Er war einst zu verstörend für das Kinopublikum, heute gilt er als prophetischer Kultfilm – jetzt neu in 4K!
von Sidney Schering
Teile diesen Artikel

So finster zeigt sich Jim Carrey nur selten: Ben Stillers zappendustere und beißende Stalking-Komödie „Cable Guy - Die Nervensäge“ hat in den 1990ern weite Teile des Publikums irritiert, genießt nun aber Kultstatus.

Mit seinen energetischen Performances hat Jim Carrey in den 1990ern das Kino erobert. Doch mitten in diesem Erfolgslauf ging ein komödiantisches Carrey-Vehikel unter: Die von „Nachts im Museum“-Star Ben Stiller inszenierte, rabenschwarze Komödie „Cable Guy – Die Nervensäge“ nahm bei einem stattlichen Budget von 47 Millionen Dollar weltweit weniger als 103 Millionen wieder ein.

Damit dürfte er zwar einen schmalen Profit gemacht haben, jedoch stach es 1996 der Branche massiv ins Auge, dass ein neuer Jim-Carrey-Film global weniger Einnahmen generierte als seine vier vorherigen Projekte allein in den USA erzielten. Über die Gründe wurde allerdings nicht gerätselt:

Denn die Kritiken fielen gespalten aus. Sie reichten von euphorischem Lob über den subversiven, beißenden Tonfall bis hin zu purer Frustration. Und weite Teile des zahlenden Publikums waren von Carreys gezielt-unsympathischer Darbietung sowie der galligen, teils schaurigen Story eher verstört als amüsiert.

Dass das Marketing einen eher handelsüblichen Jim-Carrey-Spaß versprach, dürfte da nicht gerade geholfen haben. Dafür war der Wandel der Zeit „Cable Guy“ freundlich gesonnen: Als Genrestandards unterwandernde, wagemutige Psychopathen-Komödie wandelte sich der einstige Ausreißer in Carreys Vita zum Kultfavoriten. Und dessen 30-jähriges Jubiläum wird nun gefeiert, denn am 22. Oktober 2026 erscheint „Cable Guy“ erstmals im deutschen Heimkino auf 4K-Blu-ray!

Die deutsche 4K-Premiere von „Cable Guy“ erfolgt in Form eines Limited Edition Steelbooks, das den Film obendrein auf Blu-ray umfasst. Als Bonusmaterial gibt es einen Audiokommentar, Deleted Scenes, einen Blick hinter die Kulissen, eine Gag Reel, Featurettes sowie ein Musikvideo zu entdecken.

Darum geht es in "Cable Guy"

Robin (Leslie Mann) hat die Schnauze voll von ihrem Freund, dem Architekten Steven (Matthew Broderick). Der frisch gebackene Junggeselle hat in seiner neuen Single-Bleibe noch dazu Probleme mit dem TV-Empfang, weshalb er einen Servicemitarbeiter herbei ordern muss, der sich um den Kabelanschluss kümmert.

Der „Cable Guy“ (Jim Carrey) ist allerdings eine überaus aufdringliche, redselige und eigenwillige Natur: Er weicht Steve kaum noch von der Seite, ruft ihn unentwegt an, beschenkt ihn, behelligt ihn auf der Arbeit und mischt sich in sein Liebesleben ein. Als sich Steve gegen dieses Stalker-Verhalten auflehnt, dreht die Kabel verlegende Nervensäge endgültig durch...

Finster, entlarvend und vorausschauend

Die sozial ungelenke und manische Titelfigur erwies sich in vielerlei Hinsicht als prophetisch. Einmal dahingehend, wie Stiller, Drehbuchautor Lou Holtz Jr. (der hiermit seinen einzigen Film ablieferte) und Skript-Doktor Judd Apatow die Nervensäge entworfen haben: Im Film wird mit Nachdruck aufgezeigt, dass dem Cable Guy wertvolle Fähigkeiten im zwischenmenschlichen Umgang fehlen, weil er kaum Kontakt zu anderen Personen hegte, sondern allein durch Medieninhalte großgezogen wurde, die er unkritisch verinnerlichte. Wie Carrey 2022 gegenüber Lad Bible zusammenfasste: „Ich liebe diese Figur. Sie repräsentiert uns alle, wir alle wurden vom Fernseher aufgezogen.“

Darüber hinaus attackiert „Cable Guy“ den Wandel zu sensationalistischen Trashprogrammen, die mittlerweile für viele Medienkonzerne zu tragenden Säulen geworden sind. Und die Titelfigur suggeriert plärrend, dass Fernsehen, Telefon und Computer (verschmolzen) unerlässlich werden und man nicht mehr das Haus verlassen muss, weil man von dort aus alles erledigen sowie alles und jeden besuchen kann.

Das ist 30 Jahre später keine Vision mehr, sondern derart in den Alltag integriert, dass man es gar nicht mehr hinterfragt – so, wie eine bedrohliche Jim-Carrey-Performance nicht mehr derart schockt, dass man sich gegen den Film auflehnt. Nun kann sie im Sinne des Films beunruhigen und unter die Haut gehen, während die bitteren Lacher im Halse stecken bleiben.

Und wenn ihr nach „Cable Guy“ zur Aufmunterung eine pure, rasante Wohlfühlkomödie sucht, findet ihr im folgenden Artikel sogar einen der besten Filmspäße aller Zeiten!

Dieser Film ist so gut, dass sein Regisseur ihn auf seinem Grabstein zitiert: Holt dieses rasante Meisterwerk spätestens jetzt im Heimkino nach!

*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren