Jeder hat das Wort schon einmal benutzt oder zumindest gehört, Lady Gaga widmete ihm sogar einen ihrer größten Hits: Die Rede ist von „Paparazzi“, einer seit Jahrzehnten geläufigen Bezeichnung für aufdringliche Promi-Fotografen. Doch wusstet ihr, dass die Vokabel ihren Ursprung in einem Kino-Meisterwerk aus den 1960er-Jahren hat?
Tatsächlich geht der Begriff auf Federico Fellinis Meisterwerk „Das süße Leben“ zurück. Darin begleitet das Publikum den Klatschreporter Marcello Rubini (Marcello Mastroianni) fast drei Stunden lang durch das schillernde Rom der 1950er-Jahre. Marcello trifft Filmstars, Adlige und Künstler, seine Nächte verbringt er auf den glamourösesten Partys der Stadt. Fast überall dabei ist auch der sensationshungrige Pressefotograf Paparazzo (Walter Santesso).
Der episodisch strukurierte Film war 1960 ein Triumph: Allein in Italien lockte er rund 13,6 Millionen Zuschauer*innen in die Kinos – was ihn bis heute zu einem der zehn erfolgreichsten Filme der italienischen Kinogeschichte macht. Auch in Ländern wie Frankreich zog „Das süße Leben“ ein großes Publikum an, und in den USA avancierte er mit einem Einspielergebnis von 6 Millionen US-Dollar sogar zum bis dahin umsatzstärksten fremdsprachigen Film am nordamerikanischen Box Office.
Dazu kamen überschwängliche Kritiken und zahlreiche Preise: Bei den renommierten Filmfestspielen von Cannes gewann er etwa den Hauptpreis, die Goldene Palme. Während es damals noch eher ungewöhnlich war, dass ein nicht-englischsprachiger Film auch in den regulären Oscar-Kategorien berücksichtigt wurde, erhielt „Das süße Leben“ gleich vier Nominierungen – darunter für die Beste Regie. Am Ende gab es eine Auszeichnung für das Kostümdesign. Kurioserweise ging er als Bester fremdsprachiger Film gar nicht erst ins Rennen, weil Italien stattdessen Vittorio De Sicas heute weitgehend vergessene Satire „Das Jüngste Gericht findet nicht statt“ eingereicht hatte.
So groß ist der Einfluss von "Das süße Leben"
Der kulturelle Nachhall des von Martin Scorsese, David Lynch, Francis Ford Coppola und zahlreichen weiteren Meisterregisseuren verehrten Epos ist enorm: Anita Ekbergs nächtliches Bad im Trevi-Brunnen gehört zu den ikonischsten Szenen der Filmgeschichte und wurde unzählige Male zitiert und parodiert.
Gleichzeitig machte der Film den Ausdruck „La Dolce Vita“ zum international gebräuchlichen Synonym für ein genusszentriertes Leben, und auch das Wort „Paparazzi“ hat längst Einzug in den kollektiven Wortschatz gehalten. Darüber hinaus galt Fellinis noch heute erstaunlich modern wirkende episodische Erzählweise als wegweisend und beeinflusste zahlreiche spätere Filmemacher.
Ein nicht minder bahnbrechender 90er-Jahre-Blockbuster hat übrigens ebenfalls seine Spuren in der Sprache hinterlassen. Mehr dazu erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
Einer der berühmtesten Sätze in der Geschichte des Kinos: Dieser ikonische Spruch, der vor 35 Jahren geprägt wurde, fand sogar Einzug in die Politik!*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.