Seit meiner Kindheit kann ich mir keine Weihnachtszeit ohne „Santa Clause“ und „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ vorstellen. In meinen Erwachsenenjahren sind allerdings einige filmische Festtagstraditionen dazugekommen, darunter ein Sci-Fi-Horrorfilm mit FSK-Freigabe ab 18 Jahren:
„Christmas Bloody Christmas“ ist ein ausgefallener Festtags-Reißer, der sich aus hypnotisierenden Farbklecksen, literweise Kunstblut und krachenden Sounds zusammensetzt – durchzogen von festlich zelebrierter Weihnachtsmuffeligkeit, markanter 16mm-Film-Ästhetik und einer mitreißenden Performance von Hauptdarstellerin Riley Dandy. Fertig ist der steife Grog unter den Weihnachtsfilmen!
Das ist für mich genau das richtige Rezept, um eine kalte, dunkle, späte Festnacht zu verschönern. Neugierig geworden? Am 12. November 2026 erscheint „Christmas Bloody Christmas“ als 4K-Edition in Standardaufmachung!
Damit gibt es eine günstigere Alternative zum 2022 veröffentlichten 4K-Mediabook, das den Film zudem auf Blu-ray enthält und ein Booklet umfasst. Dieses ist in vielen Onlineshops mittlerweile vergriffen, aber weiterhin im Shop des verantwortlichen Labels Capelight* verfügbar.
Darum geht es in "Christmas Bloody Christmas"
Heiligabend: Plattenladenbetreiberin Tori (Riley Dandy) und ihr Angestellter Robbie (Sam Delich) können mit dem kitschigen Fest nichts anfangen. Deshalb wollen sie sich nach ihrer Schicht nur ein paar Drinks in den Rachen kippen und diese deprimierend-heuchlerische Zeit abhaken. Nach einem kurzen Austausch mit Jay und Lahna (Jonah Ray Rodrigues & Dora Madison), einem befreundeten Paar, das in einem Spielzeugladen arbeitet, passiert aber das Unerwartete:
Robbie, der für seine Chefin schwärmt, wird von Tori auf ein paar Knabbereien und Drinks zu sich eingeladen. Während sich die Zwei mit funkelnden Augen über Popkultur streitend in Rage reden, werden Jay und Lahna Opfer eines Amok laufenden Weihnachtsmann-Roboters. Und auf die Beiden lässt es die stampfende Killermaschine nicht beruhen...
Gegen die Besinnlichkeit angequasselt...
„Christmas Bloody Christmas“ beginnt überaus redselig und, auf die Gefahr hin, dass ich zu tief blicken lasse, mit einer bewundernswerten Ausgangslage: An Heiligabend mit einer wertgeschätzten Person zweisam von Zwischenstopp zu Zwischenstopp schlendern, mit Herzblut und sich liebevoll triezend über Musik sowie Filme austauschen, kurz bei gemeinsamen Freund*innen vorbeischauen, ein paar gute Tropfen kosten und sich von der Stimmung treiben lassen – das klingt doch wunderbar!
Dass die in einem durch Regisseur/Autor Joe Begos vorgegebenen Rahmen improvisierten Dialoge eine ungeheuerlich authentische, hinter banalen Streitereien und popkultureller Leidenschaft verborgene Außenseiter-Romantik versprühen, kommt dem FSK-18-Reißer zweifelsohne zugute. Ebenso wie Begos' Händchen für eine schmierig-raue Ästhetik:
Die blaue, rote, grüne und lilafarbene Neon-Beleuchtung, die ständig in der schummrigen „Christmas Bloody Christmas“-Filmwelt glüht, verschwimmt auf dem grobkörnigen 16mm-Filmmaterial zu groben, kräftigen Farbklecksen, die ranzig-schattige Kammern, Spelunken und Schlafzimmer aufhübschen. Das Ergebnis ist farbenfroh und trostlos zugleich, ebenso heimelig wie unheimlich – einfach hypnotisierend und atmosphärisch. Es braucht also weder Genrekenntnis noch den unheilvollen Prolog des Films, um zu ahnen, dass das lüstern-neckische Konversationsvorspiel zwischen Tori und Robbie nicht die gesamte Laufzeit füllen wird.
...und zum Lohn in die fiese Metzelfalle getappt
Denn in der zweiten Hälfte ist „Christmas Bloody Christmas“ betont wortkarg: Nimmt der klobige, wuchtige Robo-Killer-Santa erst Fahrt auf, gibt es keine Zeit, um über Horrorfilme, Bands und herzhafte Snacks zu zetern oder sich mit den Augen auszuziehen. Begos inszeniert dann eine auf den Schmerz und Schrecken reduzierte, brachiale Festtags-Neuauflage vom Ur-„Terminator“: Funken sprühen nicht weiter im romantischen Sinne, sondern bedrohlich. Autos werden zerdeppert, Häuser verwüstet. Dinge explodieren, Menschen zerplatzen.
Es wird geschrien, geschluchzt, gekeucht und geballert – dieses kompromisslose, boshafte Geschenk haben die Weihnachtsmuffel wohl mit ihrer Unbesinnlichkeit heraufbeschworen. Das ist Ende Dezember ein willkommenes, bitter-herbes Film-Gegengift zu einem Gros des Festtags-Pflichtprogramms. Und irgendwie regt es wieder den Appetit auf Harmonie und Kitsch an: Vielleicht ist der Weihnachtsstandard ja doch nicht so übel, wenn Terror pur die Alternative ist...
Und wenn euch Joe Begos mit „Christmas Bloody Christmas“ nicht genug durchgerüttelt hat, holt euch doch sein Splatter-Spektakel nach Hause, das wir euch im folgenden Artikel vorstellen!
Aliens, Blut und jede Menge Neonfarben: Irres Splatter-Spektakel zwischen "Evil Dead" und "Crank" kommt Jahre nach Kinostart ins Heimkino*Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.