachfassung in 5.1 vor. Der russische Ton des parallel in Russisch und Finnisch gedrehten Films ist nicht mit von der Partie. Das Bild wird im Cinemascope-Format präsentiert und somit in der von vielen Fans des Films bevorzugten Variante – „Sampo“ wurde nämlich zugleich für ein schmaleres Format produziert.

Darum geht es in "Sampo"

Frei nach der karelo-finnischen Sage „Kalevala“: Das Volk der Kalevala sehnt sich danach, die Zaubermühle Sampo zu besitzen, da sie Salz, Mehl und Gold im Überfluss spenden soll. Dazu müsste der Schmied Ilmarinen (Ivan Voronov) sie jedoch erst einmal bauen – was ihm ohne das Himmelsfeuer nicht möglich ist. Das wurde von der Hexe Louhi (Anna Orochko) gestohlen, die wiederum über das felsige Nordland Pohjola herrscht, wo es ihren Untergebenen am Können mangelt, Sampo zu vollenden.

Also entführt die Hexe Ilmarinens Schwester Annikki (Eve Kivi), um durch Erpressung an die Zaubermühle zu gelangen. Doch Ilmarinen hat den jungen, mutigen Helden Lemminkäinen (Andris Ošiņš) im Schlepptau...

Das sich so entfaltende Fantasyabenteuer schwankt zwischen lebensnahen Erdtönen sowie gekünstelt-magischen Pastellfarben und hat einen markanten, das Geschehen melodisch kommentierenden Score. Darüber hinaus setzt es auf ein Füllhorn an schillernden Effekten, die keinen Deut an Realismus interessiert sind, sondern daran, eine Märchenbuch-Stimmung zum Leben zu erwecken. Wer die exzentrischen Filme des „Fear And Loathing In Las Vegas“-Machers Terry Gilliam liebt, wird sich gewiss auch in „Sampo“ vernarren!

Fantasystoff gibt es auch im folgenden Heimkino-Tipp zu entdecken:

Dieses unfassbar kreative Fantasy-Abenteuer der 1980er ist hierzulande fast in Vergessenheit geraten: Jetzt in 4K im Heimkino wiederentdecken

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Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.
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