"Die Optik ist offensichtlich": Marvel-Star sieht nach dem Scheitern mehrerer Projekte ein problematisches Muster

Das eine Projekt wurde erst verlängert, dann trotz Emmy-Nominierung abgesetzt, das andere kam nach jahrelanger Entwicklung nie zustande. Bei Marvel liegt etwas im Argen, wenn es um bestimmte Titel geht. Das deutet jetzt auch ein MCU-Star an.

Wonder Man“ war sicher nicht der große Publikumshit für Marvel und Disney. Schließlich geht es hier um eine Figur, von der abseits von Comic-Fans vorher noch nie jemand etwas gehört hatte. Und auch der Meta-Ansatz unterschied den Titel deutlich von anderen Projekten. Doch eigentlich schien man auf einem guten Weg zu sein. Das Feedback war richtig gut, Hauptdarsteller Yahya Abdul-Mateen II wurde für seine Darstellung des glücklosen Schauspielers Simon Williams sogar für einen Emmy nominiert. Kurz nach dem Start folgte dann sogar die Verlängerung um eine zweite Staffel. Doch kürzlich gab es die Meldung, dass die Serie nun doch abgesetzt wurde.

Diese fiel zeitlich mit einer anderen Meldung zusammen. Seit Jahren arbeitete Marvel an einer „Blade“-Neuverfilmung. Mahershala Ali wurde bereits 2019 als neuer Vampirjäger vorgestellt und war in „Eternals“ auch schon kurz zu hören. Doch nach jahrelangen Drehbuchänderungen, Regiewechseln und verschobenen Drehstarts kam der Film nie zustande. Schließlich machte Ali selbst öffentlich, dass er das Kapitel mittlerweile abgeschlossen hat. Marvel habe ihn unter Vertrag gehabt und verfüge über alle nötigen finanziellen Mittel. Wenn das Studio den Film wirklich hätte drehen wollen, wäre er seiner Ansicht nach gemacht worden.

Yahya Abdul-Mateen II in Disney und seine verbundenen Unternehmen
Yahya Abdul-Mateen II in "Wonder Man".

Dass das Aus dieser zwei Projekte zusammenfiel, löste in Hollywood eine riesige Debatte aus. Ziert Marvel sich, Projekte mit schwarzen Hauptfiguren jenseits der „Black Panther“-Reihe als „Alibi-Titel“ auf den Weg zu bringen? Es entbrannte eine Rassismus-Debatte, zu der sich jetzt auch „Wonder Man“ Yahya Abdul-Mateen II äußerte. Dabei wählt er seine Worte zwar sehr diplomatisch, lässt aber durchblicken, dass er ein problematisches Muster sieht.

Dieser Grund für die "Wonder Man"-Absetzung wurde dem Star gesagt

In einem Interview mit Vanity Fair ging es erst einmal um die mehr als ungewöhnliche Absetzung von „Wonder Man“. Denn diese kam äußerst überraschend. Die Serie wurde nicht nur, wie eingangs erwähnt, vorher noch verlängert, es waren sogar bereits Verträge unterschrieben und Terminkalender geblockt. Das Schreibteam sollte in diesem Monat seine Arbeit aufnehmen.

So wurde Abdul-Mateen danach gefragt, ob er die Gründe für die Absetzung seiner Serie bekommen habe. Die Entscheidung habe demnach „mit den Zuschauerzahlen zu tun gehabt“. Konkrete Zahlen habe Marvel ihm allerdings nicht genannt. Letztlich sei entschieden worden, dass eine weitere Staffel aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn ergebe.

Marvel muss das Narrativ verändern!

Danach wurde Abdul-Mateen auf die zahlreichen Netz-Diskussionen über die gleichzeitigen Probleme mit anderen Marvel-Projekten mit schwarzen Hauptdarsteller*innen angesprochen. Auf die Frage „Hast du ein Gefühl, dass es ein Problem damit gibt, was grünes Licht bekommt oder unterstützt wird und was nicht?“, fand er deutliche Worte: „Die Optik ist offensichtlich. Wenn ich ein Großkonzern bin, wenn ich Disney bin, wenn ich Marvel bin, möchte ich nicht mit einer solchen Optik in Verbindung gebracht werden.“

Seiner Meinung nach müsse es daher eine Priorität der Konzerne sein, „dieses Narrativ verantwortungsvoll durch qualitativ hochwertige Geschichten und entsprechende Ressourcen zu verändern“. Für „Wonder Man“ treffe das zu. Es gab laut ihm die hochwertige Geschichte, die nötigen Ressourcen, ein hervorragendes Team und sowohl Publikum als auch Preisjurys haben darauf reagiert.

Abdul-Mateen will "handfeste Antworten"

Deswegen scheint er die bisherigen Aussagen von Marvel wenig zufriedenstellend zu finden: „Daher verdient es unsere Serie, dass man sich genauer mit ihr befasst und handfeste Antworten darauf bekommt, warum ein solches Projekt nicht fortgeführt wurde – denn sie brachte alle Zutaten mit, die man sich von einer Serie nur wünschen kann.“

Man darf gespannt bleiben, ob Marvel darauf reagieren wird und nach dem kommenden Blockbuster-Doppel „Avengers: Doomsday“ und „Avengers: Secret Wars“ nicht nur „Black Panther 3“, sondern auch noch weitere Geschichten mit nicht-weißen Hauptfiguren angeht. Die Debatte ist schließlich nicht neu. Dass wir nach fünf Jahren immer noch auf ein Lebenszeichen von einem möglichen Sequel zu „Shang-Chi And The Legend Of The Ten Rings“ warten, wird von vielen Marvel-Fans zum Beispiel auch immer wieder thematisiert.

Eine Übersicht über die Titel, die bislang angekündigt sind, findet ihr im folgenden Artikel:

Was kommt nach "Avengers 5" und "Avengers 6"? Das sind die nächsten Kinofilme – Marvel verkündet MCU-Masterplan
Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.
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