Historisch ist es nicht korrekt: Charlie Hunnam erklärt sein Stottern in "Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden"
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Historische Akkuratesse ist im Netflix-Format „Monster“ nicht von allergrößter Bedeutung. In der vierten Staffel rund um Lizzie Borden hat Charlie Hunnam seiner Figur nun ein Stottern angedichtet. Was es damit auf sich hat, erklärte der Star jüngst.

Von Pascal Reis

Bei „Monster: Die Geschichte von Ed Gein“ schieden sich die Geister. Schließlich wurden hier nicht nur ganz gezielt Tatsachen verdreht, um eigene Interpretationsansätze aus der Geschichte des berühmt-berüchtigten Serienkillers abzuleiten, auch hatte man bisweilen das Gefühl, der Mörder im Mittelpunkt würde bis zu einem gewissen Punkt sogar glorifiziert werden. Nichtsdestotrotz: Charlie Hunnam war fantastisch in der Hauptrolle!

Der „Sons Of Anarchy“-Star verkörperte Ed Gein nicht nur körperlich aufopferungsvoll, sondern entwickelte auch einen ganz eigenen Klang für die Leatherface-Inspiration: Mit seiner hohen, fast femininen Fistelstimme verlieh Hunnam all dem Schmerz und den Sehnsüchten Ausdruck, die sich in dem Leichenschänder und Grabräuber angestaut hatten. In „Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden“ ist Charlie Hunnam nun erneut mit von der Partie – und wieder ist seine Stimme ein besonders wichtiges Werkzeug für das Porträt seiner Figur.

Das steckt hinter dem Stottern von Charlie Hunnam

In der vierten Staffel von „Monster“ verkörpert Charlie Hunnam Andrew Borden, den Vater von Lizzie (Ella Beatty), der bei einem grausamen Axtangriff ums Leben kam. Das Stottern, mit dem Charlie Hunnam seine Figur sprechen lässt, ist historisch übrigens keineswegs verbrieft. Es gibt keinerlei Überlieferungen darüber, dass Andrew Borden einen Sprachfehler dieser Art hatte. Hunnam hat sich dieses markante Detail also selbst für die Figur ausgedacht – und auch in einem Interview erklärt, wie es dazu kam:

Im Gespräch mit CBR wurde Hunnam gefragt, wie er die Stimme seiner Figuren entwickelt, insbesondere im Hinblick auf Andrew Borden: „Bei Andrew fiel mir als Erstes auf, dass er stotterte – was historisch gesehen nicht stimmt.“ Weiter erklärte Hunnam, dass es im ursprünglichen Drehbuch einen Moment gab, in dem Andrew unter enormem emotionalem Druck zu stottern begann. Hunnam entschied sich jedoch dafür, dieses Merkmal weiter auszubauen: „Dieses Stottern und diese Stimme haben sich mir einfach aufgedrängt.“

Tatsächlich erscheint es als schlüssiger Ansatz, das Stottern von Andrew als psychosomatische Reaktion abzubilden. Schließlich hat dieser einige schwere Schicksalsschläge hinter sich, führt in der Serie offenbar ein Leben, das völlig freudlos dem Geldverdienen verschrieben ist, und setzt alles daran, seinen sozialen Status um keinen Preis zu gefährden. Sympathien möchte Charlie Hunnam damit allerdings nicht einheimsen – höchstens Verständnis für seine Figur aufbringen:

„Andrew Borden ist ein ziemlich monströser Kerl. Lizzies Eltern waren beide zutiefst unglückliche, boshafte Menschen. Für mich bestand die Herausforderung also darin, zu verstehen, warum das so war. In Andrews Fall entsprang dies letztlich einer Tragödie. Er verlor seine Frau, eine seiner Töchter starb, er musste den Verlust des Lebens hinnehmen, das er sich aufgebaut hatte, und schuf stattdessen ein neues Leben, das ihn nie glücklich machte, sondern ihm das Gefühl gab, unterdrückt und gefangen zu sein – und aus dieser Unterdrückung heraus erwuchs all diese Wut und Bosheit.“

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Pascal Reis
Pascal Reis
-Redakteur
Pascal liebt das Kino von „Vertigo“ bis „Daniel, der Zauberer“. Allergisch reagiert er allerdings auf Jump Scares, Popcornraschler und den Irrglauben, „Joker“ wäre gelungen.
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