96 Jahre, 52 Filme, 4 Oscars: Sie galt in Hollywood als Kassengift – später wurde sie zur "größten weiblichen Filmlegende" gekürt!
von Michael Bendix
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Wer ist die größte Schauspielerin aller Zeiten? Wenn es nach dem American Film Institute und gewonnenen Oscars geht, kommt eigentlich nur ein Name in Frage. Hier erfahrt ihr, um welche 2003 verstorbene Leinwand-Ikone es geht!

CBS

Was glaubt ihr, wer die meisten Schauspiel-Oscars gewonnen hat? Viele denken automatisch an Meryl Streep, die tatsächlich mit riesigem Abstand den Nominierungsrekord hält, oder Daniel Day-Lewis, der drei Mal zum Besten Hauptdarsteller gekürt wurde – tatsächlich ist es in der fast 100-jährigen Geschichte der Academy Awards aber erst einer einzigen Schauspielerin gelungen, gleich vier Mal mit dem noch immer wichtigsten Kinopreis der Welt prämiert zu werden: Die Rede ist von Katharine Hepburn!

Katharine Hepburn galt als Kassengift ...

Die Laufbahn der Leinwand-Legende, die am 29. Juni 2003 im Alter von 96 Jahren starb und übrigens nicht mit Audrey Hepburn verwandt ist, ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie falsch die Mächtigen in Hollywood manchmal liegen können. Denn bereits in der Frühzeit ihrer Karriere war Hepburn als „Kassengift“ verschrien.

Zwar hatte sie bereits für ihren dritten Film, das Drama „Morgenrot des Ruhms“ (1933), einen Oscar gewonnen – doch die meisten ihrer Werke floppten an den Kinokassen. Dazu zählen neben (zu Unrecht!) in Vergessenheit geratenen Titeln wie „Alice Adams“ (1935) oder „Bühneneingang“ (1937) auch heutige Klassiker wie der Screwball-Komödien-Meilenstein „Leoparden küßt man nicht“ (1938).

Leoparden küsst man nicht
Leoparden küsst man nicht
Starttermin 18. März 1966 | 1 Std. 42 Min.
Von Howard Hawks
Mit Cary Grant, Katharine Hepburn, Charles Ruggles
Pressekritiken
3,0
User-Wertung
3,9
Filmstarts
5,0
Im Stream

Ihr damaliges Studio RKO Radio Pictures bot ihr daraufhin nur noch Rollen in B-Movies an, denen ohnehin geringe Erfolgsaussichten bescheinigt wurden – worauf sich die Mimin, die mit ihrem selbstbewussten, teils androgynen Auftreten dem damals gängigen Rollenschema für weibliche Hollywood-Stars bewusst entzog, nicht einlassen wollte.

Hepburn entschloss sich, stattdessen an ihre Theaterwurzeln anzuknüpfen und nahm die weibliche Hauptrolle im Broadway-Stück „The Philadelphia Story“ an. Als schlagfertige Gesellschaftsdame Tracy Lord, die kurz vor ihrer Hochzeit steht und sich plötzlich zwischen drei Männern wiederfindet, feierte sie riesige Erfolge – insgesamt 417 Mal wurde das von Philip Barry verfasste Stück zur Aufführung gebracht. Kein Wunder, dass schon bald Hollywood an die Tür klopfte!

... bis sie ein triumphales Comeback hinlegte!

Glücklicherweise hatte sich Hepburn bereits im Vorfeld die Verfilmungsrechte an „The Philadelphia Story“ gesichert – und so konnte sie gegenüber dem Studio MGM verschiedene Bedingungen formulieren. Dazu gehörte natürlich, auch in der Kino-Adaption die Hauptrolle zu übernehmen. Zudem bestimmte sie den Regisseur – George Cukor, mit dem sie zuvor bereits mehrere Filme gedreht hatte – und sie bestand darauf, dass ihr langjähriger Leinwandpartner Cary Grant („Die Schwester der Braut“) sowie James Stewart („Ist das Leben nicht schön?“) zum Ensemble gehören sollten.

Die Rechnung ging vollends auf: Wie das zugrundeliegende Bühnenstück wurde auch die Verfilmung zum riesigen Hit! „Die Nacht vor der Hochzeit“, so der deutsche Titel, zählte zu den umsatzstärksten Filmen des Jahres 1940 und erntete begeisterte Kritiken (bei Rotten Tomatoes hat er nicht nur einen Score von 100 Prozent, sondern belegt auch Platz 24 auf der Liste der besten Filme aller Zeiten!). Zudem wurde er für sechs Oscars nominiert, wobei je eine Statue an James Stewart sowie das aus der Feder von Don Stewart stammende Drehbuch gingen.

Hepburn war damit praktisch über Nacht rehabilitiert – und festigte in den folgenden Jahren und Jahrzehnten ihren Ruf als einer der größten, gefragtesten und einflussreichsten Stars der Traumfabrik. Besonders bekannt ist ihre neun Filme (darunter „Die Frau, von der man spricht“ und „Ehekrieg“) umfassende Zusammenarbeit mit Spencer Tracy, der übrigens wie sie das Kunststück vollbrachte, in zwei aufeinanderfolgenden Jahren einen Oscar zu gewinnen (welche drei weiteren Stars diese außergewöhnliche Leistung noch gelang, erfahrt ihr hier).

Für die antirassistische Tragikomödie „Rat mal, wer zum Essen kommt“, in der sie ebenfalls an der Seite von Tracy zu sehen war, erhielt Hepburn im Jahr 1967 dann auch ihre zweite Goldstatue. Nur ein Jahr später folgte der dritte Oscar – für das Historien-Drama „Der Löwe im Winter“ –, bevor sie 1982 dank ihrer Performance im Melodram „Am goldenen See“ zur Oscar-Rekordhalterin wurde.

Hepburn drehte insgesamt 44 Kino- und 8 Fernsehfilme, ihre letzten Auftritte hatte sie 1994 im Liebesfilm-Remake „Perfect Love Affair“ sowie dem weihnachtlichen TV-Drama „One Christmas“. 1999, vier Jahre vor ihrem Tod, wurde sie schließlich vom American Film Institute auf Platz 1 der 25 größten weiblichen Filmlegenden gewählt.

Übrigens: Einen ihrer berühmtesten Filme schätzte Hepburn zunächst selbst völlig falsch ein! Mehr dazu lest ihr im nachfolgenden Artikel:

"Das langweiligste Stück Müll": Hollywood-Ikone war sich sicher, dass einer der besten Abenteuerfilme aller Zeiten zum Scheitern verurteilt ist

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Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.
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