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    Neue Wege in "Game Of Thrones": Warum der viel kritisierte Cameo von Ed Sheeran Teil einer grandiosen Szene ist
    Von Björn Becher — 19.07.2017 um 17:40

    Viel Kritik gab es für den Cameo-Auftritt von Ed Sheeran in der jüngsten Episode von „Game Of Thrones“. Dabei ging unter, wie grandios die Szene selbst ist. Und wie viel sie womöglich über eine optimistischere Ausrichtung der Fantasy-Serie aussagt...

    HBO

    Im Zusammenhang mit „Game Of Thrones“ wird immer wieder auch über Autor George R.R. Martin diskutiert, der sich zum Beispiel vorwerfen lassen muss, frauenfeindlich zu sein. Vor allem wird immer wieder angemerkt, dass der Autor ein sehr düsteres Weltbild habe, denn von der ersten Staffel an überleben Personen, die eher für „das Gute“ stehen, meist nicht sehr lange. Es scheint fast so, als glaube Martin nicht wirklich an das Gute in den Menschen und sei überzeugt, dass sich am Ende durchsetzt, wer möglichst skrupel- und rücksichtslos ist. Ob das wirklich so ist, werden die künftigen Bücher erst zeigen. Die Serienmacher haben die Vorlagen von Martin allerdings bereits überholt und gehen nun ihre eigenen Wege. Dabei machen sie immer mehr deutlich, dass bei ihnen der Humanismus eine große Rolle spielt und sie kein so düsteres Weltbild haben.

    Nachdem schon in der sechsten Staffel immer wieder humanistische Szenen eingestreut wurden, stand dieses Thema im Auftakt zur siebten Season fast schon im Mittelpunkt. Eine Schlüsselszene ist hier die Begegnung von Arya Stark (Maisie Williams) mit einigen Lannister-Soldaten (darunter Ed Sheeran). Der Cameo des Pop-Megastars mit kurzer Gesangseinlage war durchaus etwas störend, die Szene selbst ist aber grandios. Denn nachdem wir zu Beginn der Folge Arya als eiskalte Killerin zum ersten Mal seit langer Zeit lachen sahen, gibt es in dieser Szene erneut Ausdrücke der Freude auf ihrem Gesicht. Doch dieses Mal sind es Momente der Unschuld. Sie sitzt Todfeinden gegenüber, doch sie hat einfach eine gute Zeit beim Austausch kleiner Anekdoten und Geschichten. Denn sie muss erkennen, dass sie in erster Linie nicht mit Soldaten ihrer größten Feindin, sondern mit Menschen auf dem Waldboden sitzt. Es sind Familienväter, die lieber zu Hause wären als in der Einöde, wo sie Befehle einer Königin befolgen, zu der sie keine besondere Bindung haben. Sie sind Soldaten, die einem Zwang unterliegen und nicht wirklich Feinde von Arya. Es besteht kein Grund, sie zu töten. Dies macht die ohnehin schon sehr spannende Szene noch einmal stärker.

    FILMSTARTS-User glauben: Arya tötet!
    Webedia GmbH

    In den Kommentarspalten unter einzelnen Artikeln zum Staffelauftakt hier auf FILMSTARTS.de vermuten einige unserer Leser trotzdem, dass Arya die Soldaten in der nächsten Episode töten wird. Die sympathische Darstellung der Soldaten diene nur dazu, Aryas Tat noch schockierender werden zu lassen, bemerkt so ein User. Eine solche Aussage zeigt, wie pessimistisch sechs Staffeln „Game Of Thrones“ viele Zuschauer gemacht haben. So eine Entwicklung der Ereignisse widerspräche allerdings meiner Meinung nach allem, was die Serienmacher gerade behutsam aufbauen. Ich weiß natürlich nicht, was in der kommenden Folge passiert. Vielleicht tötet Arya die Soldaten (wenn dies passiert, gehe ich aber eher von einem „Unfallszenario“ mit anschließender Reue als einer kaltblütigen Ermordung aus). Ich glaube es aber ganz und gar nicht. Uns wird mit dieser Szene meiner Meinung nach nämlich deutlich gemacht, dass auch in Arya noch Menschlichkeit steckt. Es geht für sie nun darum, ihre eigene Menschlichkeit zu akzeptieren, was sie sogar von ihrem Rachepfad abbringen und an die Seite ihrer Geschwister zurückführen könnte.

