Die Owens-Schwestern und Midnight Margaritas sind zurück. Der Kultklassiker „Zauberhafte Schwestern“ aus den 90ern mit Nicole Kidman (Gillian) und Sandra Bullock (Sally) hat nach 28 Jahren mit „Practical Magic 2 - Zauberhafte Schwestern“ endlich eine Fortsetzung bekommen. Statt Griffin Dunne saß dieses Mal Oscar-Preisträgerin Susanne Bier im Regiestuhl. Im zweiten Teil des Fantasy-Abenteuers werden Sallys Töchter (Joey King, Maisie Williams) in den Owens-Fluch hineingezogen.
Susanne Bier, die sowohl mit Nicole Kidman („The Undoing“, „Ein neuer Sommer“) als auch Sandra Bullock („Bird Box“) gearbeitet hat, sprach im virtuellen Interview mit FILMSTARTS-Autorin Susanne Gietl über echten Zauber am Set, den ikonischen Cast und den nackten Lee Pace.
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FILMSTARTS: „Zauberhafte Schwestern“ hat eine große Fangemeinde. Was war bei der Fortsetzung ausschlaggebend, um dem ersten Film treu zu bleiben?
Susanne Bier: So einiges. Da wären die offensichtlichen Dinge, wie die Besetzung, die im Grunde dieselbe ist wie im ersten Film. Es gab eine Art liebenswertes, chaotisches Flair. Ich glaube, das ist auch ein Grund, warum der Film so viel Spaß macht. Wir wollten das beibehalten, waren uns aber gleichzeitig sehr bewusst, dass wir etwas Zeitgemäßes erschaffen wollen. „Zauberhafte Schwestern 2“ steckt voller Easter Eggs, kleiner Zitate und Anspielungen. Wir hatten eine sehr lange Fassung mit so vielen Referenzen zum ersten Film, dass man aus der Geschichte herausgerissen wurde. Letztlich ging es darum, eine Balance zwischen einer fesselnden Erzählung und dem gewissen Etwas zu finden - als augenzwinkernde Anspielung auf den ersten Film.
FILMSTARTS: Nicole Kidman und Sandra Bullock kehren als Owens-Schwestern zurück. Wie hat es sich für Sie angefühlt, mit den beiden zum ersten Mal gemeinsam zu arbeiten?
Susanne Bier: Sie sind fantastische Schauspielerinnen! Wenn Sandra Bullock und Nicole Kidman zusammenkommen, verdoppelt sich die Energie nicht, sie vervierfacht sich. Zwischen ihnen herrschte eine ungeheure Energie. Aber auch Stockard Channing und Dianne Wiest waren wieder dabei. Sie fügten sich nahtlos in den Film ein, obwohl ihre Rollen eine völlig andere Geschichte erzählen, weil sie in der Geschichte älter sind als im wahren Leben. Sie verkörpern Magie und Hexerei auf eine sehr freundliche, großzügige Art – zugleich auch Weisheit und Schalk. Die jüngere Generation mit Joey King und Maisie Williams hingegen tritt in die Fußstapfen der Hexen. Auch wenn ich nicht im ersten Film mitgewirkt habe und ihn bis zu diesem Projekt gar nicht gesehen hatte, konnte man bei den Dreharbeiten zeitweise sogar etwas Nostalgie fühlen. Es war wunderbar.
FILMSTARTS: Lee Pace verkörpert einen Mann mit magischen Fähigkeiten. Er trug in seiner ersten Szene mit Nicole Kidman und Sandra Bullock nichts, nur seine Tattoos. Ein sehr spezieller erster Tag für ihn!
Susanne Bier: Lee Pace stellt eine sehr interessante Figur dar. Er hat ein großartiges komödiantisches Talent und spielt die Rolle mit einem gewissen Augenzwinkern. Ich würde sogar sagen: Lee Pace gehört zu den wenigen Schauspielern, die splitterfasernackt und nur bedeckt von Tattoos daliegen und dabei trotzdem ihr verschmitztes Lächeln beibehalten.
FILMSTARTS: Magie ist ein kostbares Gut. Wie dosieren Sie Zaubermomente im Film?
