Es ist mittlerweile eineinhalb Wochen her, dass Amazon Prime Video das Finale der vierten Staffel „Reacher“ veröffentlichte. In diesem kam es zum großen und brutalen Showdown von Alan Ritchsons Helden mit den Killerinnen Lila (Agnez Mo) und Amisha (Anggun). Dabei wird der Ex-Militärpolizist so stark malträtiert wie noch nie. Er wird mit Messern aufgeschnitten und durchbohrt, verliert massiv Blut. Und zwischendrin bekommt er von einem Handlanger sogar mit einer Nagelpistole jeweils einen Nagel durch die Hände geschossen und wird dabei an Holz genagelt. Es ist der erste Moment, in dem man vielleicht kurz innehält und denkt: „Moment mal. Soll das gerade eine Kreuzigung sein?“
Doch bei diesem einzelnen Jesus-Verweis, der isoliert betrachtet vielleicht ignoriert worden wäre, belässt es das Serienfinale nicht. Mit der Aussage „Er ist auferstanden“ und dem Brechen von Brot finden sich noch mehrere weitere Anspielungen in der Episode, die in Deutschland ausgerechnet den Titel „Ruhet in Frieden“ trägt. Längst ist u.a. auf Reddit daher eine Diskussion darüber entbrannt, warum es so viele Parallelen von Reacher zu Jesus in dieser Episode gibt. Soll der Action-Hüne bewusst als Christusfigur inszeniert werden?
Auferstehung, Kreuz, Brotbrechen und mehr
Schauen wir uns erst einmal die weiteren Parallelen genau an. Der deutlichste Hinweis kommt erst nach dem Gemetzel. Reacher überlebt seine schweren Verletzungen und wacht einige Zeit später – ob es genau drei Tage waren, bleibt leider offen – im Krankenhaus wieder auf. Dort kommentiert Tamara (Sydelle Noel) seine Rückkehr ins Reich der Lebenden mit den Worten „He is risen“ („Er ist auferstanden“), also wortwörtlich mit der englischen Version des traditionellen Osterrufs und Glaubenssatzes der Christen, der an die Auferstehung von Jesus Christus erinnert. Gleichzeitig verweist die Szene sogar noch einmal ausdrücklich auf die Löcher in seinen Händen.
Spätestens mit dieser Szene wird deutlich, dass die religiöse Symbolik und die Anspielungen auf die Kreuzigung Jesu, seine Auferstehung und die Wundmale an seinen Händen kein Zufall sein dürften. Wenn man genauer hinschaut, findet man noch weitere Verweise. Schon während des Kampfes hält er zwei lange Holzbretter kurzzeitig so, dass sie ein Kreuz bilden. Nachdem er schwer verletzt zusammengebrochen ist, wird er von Tamara in den Armen gehalten. Das Bild erinnert an Darstellungen der Pietà, bei denen Maria den vom Kreuz genommenen Jesus hält. Und in der allerletzten Szene der Staffel teilt er sein Cheesesteak-Sandwich mit einer bedürftigen Frau. Auch dieses buchstäbliche Brechen des Brotes ist natürlich ein sehr bekanntes religiöses Motiv.
Einige Fans gehen noch weiter und wollen neben den ziemlich offensichtlichen Nägel- und Auferstehungsanspielungen selbst in der Weitergabe des USB-Sticks an den Journalisten Russell Plum (Kevin Weisman) einen biblischen Hintergrund erkennen. Denn schließlich gibt ihm Reacher in dieser Szene mit auf den Weg, die Geschichte in die Welt zu tragen. In einer religiösen Lesart wäre Plum damit gewissermaßen ein Jünger, der nach dem Verschwinden der Christusfigur Zeugnis ablegt und die Botschaft weiterträgt.
Steckt Alan Ritchson dahinter?
Warum sich die Verantwortlichen für diese Fülle an Verweisen entschieden haben, die kaum mehr Zufall sein kann, ist noch nicht bekannt. Showrunner Nick Santora und sein Team haben sich unseres Wissens dazu nicht geäußert. Es erscheint uns aber möglich, dass Hauptdarsteller Alan Ritchson großen Einfluss darauf hatte. Er ist nicht nur der Star der Show, sondern nimmt als Executive Producer auch hinter den Kulissen maßgeblichen Einfluss auf die Serie.
Ritchson ist bekennender und gläubiger Christ, der sehr offen und aktiv über seine Spiritualität spricht. Laut eigenen Schilderungen wurde er streng katholisch erzogen und war bereits in seiner Jugend sehr stark in der Kirche engagiert. Später entfernte er sich jedoch unter anderem aufgrund der Missbrauchsskandale von der Institution Kirche. Auch heute blickt er noch sehr kritisch auf die Institution und insbesondere auf konservative Gruppierungen, die versuchen, Religion politisch zu instrumentalisieren.
Selbst hat er laut eigener Aussage nach privaten Schicksalsschlägen, die sogar in einem Suizid-Versuch mündeten, aber wieder stärker zu Gott gefunden. Sehr offen erklärt er dabei, dass es für ihn beim Christentum „um eine radikale Nächstenliebe“ gehe, darum, sich selbst zurückzustellen und für andere da zu sein. Das ist ein Charakterzug, den auch Jack Reacher teilt, wobei er bei ihm natürlich nicht auf einem religiösen Glauben, sondern auf seinem strengen moralischen Code basiert.
Wie es derweil in der fünften Staffel „Reacher“ weitergeht, verraten wir euch im folgenden Artikel:
Horror und einer der besten "Reacher"-Geschichten: Das erwartet euch in der 5. Staffel des Action-Hits bei Amazon Prime Video