Die Geschichte der Weißen Rose gehört zweifelsohne zu jenen, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen: Die studentische Widerstandsgruppe um die Geschwister Hans und Sophie Scholl stellte sich mitten im nationalsozialistischen Deutschland gegen das NS-Regime – nicht mit Waffen, sondern mit Flugblättern. Diese riefen zum Widerstand gegen Hitler und seine Verbrechen auf – ein für die damalige Zeit ungeheuer mutiger Akt, den mehrere Mitglieder mit ihrem Leben bezahlten.
Sophie Scholl ist längst zum Symbol des Widerstands und zu einer der bekanntesten Figuren deutscher Geschichte geworden. Ihre Geschichte wurde mehrfach verfilmt und auf verschiedenste Weise erzählt: 2005 etwa in Marc Rothemunds oscarnominiertem Drama „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ mit Julia Jentsch oder 2021 im Instagram-Tagebuch-Projekt „Ich bin Sophie Scholl“ mit Luna Wedler in der titelgebenden Hauptrolle.
Eine der wichtigsten filmischen Auseinandersetzungen mit der Geschichte der Weißen Rose ist aber Michael Verhoevens „Die weiße Rose“ von 1982. Das Drama mit Lena Stolze und Wulf Kessler als Geschwister Scholl wurde damals zum Kinoerfolg und auch weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt. Ihr könnt den Klassiker deutscher (Film-)Geschichte heute Abend um 20.15 Uhr werbefrei auf Arte sehen – das lohnt sich auch insofern, als der Film aktuell bei keinem der gängigen Streamingdienste verfügbar ist, wohl aber als Disc:
München, 1942:
Während der Zweite Weltkrieg in Europa wütet, beginnt Sophie Scholl (Lena Stolze) ihr Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität. Dort entdeckt sie, dass ihr Bruder Hans (Wulf Kessler) gemeinsam mit Freunden regimekritische Flugblätter verfasst und verbreitet.
Sie schließt sich der Widerstandsgruppe an, der unter anderem Alexander Schmorell (Oliver Siebert), Willi Graf (Ulrich Tukur) und Christoph Probst (Werner Stocker) angehören. Gemeinsam vervielfältigen sie weitere Flugblätter, knüpfen Kontakte und versuchen, möglichst viele Menschen zum Widerstand zu bewegen. Doch die Gestapo ist ihnen längst auf der Spur. Als Hans und Sophie am 18. Februar 1943 erneut an der Universität Flugblätter verteilen, werden sie festgenommen – und nur vier Tage später zum Tode verurteilt.
Eine dunkle Geschichte
Michael Verhoevens „Die weiße Rose“ ist ein auf mehreren Ebenen dunkler Film: Nicht nur, weil er das wohl dunkelste Kapitel deutscher Geschichte in Erinnerung ruft, sondern auch in seiner Inszenierung. Weite Teile des Films liegen im Dunkeln, Gesichter bleiben häufig im Schatten, Gänge sind nur spärlich beleuchtet – die Bedrohung ist damit allgegenwärtig.
Dabei verzichtet Verhoeven auf Pathos und moralische Überhöhung: Der beinahe dokumentarische Ton verleiht dem Film eine besondere Nüchternheit und macht ihn dadurch nur umso eindringlicher. Verhoeven und sein Co-Autor Mario Krebs stützten sich bei ihrer Recherche auf Briefe und Tagebuchaufzeichnungen, jedoch ist nicht jedes Detail historisch korrekt: Insbesondere die Gestapo-Verhörprotokolle der Geschwister Scholl waren zur Zeit ihrer Recherche noch nicht zugänglich. Das erklärt auch, warum Rothemunds „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ nochmal einmal andere Perspektiven eröffnet.
Die Wirkung von Verhoevens Inszenierung schmälert dies jedoch nicht: Sie ist weniger der minutiösen Rekonstruktion von Details geschuldet, als der schlichten Darstellung des Widerstands an sich. Junge Menschen, die für ihre Überzeugungen einstehen und wegen ein paar Worten auf Flugblättern sterben mussten – erschütternd genug. Und so trifft auch das Ende bis heute, obwohl man von Anfang an weiß, auf welchem Weg man Sophie Scholl begleitet.
Umso stärker wirkt der der Film im Nachgang, da er selbst Teil der deutschen Geschichte wurde: Seine Veröffentlichung stieß eine Debatte über die bis dahin nicht ausdrücklich aufgehobenen NS-Todesurteile an. 1985 erklärte der Bundestag die Urteile des Volksgerichtshofs in einer Entschließung für nichtig.
Einen anderen, sehr bewegenden Blick auf die NS-Zeit findet ihr in unserem Streaming-Tipp:
Heute Abend streamen: Die starke Verfilmung eines Literaturklassikers – wetten, ihr habt das Buch gelesen und bitterlich geheult?*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.