Er ist neben John Wayne und Clint Eastwood eines der prägendsten Gesichter des Westernkinos: Gary Cooper stand für wortkarge, einsame Helden mit klar definierter Persönlichkeit, die durch äußere Umstände in Dilemmata gelenkt werden. Einer seiner letzten Western lässt sich ebenfalls auf dieses Schema herunterbrechen, jedoch haben Regisseur Anthony Mann („Flucht ohne Ausweg“) und „Die zwölf Geschworenen“-Autor Reginald Rose die bewährte Formel massiv bereichert:
„Der Mann aus dem Westen“ ist für eine Hollywood-Produktion aus dem Jahre 1958 ungewöhnlich rau, die Figuren sind faszinierend zwiespältig und die fesselnde Handlung ist durchzogen von einem Gefühl der Beklemmung. Und nicht nur inhaltlich machen sich Manns Erfahrungen im Film noir bemerkbar, auch visuell offenbart sich der Western als in Farbe getauchter Noir mit Cowboyhüten:
Unheilvolle Nebel- und Dampfwolken, erdrückende Schatten und schummriges Licht machen „Der Mann aus dem Westen“ zu einer soghaft-ominösen Augenweide. Überzeugt euch selbst: arte zeigt „Der Mann aus dem Westen“ heute, am 26. Oktober 2026, ab 20.15 Uhr. Der Film wird auch vorübergehend in der arte-Mediathek zum Abruf bereit gestellt. Alternativ könnt ihr ihn als VOD bei Amazon Prime Video beziehen:
Gut zu wissen: Falls ihr MGM+ als Prime Video Channel* abonniert habt, könnt ihr den Noir-Western ohne Zusatzkosten streamen.
Darum geht es in "Der Mann aus dem Westen"
1874: Der gutbürgerliche Familienvater Link Jones (Gary Cooper) führt ein unauffälliges Leben in einer kleinen Gemeinde. Als ihm die Aufgabe zugeteilt wird, für die neu gegründete Schule des Orts eine Lehrerin ausfindig zu machen, tritt er eine Reise mit der Eisenbahn an, die sein Leben verändern soll. Denn nachdem Link Bekanntschaft mit dem Spieler Sam Beasley (Arthur O'Connell) und der Barsängerin Billie Ellis (Julie London) gemacht hat, wird der Zug von Banditen überfallen.
Dadurch wird Link mit seiner dunklen Vergangenheit konfrontiert. Immerhin war er einst Mitglied in dieser Bande. Um sich und seine Zufallsbekanntschaften zu beschützen, muss er sich bei Dock Tobin (Lee J. Cobb), dem Anführer dieser Schurken, gut stellen. Das ist jedoch aufgrund von Docks weiteren Plänen ein äußerst schwierig zu meisterndes Vorhaben...
Der ewige Kreis der Gewalt
Ein aussichtsloser Kreislauf aus Verbrechen und Vergeltung, der sich im weiten, wilden und hier bedrückend-freudlos fotografierten Westen der USA abspielt – dafür waren weite Teile der US-Filmpresse und des -Kinopublikums 1958 noch nicht bereit: „Der Mann aus dem Westen“ war bei seiner Erstauswertung eine vielfach kritisierte, wirtschaftliche Enttäuschung. Hinzu kamen flammende Beschwerden der katholischen Interessengruppe National Legion Of Decency, die den Film als „moralisch verwerflich“ anprangerte.
In Frankreich hingegen lobte der Filmkritiker und spätere „Außer Atem“-Regisseur Jean-Luc Godard Manns Noir-Western in höchsten Tönen, womit er den Ton für die spätere Rezeption des Films vorgab. Mittlerweile wird „Der Mann aus dem Westen“ als Kultklassiker und Genre-Meilenstein gefeiert, unter anderem aufgrund der tragischen Anspannung, die den Film ausmacht, Coopers komplexer Darbietung und der gespenstisch-theatralen Ästhetik, die Mann und sein Kameramann Ernest Haller („Lilien auf dem Felde“) heraufbeschwören.
Wenn ihr euch danach tiefer mit Coopers Vita auseinandersetzen möchtet: Im Anschluss an „Der Mann aus dem Westen“ zeigt arte die Dokumentation „Irresistible Gary Cooper“. Die etwas weniger als eine Stunde dauernde Produktion ist auch in der arte-Mediathek abrufbar und beschäftigt sich mit dem Werk und Privatleben des Oscar-Preisträger.
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