Neu auf Disney+: Dieser Abenteuerfilm mit George Clooney ist ein Muss für alle, die nach "Die Odyssee" noch nicht genug haben
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Satirischer Musikfilm, Gaunerkomödie und ironisch angehauchtes Abenteuer nach Homer: In „O Brother, Where Art Thou?“ macht George Clooney eine US-Südstaaten-Version der Odyssee durch – ohne Matt Damon, aber mit massig Ohrwürmern!

Von Sidney Schering

In den Kinos sorgt Christopher Nolans Abenteuerepos „Die Odyssee“ weiterhin für klingelnde Kassen. Aber was, wenn ihr nach dem Milliarden-Dollar-Erfolg weiterhin Lust auf filmische Irrfahrten habt oder ihr euch das Warten auf euren (nächsten) Trip mit Matt Damon verkürzen wollt? In dem Fall könnt ihr euch George Clooney anvertrauen.

Denn ab sofort ist „O Brother, Where Art Thou?“ auf Disney+ abrufbar, eine tragikomische Satire auf das Musikgeschäft, den Süden der USA und das Leben in der Großen Depression. Und all das präsentiert sich als ironisch angehauchte, prominent besetzte Modernisierung von Homers „Odyssee“!

Darum geht es in "O Brother, Where Art Thou?"

Mississippi, 1937: Die Welt ist von der Wirtschaftskrise erschüttert und drei Sträflinge sind außer Atem. Ulysses Everett McGill (George Clooney), Pete (John Turturro) und Delmar O’Donnell (Tim Blake Nelson) sind ihren Aufpassern entkommen und kennen nur noch ein Ziel: Sie wollen in einem von baldiger Flutung bedrohten Tal reiche Beute bergen. Auf dem Weg dahin muss erst einmal Petes Cousin Wash (Frank Collison) besucht werden, ist sein Heim doch ein geeigneter Unterschlupf.

Dann lernt das Trio den Blues-Gitarristen Tommy Johnson (Chris Thomas King) kennen, der seine Seele verkauft haben soll, um die Saiten teuflisch gut zu beherrschen. Und ehe sich die Halunken versehen, landen sie für Mr. Lund (Stephen Root) als „Soggy Bottom Boys“ einen Radio-Superhit, ehe sie dem bipolaren Bankräuber Babyface Nelson (Michael Badalucco) helfen, ein Ding zu drehen...

Eine Odyssee im Coen-Stil

Geschrieben und inszeniert wurde „O Brother, Where Art Thou?“ von den Brüdern Joel und Ethan Coen, die zuvor unter anderem die ebenso rabenschwarze wie blutige Krimi-Komödie „Fargo“ und später den Oscar-Abräumer „No Country For Old Men“ stemmten. Und obwohl sie dieses Projekt anfangs schlicht als Film über drei Loser auf der Flucht entwickelten, kam ihnen letztlich die Idee, daraus eine Abwandlung der „Odyssee“ zu formen.

Konsequenterweise eröffnet die Komödie mit einem Zitat aus dem oft kopierten Homer-Werk. Darüber hinaus gibt John Goodman einen riesigen, einäugigen Bibelverkäufer (in Anlehnung an den Zyklopen), während eine Gruppe an Frauen in nasser Kleidung an einem plätschernden Bach als sirenenhafte Ablenkung dient.

Charles Durning übernimmt indes als grantiger Gouverneur Pappy O'Daniel die Funktion, die bei Homer Zeus erfüllt, wohingegen Sheriff Cooley (Daniel von Bargen) die Reise des zentralen Trios ähnlich erschwert wie Poseidon Odysseus und seine Männer plagt. Und Holly Hunter gibt sich die Ehre als sehr eigenwillige Abwandlung von Odysseus' Gattin Penelope...

Eingängiger Klang, markanter Look

Angetrieben wird diese US-Südstaaten-Irrfahrt von einem eingängigen, ebenso schmissigen wie melancholischen Soundtrack: „O Brother, Where Art Thou?“ ist reich an Folk-, Gospel- und Bluegrass-Liedern sowie einer sich diesen Melodien anpassenden Filmmusik. Der Soundtrack verleiht dem Film eine unvergleichliche Stimmung, die lebhaft sowie kauzig ist. Zugleich verankert sie ihn akustisch in einer widerstandsfähigen, leidgeplagten Wirklichkeit, obgleich das von der Musik begleitete Geschehen immer abstruser wird.

Insbesondere die fünf Abwandlungen des Songs „Man Of Constant Sorrow“ bleiben haften und sind bereits für sich stehend ein Quell kreativer Spielereien. Und obschon Clooney nicht selbst singt, sondern Bluegrass-Musiker Dan Tyminski als Singstimme einsprang: Der „From Dusk Till Dawn“-Star macht in seinem ersten von vielen Einsätzen unter Coen-Regie eine hervorragende Figur. Es ist fast so, als wäre er geschaffen für den von den Coen-Brüdern gern genutzten Typus des Dampfplauderers, der in Theorie eloquent und enorm charismatisch ist, sich in Praxis aber dumm grinsend und langsam schaltend in immer neuen Ärger quasselt.

Clooney schultert diese Farce somit mühelos, während Kameralegende Roger Deakins („Skyfall“) mit seinen im mehrfachen Wortsinne fabelhaften Mississippi-Impressionen eine wundersam-soghafte Balance zwischen Magie, ironisch unterwanderter Nostalgie und drastisch überzeichnetem Leid der Großen Depression erzielt. Dass das satte Grün der Schauplätze dank digitaler Farbkorrektur („O Brother, Where Art Thou?“ war der erste Hollywood-Film, der durchweg von diesem Werkzeug Gebrauch machte) in verschiedenste Sepia-Abstufungen verwandelt wurde, tut da sein Übriges, um dieser Halunken-Musikposse Mystik einzuhauchen.

Und wenn ihr nach diesem humorvollen Abenteuer noch viele weitere Stunden an George-Clooney-Geschichten streamen möchtet, folgt einfach dieser Netflix-Empfehlung:

Neu auf Netflix: Eine der besten und einflussreichsten Serien der 90er-Jahre

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Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Ob Showtunes im Broadway-Stil, zuckersüße Teenie-Pop-Revue oder bluttriefende Rock-Party: Sidney hat eine Schwäche für Musicals, die ihn bereits durch allerlei cineastische Höhen und Tiefen geführt hat.
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