Susanne Bier: Magie musste mit persönlichen Handlungen einhergehen. „Zauberhafte Schwestern 2“ ist kein Film über spektakuläre Explosionen. Es geht um die gegenseitige Verbundenheit von Schwestern, um Frauen, um Beziehungen - und eine Liebesgeschichte. Also mussten alle visuellen Effekte und Spezialeffekte der Handlung dienen und nicht zum Selbstzweck werden. Wir haben mit einem etwas aggressiveren Ansatz in Bezug auf die visuellen Effekte begonnen und dann den Umfang schrittweise reduziert, bis wir das Gefühl hatten, dass sie sich natürlich in die persönliche Geschichte einfügen.
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FILMSTARTS: In „Zauberhafte Schwestern 2“ spielt eine sehr düstere Szene in den Ruinen des Old Wardour Castle aus dem 14. Jahrhundert. Wie haben Sie diese Stimmung erzeugt?
Susanne Bier: Es war zwar inspirierend, eine echte Burg mit allem Drum und Dran zu haben. Das weckt Emotionen. Die Schauspieler waren in ihren Rollen sehr präsent und gespannt auf das, was passieren würde. Ich will keinesfalls behaupten, dass der Dreh unkompliziert war. Für mich ging es aber mehr darum, wie wir die Kampfszene gestalten, damit sie nicht einfach eine reine Actionsequenz darstellt, sondern dem großen Ganzen dient.
FILMSTARTS: Worin liegt das Geheimnis für den magischen Glanz der Bilder?
Susanne Bier: Die gesamte Farbgebung, aber auch die Kostüme (Kostümbild: Alexandra Byrne) haben dazu beigetragen! In einer Szene tragen die Frauen Schwarz, ansonsten aber immer Farbe. Es war eine bewusste Entscheidung, die gesamte Bildsprache so zu gestalten, dass sie die Herzlichkeit zwischen den Figuren unterstreicht und ausstrahlt. Bei der Farbkorrektur haben wir dann ganz bewusst mit einem sehr warmen Ton gearbeitet.
FILMSTARTS: Im ersten Film entstand die Außenansicht des viktorianischen Hauses auf San Juan Island, die Innenräume hingegen in Los Angeles. Dieses Mal hat Szenenbildner Tom Burton das Haus originalgetreu in zwölf Wochen in den Leavesden-Studios aufgebaut – der Heimat von Harry Potter. Für „Zauberhafte Schwestern 2“ haben Sie zudem über 4.000 Pflanzen sowie 52 ausgewachsene Bäume verpflanzt. Das klingt nach einer sehr besonderen Atmosphäre.
Susanne Bier: Ich habe noch nie ein so aufwändiges Großprojekt gesehen. Der Hinterhof des Studios war zuvor wie ein alter Flugplatz. Auf Beton folgte Beton und die Fläche war komplett eben. Dort haben sie das ganze Haus konstruiert und eingerichtet. Es war ein magischer Prozess. Gleichzeitig haben sie den Garten angelegt. In einem Moment habe ich wirklich gedacht: „Oh mein Gott, da sind ja echte Vögel und das sind echte Vogelkäfige!“ - bis der Szenenbildner mich aufklärte, dass sie die Käfige eigens aufgestellt hatten. Aber wir haben tatsächlich ein kleines Stück Natur erschaffen und es gab auch Schmetterlinge dort! Das war faszinierend.
FILMSTARTS: Waren Sie beim Dreh nervös?
Susanne Bier: Für mich hat Filmemachen immer etwas Bodenständiges. Ich bin immer vor allen anderen am Set, spaziere dort herum und spüre schon ein bisschen die Magie am Set. Aber dann kommen alle an und dann geht es einfach darum, wie man etwas umsetzt. Man steht nicht einfach am Set herum, träumt oder erlebt die Szenen, so funktioniert das nicht. Jede Sekunde wird sorgfältig geplant, um sicherzustellen, dass jeder Moment so wirkt, wie er soll: emotional, lustig, traurig, beängstigend. Beim Schneiden kehrt dann etwas von diesem Zauber zurück.