    Den brutalen Auftakt der Episode sehe ich dazu auch nicht im Widerspruch – ganz im Gegenteil. Eher ungewöhnlich für die Serie (wenn auch schon praktiziert) wurde dieser dem Intro vorangestellt – fast als wolle man sagen, er gehöre nicht so richtig zur Episode selbst. Der grausame Racheakt an der verdorbenen Sippe der Freys passt nämlich so gar nicht zur Aussage der übrigen Episode, in der immer wieder auf Humanismus verwiesen wird. Hier ist nicht nur Aryas Entscheidung, die Soldaten nicht zu töten, sondern sich zu ihnen zu setzen und ihren Geschichten zu lauschen, zu nennen. Auch an anderen Stellen dringt das Thema durch. Jon (Kit Harrington) entscheidet gegen den Willen seiner Schwester Sansa (Sophie Turner) und fast aller seiner Getreuen, die Kinder der abtrünnigen Verräter nicht für das Verhalten ihrer Väter zu bestrafen, sondern ihnen im Gegenteil Titel und Ländereien zurückzugeben – eine sehr humane Tat.

    "Game Of Thrones": Ein Rückkehrer im Trailer zur 2. Episode der 7. Staffel

    Und dann ist da noch Sandor Clegane (Rory McCann), der schon in der sechsten Staffel auf den Weg gebracht wurde, sich neu zu finden. Als er in die Serie eingeführt wurde, war eine furchterregende und scheinbar durch und durch böse Gestalt. Nun opfert er seinen Schlaf um in eisiger Kälte einen Farmer und seine Tochter zu begraben. Wie sehr sich Clegane verändert hat, seine „gute“ Seite entdeckt hat, unterstreichen die Macher dadurch, dass es nicht irgendein Farmer und seine Tochter ist. Es sind die Leute, bei denen er und Arya in der vierten Staffel Unterschlupf gefunden haben und deren Tod er sehr abschätzig vorausgesagt hat. Damals war es ihm egal, nun trifft es ihn zutiefst, dass seine Prognose eingetreten ist.
    Happy-End für „Game Of Thrones“?

    Immer wieder wurde gesagt, dass „Game Of Thrones“ kein Happy-End haben kann. Als sehr wahrscheinlich gilt es bei vielen Fans, dass wir am Ende nur sehen, dass alles ein Kreislauf ist, alles wieder von vorne beginnt. Es wird unabhängig davon, wer dann auf dem Thron sitzt, wieder gütige und wieder verrückte, alles niederbrennende Herrscher geben. Es werden wieder Winter kommen, in denen große Gefahren über die sieben Königreiche hereinbrechen. Und es werden immer Familien versuchen, selbst auf dem Thron zu sitzen. Auch wenn es in der jüngsten Episode in diese Richtung mal wieder Andeutungen gibt und ich diese Auflösung auch selbst für die wahrscheinlichste Variante halte, ist eine Art von Happy-End für „Game Of Thrones“ nicht völlig ausgeschlossen … und je nach Umsetzung muss es auch nicht unpassend sein. Immer mehr Figuren scheinen zu erkennen, dass die Gefahr aus dem Norden nur gemeinsam bekämpft werden kann. Warum soll es dazu nicht kommen? Was wäre humanistischer als eine Allianz aller Menschen – unabhängig von ihren persönlichen Interessen – gegen die Gefahr, die durch die White Walker droht? Dass auf dem Weg dahin trotzdem viele Figuren ihr Leben lassen, steht natürlich außer Frage...

    Was haltet ihr von unseren Überlegungen? Wie geht Aryas Weg weiter? Und wie wird „Game Of Thrones“ nach der achten Staffel enden? Mehr zu „Game Of Thrones“ gibt es übrigens im nachfolgenden Video, in dem wir noch einmal auf die jüngste Episode zurückblicken:

     

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