Martin Scorsese ist nicht nur eine lebende Regie-Legende, die Klassiker wie „Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“ oder „GoodFellas“ gedreht hat – er liebt das Kino auch wie kaum ein anderer. Wenn er nicht gerade hinter der Kamera steht (zurzeit ist Scorsese mit den Dreharbeiten zum Psycho-Thriller „What Happens At Night“ beschäftigt), dann setzt sich der 83-Jährige mit seiner Organisation „The Film Foundation“ für die Bewahrung und Sichtbarkeit der Filmgeschichte ein. Zudem schwärmt er im Rahmen von Interviews, Podiumsgesprächen oder Texten regelmäßig über Werke, die er persönlich besonders schätzt.
Immer wieder hat Scorsese so seine Liebe zu „Die roten Schuhe“ mit der Welt geteilt – ein Film, der ihn geprägt hat wie kaum ein anderer. Bei dem lose auf dem gleichnamigen Hans-Christian-Andersen-Märchen basierenden Ballettdrama handelt es sich es sich wohl um die berühmteste Gemeinschaftsarbeit des Regie-Duos Michael Powell und Emeric Pressburger – und ganz sicher um einen der atemberaubendsten Farbfilme überhaupt. Nicht umsonst wählte ihn das Magazin Empire im Jahr 2016 zum drittbesten britischen Film aller Zeiten. Aber lassen wir am besten einfach Martin Scorsese zu Wort kommen, den vielleicht glühendsten Verehrer des Meisterwerks:
„Ich habe im Laufe der Jahre so viel über diesen Film gesagt und geschrieben“, stellte der Oscar-Preisträger („Departed – Unter Feinden“) selbst fest, als er „Die roten Schuhe“ für die Criterion Collection als einen seiner zehn Lieblingsfilme vorstellte (via Far Out Magazine). „Für mich war er immer einer der größten Filme überhaupt. Und jedes Mal, wenn ich ihn mir wieder ansehe – etwa einmal pro Jahr –, wirkt er neu. Er offenbart eine weitere Facette, eine weitere Ebene und gewinnt noch mehr an Tiefe.“
Scorsese fährt fort: „Was macht ‚Die roten Schuhe‘ so besonders? Natürlich ist er wunderschön – einer der schönsten Technicolor-Filme, die je gedreht wurden. Er besitzt einen außergewöhnlichen Zauber. Schauen Sie sich noch einmal die Szene an, in der Moira Shearer die Treppen zu Anton Walbrooks Villa hinaufgeht – besonders in der restaurierten Fassung. Es wirkt, als würde sie auf Strömen aus funkelndem Licht schweben. […]
Und es gibt keinen anderen Film, der die überwältigende Besessenheit von Kunst so eindringlich dramatisiert und visualisiert – und zeigt, wie sie das gesamte Leben eines Menschen vereinnahmen kann. Doch auf einer tieferen Ebene – in der Bewegung und Energie des Filmemachens selbst – steckt eine tiefe und beständige Liebe zur Kunst, ein Glaube an Kunst als einen wahrhaft transzendenten Zustand.“
Das ist "Die roten Schuhe"
„Die roten Schuhe“ dreht sich um die junge Ballerina Victoria Page (Moira Shearer), die davon träumt, eines Tages zu den größten Tänzerinnen der Welt zu gehören. Ihre Chance erhält sie, als sie in die renommierte Compagnie des charismatischen Impresarios Boris Lermontov (Anton Walbrook) aufgenommen wird. Dort lernt sie auch den aufstrebenden Komponisten Julian Craster (Marius Goring) kennen, der den Auftrag erhält, ein neues Ballett nach dem Märchen „Die roten Schuhe“ zu vertonen.
Die Aufführung des titelgebenden Balletts, zu dessen gefeiertem Star Victoria schließlich wird, ist der Höhepunkt des Films: Die rund 17-minütige Sequenz lässt die Grenzen zwischen Bühnenrealität, Fantasie und den inneren Gefühlen der Protagonistin auf rauschhafte Art und Weise verschwimmen.
"Dieser Film ist Kino als Musik"
Doch geben wir das Wort zurück an Scorsese, der auch 2009 im Rahmen einer Kino-Vorführung keinen Hehl aus seiner Begeisterung für „Die roten Schuhe“ machte: „Dieser Film ist Musik. Er ist Kino als Musik. Ich meine damit kein Musicals – Musicals sind ein Genre, das ich liebe. Aber das hier ist ein Film, den ich liebe. Jeden Aspekt daran – das Design, die Farben, den Schnitt, die Bewegungen innerhalb des Bildes und der Kamera, die Dialoge, das gesamte Setting. […] Es ist nicht einfach Musik, die mit Bildern zusammengeschnitten wird. Da ist etwas anderes, das ihn in gewisser Weise selbst zu einem Musikstück macht. Man kann diesen Film im Kopf, im Geist und in der Seele abspielen wie Musik. Sofort tauchen Bilder auf, Erinnerungen an Dialoge und bestimmte Eindrücke.“
Solltet ihr „Die roten Schuhe“ nicht kennen und nun so richtig Lust auf den Film bekommen haben, müssen wir euch leider enttäuschen: Der Film ist zurzeit auf keinem einzigen deutschen Streamingdienst erhältlich, und für die 2012 erschienene Blu-ray müsst ihr mittlerweile recht tief in die Tasche greifen. Aber es lohnt sich auf jeden Fall:
Martin Scorsese verehrt übrigens nicht nur einzelne Filme, sondern auch andere Regisseure. Einen sogar ganz besonders – kein Wunder, hat dieser doch nicht nur ihn, sondern auch berühmte Kollegen wie Steven Spielberg, Quentin Tarantino, John Woo, Clint Eastwood, Francis Ford Coppola oder George Lucas stark beeinflusst. Um wen es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
Einer der größten Regisseure der Kinogeschichte: 5 seiner Filme haben 100 Prozent bei Rotten Tomatoes – Spielberg, Scorsese und Tarantino verehren ihn!Unsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.
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