Clint Eastwood ist zweifellos eines der prägendsten Gesichter der Kinogeschichte – wohl jeder Kinofan hat den mittlerweile 96-jährigen „Dirty Harry“-Darsteller sofort vor Augen (und vielleicht sogar sein charakteristisch brummiges Timbre im Ohr). Doch tatsächlich hat die oft bärbeißige, kantige Charaktere verkörpernde Western-Ikone für ihre Arbeiten als Regisseur deutlich mehr Anerkennung bekommen als für ihre Schauspielerei.
Gerade mal zwei seiner insgesamt elf Oscar-Nominierungen hat Eastwood als Schauspieler bekommen – für „Erbarmungslos“ und „Million Dollar Baby“. Ausgezeichnet wurde er für jene beiden Filme allerdings als Bester Regisseur. Bei den Golden Globes ergibt sich ein ähnliches Bild: Vierzehn Mal kam der „Gran Torino“-Schöpfer für den zweitwichtigsten US-Filmpreis in Frage – allerdings kein einziges Mal für sein Schauspiel!
Das mag daran liegen, dass Eastwood eben vor allem sehr gut darin ist, Clint Eastwood zu spielen – für ihre Wandelbarkeit ist die lebende Hollywood-Legende allerdings nicht bekannt. Ein berühmter Kollege nannte ihn einmal sogar den meistüberschätzten Schauspieler der 1980er- und 1990er-Jahre.
Clint Eastwood zog gnadenlos über drei oscarnominierte Schauspielerinnen her ...
Eastwood macht sich wahrscheinlich nicht allzu viel daraus – und erst recht hält ihn Kritik an seinen Leistungen nicht davon ab, harte Urteile über das Können von Kolleg*innen zu fällen. Als er etwa von dem Filmkritiker Gene Siskel auf das Gerücht angesprochen wurde, er würde absichtlich Darstellerinnen an seiner Seite meiden, die das Talent hätten, ihn an die Wand zu spielen, setzte Eastwood zu einem Frontalangriff auf die weiblichen Oscar-Nominierten des Jahres 1982 an: Meryl Streep (die für „Sophies Entscheidung“ gewann), Debra Winger („Ein Offizier und Gentleman“), Julie Andrews („Victor/Victoria“), Sissy Spacek („Vermisst“) und Jessica Lange („Frances“).
„Es gibt Dutzende hervorragender Schauspielerinnen, die genauso talentiert sind – manche sogar talentierter – als drei der Frauen, die in diesem Jahr für diese ‚Rettet den Bauernhof‘-Filme nominiert waren“, so der „Juror #2“-Macher (via Far Out Magazine). „Aber diese anderen Schauspielerinnen sind nicht die Mädchen des Augenblicks, keine Modeerscheinung – und deshalb engagiert sie niemand.“
... und ganz besonders über Jessica Lange!
Namentlich nannte er Jessica Walter (die in seinem Psychothriller „Sadistico“ die Hauptrolle gespielt hatte), seine langjährige Partnerin und Kollaborateurin Sondra Locke (u.a. „Der Texaner“) sowie Carrie Snodgress, die an seiner Seite im Western „Pale Rider – Der namenlose Reiter“ zu sehen war.
Jessica Lange – die ein Jahr später einen Academy Award für ihre Nebenrolle in „Tootsie“ und 1995 für „Operation Blue Sky“ eine weitere Trophäe als Beste Hauptdarstellerin gewann – hingegen könne „in keiner Liga mit den Frauen mithalten, die ich erwähnt habe.“ Ihre Performance in „Frances“ bezeichnete er gar als „das schlimmste Stück Schauspielerei, das ich in meinem Leben je gesehen habe.“
Lange spielte in dem von Graeme Clifford inszenierten, im Übrigen äußerst empfehlenswerten biografischen Psychodrama die Schauspielerin Frances Farmer, die eigentlich Theaterambitionen verfolgt, aufgrund mangelnden Erfolgs in den 1930er-Jahren aber ihr Glück in Hollywood versucht. Dort gerät sie schnell in die Mühlen des Studiosystems, das sie gegen ihren Willen zu einem neuen Star aufbauen will – eine unaufhaltsame Abwärtsspirale ist die Folge...
Wenn ihr übrigens wissen wollt, was Eastwood über die Unterschiede zwischen Europa und den USA denkt (und welche drei Kunstformen er für die einzigen hält, die die Vereinigten Staaten eigenständig hervorgebracht haben), dann lest auch den nachfolgenden Artikel:
Clint Eastwood, 96, über die Vereinigten Staaten: "Sie sind nicht wie Europa, hier gibt es nicht viele eigenständige Kunstformen"Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.