Heute Abend streamen: Ein völlig zu Unrecht vergessener Abenteuerfilm über einen der größten Kino-Helden

Die Robin-Hood-Legende gehört zu den am häufigsten verfilmten Stoffen. Der wohl ungewöhnlichste, aber auch tiefgründigste Film über den Volkshelden ist „Robin und Marian“. Wer den 70er-Jahre-Klassiker noch nicht kennt, kann ihn im Stream nachholen.

Das Kino steckte noch in den Kinderschuhen, als Hollywood Robin Hood für sich entdeckt hat. Bis heute gibt es weit über 100 Filme über die populäre Sagengestalt. Zu den bekanntesten zählen der Stummfilm „Robin Hood“ (1922), der Oscar-Abräumer „König der Vagabunden“ von 1938 sowie Kevin Costners Auftritt in der Blockbuster-Version aus den 1990er-Jahren. Außerdem sahen wir den Volkshelden in einem Disney-Trickfilm, in Parodien und in düsteren Historien-Dramen.

Mittelalter-Action und rasante Fechtduelle zeichnen viele Robin-Hood-Filme aus. Und: Die Titelfigur tritt meist als mutiger, treffsicherer Rächer und gewitzt-charmanter Sympathieträger auf, voller Energie und Tatendrang. Einen gänzlich anderen Ansatz wählte Regisseur Richard Lester („Die drei Musketiere“) mit seinem Abenteuer-Drama „Robin und Marian“ (1976). Das mit 007-Darsteller Sean Connery und Leinwand-Ikone Audrey Hepburn („My Fair Lady“) erlesen besetzte Werk bricht bewusst mit dem klassischen Hollywood-Märchen rund um den „König der Diebe“. Es zeichnet ihn stattdessen als traumatisierten, gealterten Mann, der nach innerem Frieden sucht.

Ihr seid neugierig geworden auf diesen in Vergessenheit geratenen Abenteuer-Klassiker, der für mich zu den sehenswertesten Robin-Hood-Adaptionen gehört? „Robin und Marian“ gibt es bei Amazon Prime Video aktuell als Kauf- und Leihtitel. Alternativ könnt ihr den kompletten Film sogar ohne Abo im englischen Original auf YouTube streamen.

"Robin und Marian" ist so aktuell wie 1976

20 Jahre lang war Robin Hood (Sean Connery) für König Richard Löwenherz (Richard Harris) auf sinnlosen Kreuzzügen unterwegs. Er ist gezeichnet vom Krieg und kampfesmüde. Doch es kommt noch schlimmer: Bei seiner Rückkehr nach England steht es schlimm um seine Heimat. Der Sheriff von Nottingham (Robert Shaw) terrorisiert die Bevölkerung noch immer. Marian (Audrey Hepburn) hat sich als Äbtissin unterdessen längst in ein Kloster zurückgezogen. Als der Sheriff versucht, Marian festzunehmen, greift Robin Hood noch einmal zu seinem Bogen. Gemeinsam mit ein paar Gefolgsleuten nimmt der Rächer der Armen den finalen Kampf auf.

In „Robin und Marian“, der vom majestätischen Score von Komponist John Barry („Der mit dem Wolf tanzt“) durchzogen ist, steht erstmals die tragisch-romantische Beziehung zu Robins einstiger große Liebe im Zentrum. Sie bildet den emotionalen Kern der Geschichte. Es geht um eine späte, bittersüße Liebe zwischen zwei von ihrer Vergangenheit geprägte Menschen in ihren (späten) 40ern, die spüren, dass das Leben für sie vielleicht nicht mehr allzu viele Chancen bereithält. „Robin und Marian“ funktioniert daher vor allem als feinfühlige Charakterstudie und intelligente Reflexion über die Folgen von Krieg und Gewalt, verpasste Chancen, das Älterwerden und die Vergänglichkeit des Seins. Alles Themen, die zeitlos und universell sind.

Der komplett in Spanien gedrehte Film lebt von der Stimmung zwischen den Schauspiel-Giganten Connery und Hepburn, die nach neun Jahren Leinwandabstinenz erstmals wieder in einem Kinofilm auftrat. Die Chemie zwischen dem „Frühstück bei Tiffany“-Star und dem schottischen Charaktermimen stimmt von Beginn an. Mit ihrer ersten gemeinsamen Szene fällt auf: Robin und Maid Marian benötigen hier keine ausladenden Gesten oder großen Worte. Stattdessen kann man aus jeder Geste und jedem Blick die Sehnsucht und den Schmerz der verstrichenen Jahre herauslesen.

Die Zeiten des Ruhms sind vorbei: Sean Connery als Robin Hood Columbia Pictures
Die Zeiten des Ruhms sind vorbei: Sean Connery als Robin Hood

Robin Hood als Antiheld mit Rückenschmerzen

Trotz dieser ernsten Themen und vielschichtigen Inhalte verzichtet Lester keineswegs auf Humor. Das Gegenteil ist der Fall: Für mich zählt „Robin und Marian“ tatsächlich zu den witzigsten Robin-Hood-Verfilmungen überhaupt. Denn der US-Amerikaner versteht mehr von schwarzem britischem Humor als so mancher Brite. Er untergräbt den Heldenmythos vom jungen, quasi unbesiegbaren Bogenschützen auf herrlich absurde, trockene Weise. Robin und seine ihm treu ergebenen Begleiter treffen ihre Ziele nicht einmal aus der Nähe, verheddern sich in ihren eigenen Rüstungen und stolpern regelrecht durch den Sherwood Forest.

Sean Connery ist als Robin von Locksley zwar noch nicht ganz so verwahrlost und völlig ausgezehrt wie Hugh Jackman in der jüngsten Adaption „The Death Of Robin Hood“. Darin erscheint Robin als gebrechlicher, kranker alter Mann mit Bart und Zottel-Frisur. Doch Connery kommt ziemlich gut an Jackmans angeschlagenen, schwermütigen Ex-Superhelden Wolverine im melancholischen Action-Drama „Logan – The Wolverine“ heran. Sein Robin Hood ist von Narben übersät und die unzähligen Kämpfe sitzen ihm in den Knochen. In einer der schönsten und komischsten Szenen bringt Lester den körperlichen Zustand seines Protagonisten auf den Punkt.

Robin ist schnell außer Atem und stöhnt bei jeder Bewegung, als er – auf der Flucht vor den Schergen des Sheriffs – über die Burgmauer flüchtet. Meter für Meter hangelt er sich im Schneckentempo die Mauer hoch. Elegant geht anders, zumal Errol Flynn und Kevin Costner dieses Hindernis mit Leichtigkeit überwunden hätten. Der legendäre Outlaw ist in „Robin und Marian“ das Relikt einer längst vergangenen Zeit. Ein müder, erschöpfter Rebell mit Rücken- und Bandscheibenproblemen. Das ist nicht nur herrlich schräg und bewusst augenzwinkernd, sondern vor allem ehrlich, wahrhaftig und zutiefst menschlich.

Vor genau 40 Jahren sorgte ein Fantasy-Film mit Sean Connery und Christopher Lambert in den weltweiten Kinos mächtig für Furore. Er ist vor allem für ein Zitat bekannt, das garantiert jeder Filmfan schon einmal gehört hat:

Einer der berühmtesten Sätze in der Geschichte des Kinos: Er wird seit 40 Jahren im Sport verwendet, doch viele wissen nicht, dass er aus einem Film stammt

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Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.
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