Klage gegen "Yellowstone"-Macher: Hat Taylor Sheridan Ideen für seinen Western-Hit geklaut?

Hat sich Taylor Sheridan für sein Serien-Phänomen „Yellowstone“ etwa bei den Ideen einer anderen Person bedient? Das jedenfalls wirft ihm nun die Journalistin und Autorin Lauren J. Salkin vor.

Paramount

Wie nun bekannt wurde, sieht sich Taylor Sheridan („Wind River“) mit einer Urheberrechtsklage konfrontiert. Die Autorin Lauren J. Salkin wirft dem erfolgreichen Drehbuchautor und Produzenten vor, sich maßgeblich an einem ihrer Pitches bedient zu haben, den sie bereits 2016 und 2017 bei Sheridans Produktionsfirma eingereicht haben soll. Im Zentrum des Rechtsstreits steht die Frage, ob Salkins damaliges Konzept für das Projekt „Sovereign Nation“ die Grundlage für Sheridans späteren weltweiten Serienhit „Yellowstone“ bildete.

Aus den Gerichtsunterlagen, die dem Branchenmagazin TheWrap vorliegen, geht hervor, dass Salkin für sich in Anspruch nimmt, wesentliche Elemente von „Yellowstone“ bereits Jahre vor dem Start der Serie entwickelt zu haben. Sie habe damals ein Pilot-Drehbuch sowie weitere Unterlagen zu „Sovereign Nation“ eingereicht. Die Materialien seien von Sheridan beziehungsweise seinem Umfeld eingehend geprüft worden. Sheridan selbst, so soll Salkin als Antwort erhalten haben, habe zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht für Fernsehprojekte zur Verfügung gestanden.

Mehr als nur zufällige Ähnlichkeiten?

Nur wenige Monate später gab Paramount schließlich grünes Licht für „Yellowstone“. Für Salkin ist das zeitliche Zusammentreffen offenbar ebenso wenig Zufall wie die zahlreichen Parallelen zwischen ihrem eingereichten Konzept und der späteren Serie. In ihrer Klage legt sie eine detaillierte Gegenüberstellung vor, anhand derer sie darzulegen versucht, dass nicht nur einzelne Motive, sondern auch konkrete Figurenkonstellationen und Handlungselemente aus „Sovereign Nation“ in „Yellowstone“ wiederzufinden seien.

Insbesondere der Konflikt um Landansprüche, wirtschaftliche Interessen und geplante Bauvorhaben, der zu den zentralen Triebfedern von „Yellowstone“ gehört, soll bereits in Salkins ursprünglichem Konzept eine wesentliche Rolle gespielt haben. In der Klageschrift heißt es:

„Was in Yellowstone erschien, war nicht bloß ein weiterer Western über Landbesitz oder Familie. Die Serie enthielt spezifische gestalterische Entscheidungen, die bereits in Salkins Unterlagen angelegt waren: ein Casino des Stammes, das als institutionelles Zentrum politischer Macht und wirtschaftlicher Entwicklung fungierte, eine für die Serie charakteristische Konfrontation im Büro des Stammesvorsitzenden im Casino, bei der es um eine Expansion über die Grenzen des Reservats hinaus geht, die Nutzung von Treuhandgeld, das Fehlen von Flächennutzungsbeschränkungen und eine Pachtstruktur mit 99-jähriger Laufzeit als konkrete Mechanismen für diese Expansion, sowie wiederkehrende Darstellungen eines Masterplans, die den Kampf um die territoriale Kontrolle dramatisieren.“

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass Salkins damaliges Pitch Deck offenbar sogar zwei Schauspieler als mögliche Besetzung für ihre Vision nannte: Danny Huston und Gil Birmingham. Beide Darsteller sollten später tatsächlich in „Yellowstone“ auftreten.

Salkin führt darüber hinaus an, sie habe sich mit einem Verantwortlichen bei HBO über „Sovereign Nation“ ausgetauscht. Dieser habe das Projekt 2017 jedoch abgelehnt – angeblich gerade wegen der offensichtlichen Nähe zu Sheridans „Yellowstone“-Pitch. Auch dieser Umstand dürfte in dem nun angestrengten Rechtsstreit eine nicht unerhebliche Rolle spielen.

Was fordert Salkin?

Mit ihrer Klage strebt Salkin unter anderem eine einstweilige Verfügung an, die künftige Verletzungen ihrer behaupteten Urheberrechte verhindern soll. Darüber hinaus fordert sie Schadensersatz in bislang nicht genannter Höhe. Dieser soll nach ihrer Vorstellung auch Gewinne umfassen, die mit dem „Yellowstone“-Franchise erzielt wurden. Außerdem beantragt Salkin ein Verfahren vor einem Geschworenengericht.

Ob ihre Vorwürfe letztlich Bestand haben werden, ist damit allerdings noch keineswegs entschieden. Die entscheidende Frage dürfte sein, ob die von Salkin angeführten Gemeinsamkeiten tatsächlich auf einer unzulässigen Übernahme konkreter urheberrechtlich geschützter Elemente beruhen oder ob es sich um Motive und Konstellationen handelt, die für das Genre und die behandelten Themen nicht hinreichend spezifisch sind.

Eine Stellungnahme der Beteiligten lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht vor. Vertreter von Taylor Sheridan, NBCUniversal und Paramount haben auf eine Anfrage von TheWrap bislang nicht reagiert.

Und während nun die Gerichte darüber entscheiden müssen, wie schwer die von Salkin vorgebrachten Parallelen wiegen, hat Taylor Sheridan erst kürzlich an anderer Stelle für Klarheit gesorgt. Ein „Yellowstone“-Spin-off, das bereits vor fünf Jahren angekündigt worden war, wird demnach nicht mehr realisiert. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

"Würde ich niemals tun": "Yellowstone"-Macher erteilt Spin-off klare Absage – obwohl es vor 5 Jahren angekündigt wurde

Pascal Reis
Pascal Reis
-Redakteur
Pascals Lieblingsserien sind „The Wire“ und „Sons Of Anarchy“. Bei „Hör mal wer der hämmert“ und „Eine schrecklich nette Familie“ bleibt er aber auch regelmäßig hängen.
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