Sie wurde 104 Jahre alt, gewann 2 Oscars und hat in einem der größten Filme aller Zeiten mitgespielt: Auch ihre Schwester war ein berühmter Hollywood-Star!
von Michael Bendix
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Vor sechs Jahren verstarb eine der größten Hollywood-Ikonen im Alter von 104 (!) Jahren. Hier erfahrt ihr, um welche zweifache Oscar-Preisträgerin es geht.

Warner Bros.

Vor wenigen Tagen ist Oscar-Preisträgerin Eva Marie Saint („Die Faust im Nacken“) gestorben – die bis dahin mit 102 Jahren der älteste lebende Hollywood-Star war. Eine Schauspielerin ist allerdings noch älter geworden als die unter anderem aus Alfred Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ bekannte Leinwand-Ikone: Olivia de Havilland!

Die Britin, die auch die US-amerikanische und französische Staatsbürgerschaft besaß, wurde am 1. Juli 1916 in Tokio geboren – und verstarb am 26. Juli 2020 in Paris. Damit liegt ihr Todesdatum exakt 25 Tage nach ihrem 104. (!) Geburtstag! Doch wie wurde Olivia de Havilland eigentlich zu einem der prägendsten Gesichter von Hollywoods goldener Ära?

So begann die Karriere von Olivia de Havilland

Die Schauspielerei wurde Olivia de Havilland quasi in die Wiege gelegt: Ihre Mutter Lillian Fontaine hatte an der renommierten Royal Academy of Dramatic Art in London studiert und stand vor dem Umzug nach Japan, wo ihr Ehemann als Patentanwalt tätig war, regelmäßig auf der Theaterbühne. Im Zuge ihrer Scheidung im Jahr 1919 verschlug es sie ins kalifornische Saratoga – wo sie ihre beiden Töchter, Olivia de Havilland und ihre Schwester Joan Fontaine, bereits sehr früh auf eine Schauspiel-Karriere vorbereitete.

1933, im Alter von etwa 17 Jahren, gab de Havilland ihr Theater-Debüt – in einer Inszenierung von Lewis Carrolls Kinderbuch-Klassiker „Alice im Wunderland“. Ihr Talent wurde schnell erkannt, und so dauerte es nicht lange, bis sie weitere Engagements bekam – unter anderem in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“, das der einflussreiche Theaterregisseur Max Reinhardt in der berühmten Hollywood Bowl auf die Bühne brachte.

Zwei Jahre später inszenierte Reinhardt den Stoff gemeinsam mit Hollywood-Regisseur William Dieterle („Das Leben des Émile Zola“) auch für die große Leinwand – und obwohl de Havilland ursprünglich nur als Ersatz engagiert worden war, ergatterte sie auch in der Filmversion den Part der Hermia und feierte damit 1935 ihren Kino-Einstand, der ihr prompt einen festen Studiovertrag bei Warner Bros. einbrachte.

Olivia de Havilland wurde schnell zum Star – und verklagte ihr Studio!

Noch im selben Jahr spielte sie ihre ersten Hauptrollen, wobei besonders der Abenteuerfilm „Unter Piratenflagge“ zum großen Erfolg wurde – und de Havilland gemeinsam mit ihrem Co-Star Errol Flynn, mit dem sie in den folgenden Jahren noch sieben weitere Filme drehen sollte (darunter „Robin Hood – König der Vagabunden“), weltbekannt machte.

Ihre wohl berühmteste Rolle folgte im Jahr 1939: Im legendären Südstaaten-Epos „Vom Winde verweht“ verkörperte sie an der Seite von Vivien Leigh und Clark Gable die aufopferungsvolle Melanie Hamilton. Dafür erhielt sie ihre erste Oscar-Nominierung als Beste Nebendarstellerin, zog aber gegenüber ihrer „Vom Winde verweht“-Kollegin Hattie McDaniel den Kürzeren.

