Das Streaming-Zeitalter: Unzählige Filme sind leichter denn je verfügbar. Allerdings sind Klassiker, Geheimtipps, Kultfavoriten und aktuelle Knaller über viele Plattformen verteilt, auf denen sich zudem viele, viele Fehlgriffe befinden. Hinzu kommen wenig hilfreiche Startseiten und schlecht sortierte Untermenüs – schon kann die Suche nach dem idealen Filmfutter zur Tortur werden.
Daher stehen wir euch bei FILMSTARTS zur Seite: Jede Woche empfehlen euch unsere Autoren und Autorinnen drei Filme, die im Abo von Amazon Prime Video ohne Aufpreis verfügbar sind – und die ihr auf keinen Fall verpassen solltet.
Sidney Schering empfiehlt: "A Chorus Line" (1985)
Broadway-Regisseur und -Choreograf Zach (Michael Douglas) entwickelt derzeit eine neue Show, die sich nun in ihrer Castingphase befindet. Daher muss er aus über 100 Interessierten die acht Personen aussuchen, die er braucht, um seine Vision umzusetzen. Das Vortanzen ist hart, Zach anspruchsvoll, die Choreografien verlangen den Talenten Perfektion ab. Unter ihnen befindet sich Cassie (Alyson Reed), mit der Zach einst eine Beziehung hatte – ein Umstand, der für Spannungen sorgt...
Auf dem Broadway war „A Chrous Line“ ein gewaltiger Erfolg: Die von Komponist Marvin Hamlisch, Songtexter Edward Kleban, den Autoren James Kirkwood Jr. & Nicholas Dante sowie von Choreograf Michael Bennett 1975 aus der Taufe gehobene Verneigung vor erfahrenen, nie beachteten Hintergrundtänzer*innen lief dort 15 Jahre lang und stellte somit ihrerzeit einen Rekord auf. Und nicht nur das zahlende Publikum war verrückt nach „A Chorus Line“: Das Hinter-den-Kulissen-Musical wurde für zwölf Tony Awards nominiert und gewann den prestigeträchtigen Theaterpreis in neun Sparten, zudem sackte es einen Pulitzerpreis ein.
Die von „Gandhi“-Regisseur Richard Attenborough inszenierte Filmadaption spaltet indes die Gemüter: Viele der Beteiligten hinter der Theater-Uraufführung kritisierten die Verfilmung scharf, da Attenborough den Fokus halbgar von etablierten Tänzer*innen zu Jungtalenten verschoben hat. Außerdem flogen drei von Fans innig geliebte Songs raus und die queeren Storylines wurden im Film an den Rand gedrängt, wodurch „A Chorus Line“ im Kino an Essenz verloren hat.
Dessen ungeachtet hat „A Chorus Line“ über die Jahrzehnte hinweg seinen Platz in der Historie der Filmmusicals gefunden: Als gewollt dramatischer Blick auf die glanzlose Seite des Showgeschäfts, in dem idealistische Leute systematisch dem Zynismus ans Messer geliefert werden.
Björn Schneider empfiehlt: "Searching For Sugar Man" (2012)
Die ebenso spannende wie emotionale Doku handelt von einem lange übersehenen Musiker, der mit 40-jähriger Verspätung doch noch international bekannt wurde. Dank des Films „Searching For Sugar Man“, der 2013 den Doku-Oscar und etliche weitere renommierte Auszeichnungen erhielt.
Die Story ist unglaublich: Der US-Singer-Songwriter Sixto Rodriguez veröffentlichte Anfang der 70er-Jahre zwei Alben, die in seiner Heimat fast niemanden interessierten. Nach nur wenigen Hundert verkauften Platten stand für ihn fest: Das war’s mit der Karriere. Fortan arbeitete er als Sozialarbeiter und in schlecht bezahlten Nebenjobs. Doch in Südafrika wurde der Musiker unverhofft zum absoluten Kultstar. Vor allem junge Südafrikaner interpretieren seine Songs als Protestlieder. In den späten 70er-Jahren war Rodriguez im Apartheidstaat so bekannt wie Bob Dylan oder Joan Baez. Aufgrund der internationalen Isolation des Landes bekam von dem Durchbruch am anderen Ende der Welt jedoch niemand etwas mit – auch Rodriguez nicht.
Der schwedische Filmemacher Malik Bendjelloul schildert den Werdegang und die Wiederentdeckung des Folksängers nicht als einfache, chronologische Abhandlung der zentralen Lebensstationen des 2023 im Alter von 81 Jahren verstorbenen Künstlers. Vielmehr konzipiert er „Searching For Sugar Man“ als fesselnde Mockumentary, erzählt aus der Perspektive zweier südafrikanischer Musikfans, die sich auf die Suche nach der „Ikone“ Rodriguez begeben. Das Ergebnis ist erhellend, inspirierend und unfassbar unterhaltsam. Für Fans mitreißender Musik-Dokus wie „Anvil“, „Marley“ und „Amy“, die allesamt faszinierende Künstler-Persönlichkeiten porträtieren.
Sebastian Daniels empfiehlt: "Strange Darling" (2023)
Eine Frau, die angsterfüllt flüchtet. Ein Mann, der sie verfolgt und auf sie schießt: Eine Trope, die wir zur Genüge aus dem Thriller- und Horror-Genre kennen. Auch „Strange Darling“ beginnt mit einer derartigen Szene, denkt allerdings gar nicht daran, in der Folgezeit nach Schema F abzulaufen.
Regisseur und Drehbuchautor JT Mollner („The Long Walk“) ist sich den Klischees der Filmgattung sehr wohl bewusst und unterläuft diese gefühlt mit jeder weiteren Szene. Daraus entsteht ein wunderbar fieses Serienkiller-Puzzle, dem man sich dank unbändigem Ästhetik-Drang sowie faszinierenden Darstellungen von Willa Fitzgerald („Reacher“) und Kyle Gallner („Smile“) kaum entziehen kann.
Dass sich Mollner vom Stil Quentin Tarantinos inspirieren ließ, ist anhand der schwarzhumorig-verspielten Dialoge und der non-linearen Kapitelstruktur unverkennbar. Dennoch weist „Strange Darling“ zweifellos eine eigene Handschrift auf, die Spannung und Spaß auf raffinierte Weise vereint. Nicht umsonst feierte Stephen King den Film als „cleveres Meisterwerk“, was der 96-Prozent-Score bei Rotten Tomatoes beeindruckend untermauert.
Hinweis: Beim vorliegenden Text handelt es sich um eine Zusammenstellung von Streaming-Tipps, die schon zuvor in verschiedenen Artikeln auf FILMSTARTS erschienen sind.
*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links erhalten wir eine Provision.