Egal, ob man sie Profi- oder Auftragskiller nennt: Moralisch flexible Menschen, die gegen Geld andere Menschen kalt machen, stehen im Mittelpunkt zahlreicher beliebter Thriller. Filme wie „Pulp Fiction“ und „Brügge sehen … und sterben?“ beweisen zudem eindrucksvoll, dass sich aus dem tödlichen Gewerbe enormer, kultig-cooler Spaßfaktor ziehen lässt.
Auch „Die Filzlaus“ dreht sich um einen Profikiller – und der durchläuft in nicht einmal 90 turbulenten Minuten chaotisch-stressige, brüllend komische Situationen, die John Travolta und Colin Farrell in ihren Kult-Killerrollen garantiert in die Knie gezwungen hätten. Daher zählt nicht nur der Verfasser dieses TV-Tipps den Kinohit von 1973 zu den lustigsten Filmen aller Zeiten. Überzeugt euch selbst: Am 18. September 2025 erscheint „Die Filzlaus“ erstmals im deutschen Heimkino auf Blu-ray!
Darum geht es in "Die Filzlaus"
Auftragskiller Ralf Milan (Lino Ventura) soll in Montpellier an der französischen Mittelmeerküste einen Mann ermorden. Also quartiert sich Ralf in einem Hotel gegenüber des Justizpalasts ein, um sein Ziel via Scharfschützengewehr aus dem Verkehr zu ziehen, bevor es eine brandgefährliche Aussage tätigen kann. Was Ralf nie im Leben hätte ahnen können: Im Zimmer nebenan befindet sich der ebenso kauzige wie depressive und vom Pech verfolgte Hemdenvertreter François Pignon (Jacques Brel).
Der wurde kürzlich von seiner Frau verlassen und will sich daher das Leben nehmen. Da François allerdings nicht nur suizidal ist, sondern obendrein ein extremer Schussel, sorgt er mit seinem ersten Selbstmordversuch bloß für Chaos. Aus Sorge, dass François' Taten dazu führen, dass die Polizei vorbeikommt, sieht sich der knurrige Ralf gezwungen, das Leben seines wimmernden Zimmernachbarn zu retten, damit er unbesorgt seinen Auftrag erfüllen kann...
Mordsspaß, den selbst ein Meister nicht zu überbieten wusste!
Ein raubeiniger, wortkarger und kühler Mörder muss Seelsorger und Schutzengel für einen dauerplappernden Jammerlappen und Selbstmordkandidaten spielen: Aus diesem Aufeinanderprallen der Gegensätze schuf der französische Autor Francis Veber 1970 ein populäres Theaterstück, das nur drei Jahre später nach einem von ihm neu verfassten Skript zur rasanten, spritzig-komischen und zugleich pechschwarzen Kinokomödie veredelt wurde.
Regisseur Édouard Molinaro, der später den queeren Leinwand-Meilenstein „Ein Käfig voller Narren“ inszenierte, bewahrt den Schnellfeuer-Dialogwitz und die geistreich zugespitzte Charakterzeichnung Vebers und greift zudem mit beiden Händen auf die Möglichkeiten zurück, die das Medium Film mit sich bringt: Im Zuge des Profikiller-Trubels entbrennt ein atemloses Slapstick-Feuerwerk, das dank raffiniert eingefädelter Situationskomik und spritzig eingesetzter Elemente der Verwechslungskomödie packend und abwechslungsreich bleibt.
Es ist ein unvergleichlicher Genuss, Ventura knurren und grummeln zu sehen, wenn er seine zielorientierte, gewissenlose Professionalität in eine zweckgebundene, humane Art zu verbiegen versucht. Und Brel ist als in Selbstmitleid ersaufender Neurotiker ein Faszinosum: Er frustriert, man will ihn liebend gern hassen – aber weil Brel den emotionalen Tiefpunkt seiner Rolle allem Rummel zum Trotz ehrlich zum Tragen bringt, bringt man's doch nicht übers Herz, ihm Schlimmes zu wünschen.
Daher ist „Die Filzlaus“ brillant-böser, nie aber verächtlicher Edelklamauk zum Immer-wieder-ansehen – was auch die diversen Versuche erklären würde, diesen Volltreffer ins Schwarze zu wiederholen: Vier offizielle Neuverfilmungen gibt es bereits, darunter „Buddy, Buddy“ von Regiemeister Billy Wilder mit Jack Lemmon und Walter Matthau (einmal mehr) als ungleiches Doppel. Doch selbst Wilder hat Molinaros Ur-Filmfassung nicht das Wasser reichen können – und das will etwas heißen!
Ein unbestrittenes, einmaliges Billy-Wilder-Meisterwerk, das unter anderem von Clint Eastwood gefeiert wird, haben wir euch derweil im folgenden Artikel näher vorgestellt:
Dieses Meisterwerk ist Clint Eastwoods absoluter Lieblingsfilm – jetzt feiert der geniale Thriller seine Heimkino-Premiere in 4K*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.