Er stand bei „Der Zauberer von Oz“ und „Vom Winde verweht“ hinter der Kamera und somit bei zwei bildgewaltigen Hollywood-Klassikern, an denen sich heute noch zahlreiche Filme bedienen: Victor Fleming verdiente sich im goldenen Zeitalter des Studiosystems den Ruf eines zuverlässigen Filmhandwerkers, der selbst die schwierigsten Aufträge meistert – ohne Ego, dafür mit massig Schauwerten.
Als Fleming sich Ende der 1940er für einen Monumentalfilm mit Ingrid Bergman zusammentat, einen der am hellsten strahlenden Schauspielstars seiner Zeit, schien der nächste große Coup sicher. Doch nicht nur Fleming soll mit dem fertigen Film zutiefst unzufrieden gewesen sein: „Johanna von Orleans“ stieß während seiner 1950 begonnenen, regulären Kinoauswertung in den Vereinigten Staaten noch dazu auf massive Kritik durch die US-Presse.
Grund war, dass Bergman eine medial intensiv verfolgte Affäre mit dem italienischen Regisseur Roberto Rossellini einging, der sie während der Arbeiten am Drama „Stromboli“ schwängerte. Konservative US-Politiker bezeichneten die Schauspielerin als wandelnde Attacke auf den Bund der Ehe und als verlogen – schließlich war sie zugleich im Kino als jungfräuliche Heilige zu sehen!
Über 70 Jahre später sind derartige Kontroversen vergeben und so gut wie vergessen. Und auch der Film selbst wird nunmehr gnädiger betrachtet, nicht zuletzt dank der immens engagierten Bergman in seinem Mittelpunkt. Überzeugt euch selbst: „Johanna von Orleans“ erhält am 22. Oktober 2026 eine Blu-ray-Neuauflage im deutschen Heimkino!
Der Film, der Flemings letzte Arbeit bleiben sollte, da er wenige Monate nach Fertigstellung des Epos an einem Herzinfarkt starb, gewann übrigens den Oscar für die beste Farb-Kameraarbeit und die besten Kostüme eines Farbfilms. Weitere Nominierungen gab es für Bergmans Leistung in der Titelrolle, José Ferrer als besten Nebendarsteller, das Szenenbild und die Filmmusik.
Außerdem gewann Produzent Walter Wanger im selben Jahr einen Ehren-Oscar, akzeptierte ihn allerdings nicht, weil es ihn wurmte, dass „Johanna von Orleans“ nicht als bester Film nominiert war.
Darum geht es in "Johanna von Orleans"
Das 15. Jahrhundert: Frankreich wird im Hundertjährigen Krieg zunehmend von England gebeutelt. Das Bauernmädchen Johanna (Ingrid Bergman) fühlt sich jedoch von den Heiligen Katharina und Margareta sowie vom Erzengel Michael dazu berufen, ihre Heimat an der Front zu verteidigen – sie soll Frankreichs Heer sogar anführen!
Jedoch erhält sie zunächst nur Gegenwind, etwa von ihrem Vater und vom Hauptmann des Königs. Nachdem sich aber eine Prophezeiung Johannas als wahr herausstellt, findet sie plötzlich Gehör. Als sie daraufhin eine priesterliche Prüfung besteht, die beweisen soll, dass es sich bei ihr um keine Hexe handelt, stellen sich ihr dennoch weitere Hürden in den Weg. Johanna ist unbeirrbar und arbeitet sich an die Spitze von Frankreichs Heer – was politische Ränkespiele nach sich zieht, die ihr ein schmerzhaftes Schicksal bescheren sollen...
Starkes, visuell eindrucksvolles Kino stellen wir euch übrigens auch im folgenden Artikel vor. Da geht es allerdings weniger monumental und tragisch zu, sondern eher poetisch, melancholisch und zugleich amüsant:
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