"Das Publikum weiß nicht, was es sehen will": George Lucas regt sich über Kritik an "Star Wars" auf
Teile diesen Artikel

Bei den „Star Wars“-Prequels musste sich George Lucas heftige Kritik gefallen lassen. Doch diese lässt er bis heute nicht gelten. Für ihn war „Star Wars“ immer für Kinder gedacht, und Fans sollten ohnehin nicht bestimmen, wie ein Film gemacht wird.

Disney und seine verbundenen Unternehmen

In der heutigen Disney-Ära wird „Star Wars“ immer wieder massiv kritisiert. Fast jede Entscheidung sorgt für hitzige Diskussionen unter Fans. Doch das ist nichts Neues, denn auch früher gab es bekanntlich viel Schelte für die inhaltliche Ausrichtung von „Star Wars“. Davon kann gerade Erfinder George Lucas ein Lied singen. Vor allem seine zwischen 1999 und 2005 veröffentlichte Prequel-Trilogie wurde von Teilen des Publikums regelrecht zerrissen und Jar Jar Binks entwickelte sich dabei zum Symbol für alles, was manche Fans an den Filmen ablehnten.

Der „Star Wars“-Schöpfer hält allerdings wenig davon, Produktionen nach den Wünschen ihres Publikums auszurichten. Im Gespräch mit dem Magazin A Rabbit's Foot erklärte er sogar sehr direkt: „Das Publikum weiß nicht, was es sehen will.“ Besonders kritisch sieht er in diesem Zusammenhang, dass sich Studios heute viel zu sehr auf Testvorführungen verlassen und basierend auf dem Feedback ihre Filme verändern. Er sieht es als problematisch an, wenn Studios aus diesen Rückmeldungen konkrete kreative Vorgaben machen und damit letztlich die Zuschauerinnen und Zuschauer selbst den Film gestalten lassen.

Auf Scorsese und Spielberg hört George Lucas – auf Fokusgruppen nicht

George Lucas betont, dass er keineswegs grundsätzlich gegen Kritik oder Rückmeldungen sei. Er verweist dabei auf eine Gruppe berühmter Freunde wie Martin Scorsese, Francis Ford Coppola und Steven Spielberg. Diesen habe er seine Filme vorab gezeigt und um Feedback gebeten. Doch der Unterschied sei, dass er ihre jeweiligen Vorlieben, Abneigungen und Perspektiven einordnen könne. Dadurch wisse er, aus welcher Richtung eine bestimmte Anmerkung komme und welchen Wert sie für seine Arbeit haben könnte.

Ganz anders bewertet Lucas die Ergebnisse von Fokusgruppen und Testvorführungen. Wenn ein Publikum eine Figur nicht mag, könne das für einen Regisseur zwar eine durchaus interessante Information sein. Doch Studios würden daraus häufig die falschen Schlüsse ziehen. Es werde nämlich nicht analysiert, warum die Figur nicht ankomme, sondern es werde direkt der Film angepasst: „Sie lassen das Publikum den Film tatsächlich machen.“

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass gerade Lucas dies anspricht. Schließlich gibt es kaum ein Franchise, in dem die Fans so laut und nachdrücklich beanspruchen, dass neue Filme und Serien das liefern müssen, was sie von ihnen erwarten, und in der jede davon abweichende Entscheidung hart kritisiert wird wie „Star Wars“. Lucas beugte sich dem nie, denn für ihn ist auch heute noch klar: „So macht man keinen Film.“ In Rage geredet, nimmt er dabei sogar die eigenen Fans und deren Kritik ins Visier.

George Lucas stellt klar: "Star Wars"-Filme sind Kinderfilme

So beklagt er sich umfangreich über das negative Feedback zu seinen Prequels, das von alten Fans der Originale gekommen sei: „Die Kritiker und die Fans, die zehn Jahre alt waren, als sie den ersten Teil sahen, und dreizehn beim zweiten, beschwerten sich plötzlich, dass sie keinen Kinderfilm sehen wollten“, erklärt Lucas. Im Interview mit A Rabbit's Foot imitiert er sogar mit übertriebener Stimme die Reaktionen: „Oh, das ist furchtbar. Jar Jar Binks ist furchtbar!“

Dabei erinnert er sich, dass er mit ähnlichen Vorwürfen schon bei der Originaltrilogie konfrontiert wurde: „Alle haben dasselbe über R2-D2 und C-3PO gesagt. Am Anfang gab es massiven Druck auf mich, C-3PO loszuwerden, und im dritten Teil [Anm.: „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“] sagten die Leute dasselbe über die Ewoks: ‚Was denkst du dir eigentlich? Weg mit diesen Teddybären, wir wollen einen Film für Erwachsene sehen!‘“

Lucas sieht ein grundlegendes Missverständnis darin, dass ein Teil seines Publikums erwartete, die Reihe müsse gemeinsam mit ihm erwachsen werden. Doch das sei nie der Plan gewesen: „Nun ja, es ist ein Kinderfilm. Es war schon immer ein Kinderfilm“, ist seine eindeutige Meinung über „Star Wars“.

Auch mit einer anderen Aussage sorgte George Lucas gerade für Aufsehen. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:

"Star Wars"-Schöpfer George Lucas ist überzeugt: An KI führt im Kino kein Weg vorbei

Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren