Selbst eine Hollywood-Legende musste sich im Kino übergeben – jetzt erscheint dieses Skandal-Meisterwerk erstmals in 4K
von Daniel Fabian
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Ingrid Bergman war Jury-Präsidentin des Filmfestivals von Cannes, als einer der legendärsten Kino-Schocker des 20. Jahrhunderts seine Weltpremiere feierte – und für reichlich Unbehagen sorgte. Jetzt feiert der Kult-Klassiker seine 4K-Premiere.

Nicht selten sind es mit den traditionellen Sehgewohnheiten brechenden Filme, die zunächst nur schwer eingeordnet werden können, missverstanden werden und vielleicht auch ein Stück weit verstören – und im Laufe der Jahre doch noch zu geschätzten Klassikern avancieren. Ob so beispielsweise auch noch der historische Tom-Cruise-Flop „Digger“ irgendwann die Kurve kriegen wird, lässt sich ohne magische Kristallkugel allerdings nur schwer prophezeien.

Im Falle von „Das große Fressen“ ist der Fall derweil längst klar: Nachdem die Ekel-Satire von Marco Ferreri („Carne - Fleisch“) in den 70ern einen handfesten Kino-Skandal auslöste, das Publikum an seine Grenzen (und weit darüber hinaus) brachte und unter anderem in Irland sogar mit einem strikten Aufführungsverbot bedacht wurde, gilt der Film längst als Klassiker des europäischen Kinos. Und genau dieser feiert am 3. Dezember nun sogar seine 4K-Premiere. Natürlich in voller Länge – sowie als limitierte Sammleredition im Mediabook:

Während DVD und Blu-ray* des Films mittlerweile kaum noch erhältlich sind, wird nun also endlich Abhilfe geschaffen – und das gleich noch in Ultra-HD. Und das dürfte sich in diesem Fall auch durchaus lohnen. Neben expliziten Sexszenen sowie einer Fressorgie, bei der einem der Hunger restlos vergeht, punktet der in einer luxuriösen Villa spielende sowie natürlich komplett analog gedrehte Film nämlich vor allem mit einem formidablen Produktionsdesign – das wie gemacht für 4K ist!

"Das große Fressen": Ingrid Bergman kam das Kotzen

Obwohl der Film in Cannes 1973 sowohl ins Rennen um die Goldene Palme ging als auch mit dem FIPRESCI-Preis prämiert wurde, konnte die damalige Jury-Vorsitzende dem Werk übrigens nicht viel abgewinnen. Und das ist noch zurückhaltend ausgedrückt:

Ingrid Bergman bezeichnete den Film einst als den „abstoßendsten Film“, den sie in ihrem Leben gesehen habe. Der „Casablanca“-Star, der insgesamt drei Oscars gewinnen konnte, habe nach der Weltpremiere über körperliches wie seelisches Unbehagen geklagt – und soll sich sogar noch während der Vorstellung übergeben haben. Und die 1982 verstorbene Hollywood-Ikone war keineswegs die Einzige, der die orgiastische Völlerei zu viel wurde.

Das große Fressen
Das große Fressen
Starttermin 27. September 1973 | 2 Std. 05 Min.
Von Marco Ferreri
Mit Marcello Mastroianni, Ugo Tognazzi, Michel Piccoli
User-Wertung
3,2

Die Sache ist: Damit erreichte Marco Ferreri genau die Reaktion, die er mit „Das große Fressen“ auch hervorrufen wollte. Klar, das anfängliche Muschelschlürfen ist vielleicht noch ganz amüsant, doch geht es in seiner gnadenlosen Abrechnung mit der Bourgeoisie doch vor allem darum, deren Gier nach immer mehr schamlos zu entblößen. Und da kann – nein: muss! – einem einfach schlecht nur werden.

Die Oberen Zehntausend kriegen den Hals nicht voll – und schlemmen daher auch nicht genüsslich vor sich hin, sondern hauen sich ihren Schlund voll, dass sich die Mägen biegen. Sie geben sich ihren Gelüsten nicht einfach nur hin, sondern sind ihnen geradezu ausgeliefert – und fressen sich so schließlich mit Pauken (Rülpsen) und Trompeten (Furzen) zu Tode.

Ja, während viele einst sogar indizierte Filme mittlerweile eher belächelt werden, hat „Das große Fressen“ bis heute nichts von seiner Durchschlagskraft verloren. Denn dieser löste nicht nur vor mittlerweile über 50 Jahren einen der größten Skandale in der Geschichte von Cannes aus, sondern weiß nach wie vor zu schockieren – als bitterböse Satire, die im Kern auch heute noch erschreckend aktuell ist.

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Daniel Fabian
Daniel Fabian
-Senior-Redakteur
Zu verrückt? Gibt es nicht! Wo Neues entsteht, beginnt für Daniel Kino, das sich ins Gedächtnis brennt. Je schräger und verrückter, desto besser!
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