Obwohl es mit ihrer Karriere zu dieser Zeit steil bergauf ging, war de Havilland mit den Rollen, die Warner ihr anbot, zunehmend unzufrieden. Als das Studio sie wegen ihrer Weigerung, an bestimmten Produktionen mitzuwirken, mehrfach suspendierte und ihren Vertrag anschließend um die entsprechenden Zeiträume verlängern wollte, zog die Schauspielerin 1943 vor Gericht – und bekam ein Jahr später tatsächlich recht!

Das Urteil erwies sich als wegweisend und setzte der bis dahin üblichen Praxis, Stars auf diese Weise über Jahre hinweg an ein Studio zu binden und ihnen so die künstlerische Freiheit zu nehmen, ein Ende. Damit schrieb de Havilland auch abseits der Kamera Hollywood-Geschichte – die Entscheidung wurde sogar unter dem Namen „de Havilland Law“ bekannt!

Nach dem Ende des Knebelvertrags kamen die Oscars

Nun konnte de Havilland auch für andere Produktionsfirmen tätig sein – und hatte so die Möglichkeit, frei darüber zu entscheiden, welche Angebote sie annehmen wollte. Dabei hatte sie ein ziemlich glückliches Händchen: 1946 übernahm sie die Hauptrolle in Mitchell Leisens völlig zu Unrecht mittlerweile in Vergessenheit geratenem Melodram „Mutterherz“ – und gewann dafür ihren ersten Oscar!

Vier Jahre später konnte sie dann bereits ihren zweiten Academy Award in den Händen halten – für die Titelrolle in William Wylers nicht minder meisterlichem Drama „Die Erbin“. Auch die Romanze „Das goldene Tor“ (1942) sowie das Psycho-Drama „Die Schlangengrube“ (1948) brachten ihr Oscar-Nominierungen ein.

Ab den 1950er-Jahren stand de Havilland seltener vor der Kamera, blieb dem Filmgeschäft aber weiterhin treu. So trat sie etwa 1952 in der Romanverfilmung „Meine Cousine Rachel“ neben Richard Burton sowie 1964 an der Seite von Bette Davis im Thriller „Wiegenlied für eine Leiche“ auf. 1965 gelang ihr zudem ein weiterer Meilenstein, als sie als erste Frau überhaupt den Juryvorsitz bei den Filmfestspielen von Cannes übernahm (die Goldene Palme ging in jenem Jahr an die britische Komödie „Der gewisse Kniff“).

Ihre finale Kinorolle spielte sie schließlich 1979 im Mantel-und-Degen-Film „Das Geheimnis der eisernen Maske“, später war sie noch im Fernsehen aktiv, unter anderem in fünf Folgen der beliebten Miniserie „Fackeln im Sturm“. Nach dem TV-Film „König ihres Herzens“ (1988) verabschiedete sie sich dann endgültig von der Schauspielerei – und verbrachte ihren Lebensabend zu großen Teilen in Paris, wo sie bereits seit den 1950er-Jahren gelebt hatte.

Auch de Havillands Schwester ist eine oscarprämierte Hollywood-Legende

Übrigens: Olivia de Havilland war nicht der einzige Hollywood-Star ihrer Familie. Auch ihre jüngere Schwester Joan Fontaine machte in der Traumfabrik Karriere und gewann 1942 für Alfred Hitchcocks Thriller „Verdacht“ einen Oscar als Beste Hauptdarstellerin – womit sie sich unter anderem gegen Olivia de Havilland durchsetzte! Wohl nicht nur deshalb galt das Verhältnis zwischen den beiden Schwestern als äußerst angespannt.

In den 1940er-Jahren trat aber sogar Mutter Lillian in die Fußstapfen ihrer beiden Töchter, indem sie zur Schauspielerei zurückkehrte und in verschiedenen Filmen mitspielte – darunter dem Alkoholismus-Drama „Das verlorene Wochenende“ von Billy Wilder.

Um eine andere Hollywood-Größe, die die 100 überschritten hat, dreht sich der nachfolgende Artikel:

Er wurde 103 Jahre alt, hat in über 90 Filmen mitgespielt und war für 3 Oscars nominiert: Sein Sohn zählt heute ebenfalls zu den größten Hollywood-Legenden aller Zeiten!
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.
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