Am 15. Oktober 2026 ist die Gaming-Verfilmung „Street Fighter“ in den deutschen Kinos gestartet – und bereits die Trailer haben eine gigantische Kampfsport-Sause versprochen, die die Fans nach den missglückten „Street Fighter - Die entscheidende Schlacht“ von 1994 und der 2009er-Gurke „Street Fighter: The Legend Of Chun-Li“ auch endlich im Kino mit dem Franchise versöhnen soll.
FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler hatte die Gelegenheit, mit „Street Fighter“-Regisseur Kitao Sakurai über die Gaming-Adaption zu sprechen. Dabei wollten wir wissen, wie er zu den bisherigen Adaptionen steht, wie die Idee zu den wundervollen Anime-Sequenzen entstanden ist und wie David Dastmalchian ihn überzeugt hat, die richtige Besetzung für Oberschurke M. Bison zu sein. Doch zuallererst hat uns interessiert, welche Figur Kitao Sakurai am liebsten spielt, wenn er mal wieder Bock auf eine Runde „Street Fighter“ hat ...
Paramount Pictures / Legendary
FILMSTARTS: Wie hat deine Begeisterung für die Reihe ihren Anfang genommen – und welche Figur spielst du selbst am liebsten?
Kitao Sakurai: Wie bei vielen Leuten in meinem Alter kam „Street Fighter“ heraus, als ich noch ein Kind war. Genauer gesagt „Street Fighter II“. Ich war ein halbjapanisches Kind, das mitten in Amerika, in Ohio, aufwuchs. Ich liebte es, Anime zu schauen und las Manga, die mir Freunde meiner Familie schickten. Ich hatte ganz offensichtlich eine echte Verbindung zur japanischen Kultur.
Als „Street Fighter“ herauskam, gab es da so eine besondere Verbindung. Es war das erste Mal, dass ich Charaktere sah, die in gewisser Weise die asiatische oder japanische Popkultur widerspiegelten und ihren Weg in die amerikanische Kultur fanden. Für mich persönlich war das also etwas ganz Besonderes. Und dann waren wir natürlich, wie viele andere Kinder in meinem Alter auch, einfach total besessen von dem Spiel selbst. Ich persönlich liebe aus dieser Zeit Dhalsim. Er war so ein interessanter und einzigartiger Charakter. Deshalb spiele ich ihn auch heute noch am liebsten. Aber so viele dieser Charaktere sind einfach solche Ikonen, dass es fast schon wie griechische Mythologie ist.
FILMSTARTS: Was sind die perfekten Zutaten für einen guten „Street Fighter“-Film?
Kitao Sakurai: Ich finde, das Spiel macht vor allem Spaß, deshalb muss auch der Film Spaß machen. Und natürlich unglaubliche Kampfszenen, die die Sprache des Spiels sprechen. Schließlich heißt es ja auch „Street Fighter“ und nicht „Street Friends“. Dazu kommen noch großartige Charaktere. Insbesondere die Beziehung zwischen Ken und Ryu und ihre Brüderlichkeit. Und natürlich braucht jeder gute Film eine Geschichte, die einen mitreißt. All das zusammengenommen ist also sozusagen das wesentliche Rezept für einen guten „Street Fighter“-Film.
FILMSTARTS: Wie bist du auf die Idee für die animierten Sequenzen gekommen?
Kitao Sakurai: Bei den animierten Sequenzen wollten wir aufgrund der Art der Geschichte und der Beziehung zwischen Ken und Ryu ihre Hintergrundgeschichte zeigen und verdeutlichen, woher sie als junge Menschen kamen. Und normalerweise muss man in Filmen dafür Schauspieler jünger aussehen lassen oder solche engagieren, die jünger wirken.
FILMSTARTS: ... oder es wird Schauspielern eine seltsame Perücke aufgesetzt.
Kitao Sakurai: Ganz genau. Und nichts davon fühlte sich richtig an. Und das Erbe von „Street Fighter“ ist so eng mit japanischer Animation verbunden. „Street Fighter II: The Animated Movie“ und die Fernsehserie – das hängt alles sehr eng zusammen. Und so haben wir uns gefragt, ob wir diese Sequenzen nicht einfach animieren können. Und zwar speziell mit einer von Anime inspirierten, traditionellen handgezeichneten Animation im Stil der 90er Jahre. Wir haben mit dem Animationsstudio Titmouse zusammengearbeitet, und unsere Animatoren haben jedes einzelne Bild von Hand gezeichnet.
Paramount Pictures Germany
FILMSTARTS: Du scheinst „Street Fighter - Die entscheidende Schlacht“ von 1994 auch einiges abgewinnen zu können. Es gibt in „Street Fighter“ zumindest einige Anspielungen auf den Film. Glaubst du, er wird unterschätzt?
Kitao Sakurai: Ich weiß nicht, ob er unterschätzt wird. Viele Leute genießen ihn einfach so, wie er ist. Er ist kitschig und albern. Das unbestreitbar Großartige daran ist natürlich Raúl Juliás unglaubliche Darstellung von M. Bison. Seine Performance mussten wir unbedingt im Hinterkopf behalten, als wir mit David Dastmalchian an unserer Version von Bison gearbeitet haben.
FILMSTARTS: Wie hat David Dastmalchian dich davon überzeugt, dass er der richtige Schauspieler für die Rolle ist? Seine Besetzung wurde im Vorfeld ja heiß unter den Fans diskutiert.
Kitao Sakurai: Zunächst einmal ist er auf die beste Art und Weise ein Sonderling. Er hat die Fähigkeit, sich mit den eher dunklen Seiten seiner Psyche und seiner Vergangenheit zu verbinden und diese auf künstlerische Weise zu nutzen, um sie in seine Figuren einfließen zu lassen. Und genau das war es, was meiner Vision von M. Bison fehlte. Ich wollte keinen Bösewicht, der sich so übertrieben oder comicartig anfühlt. Ich wollte jemanden, der psychologisch viel Tiefe hat.
FILMSTARTS: Die „Street Fighter“-Geschichte ist noch nicht vorbei. Arbeitet ihr bereits an einer Fortsetzung?
Kitao Sakurai: Wir denken auf jeden Fall darüber nach. Wir würden sehr gerne eine Fortsetzung machen. Es hängt natürlich davon ab, wie dieser Film ankommt und welche Elemente den Leuten daran gefallen. Aber natürlich ist „Street Fighter“ als Franchise fast 40 Jahre alt und ein Kultphänomen, und es wäre schade, nicht zumindest darüber nachzudenken, die Geschichte fortzusetzen.