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    "Jurassic World 2"-Regisseur verrät uns seine Tricks: So kann man brutale Szenen drehen, ohne die Jugendfreigabe zu gefährden

    Schon als „Jurassic Park“ 1993 in die Kinos kam, gab es eine Diskussion darüber, ob Kinder und Jugendliche den Film schon sehen dürfen sollten. Aber die Macher wissen halt ganz genau, wie weit sie gehen können – und kennen zudem eine Menge Tricks.

    Universal Pictures International France

    Nach dem Kinostart von „Jurassic Park“, der in Deutschland von einer heftigen Debatte um die FSK-12-Freigabe begleitet wurde, machten auf den Schulhöfen der Nation immer wieder Geschichten die Runde, dass Polizisten ins Kino gekommen wären, um alle unter zwölf aus dem Kinosaal zu holen. Ob das tatsächlich häufiger mal vorgekommen ist oder ob es sich bei den Erzählungen nur um eine urbane Legende handelt, lässt sich heute gar nicht mehr so sicher nachvollziehen. Sicher ist hingegen: Steven Spielberg wusste ganz genau, was er tat – und er hat alle Tricks genutzt, um einen maximal intensiven Effekt zu erzielen, ohne dabei ernsthaft seine Jugendfreigabe zu gefährden.

    Jurassic World 2: Das gefallene Königreich

    Das ist nun auch bei „Jurassic World 2: Das gefallene Königreich“ nicht anders: Damit der Film trotz durchaus sehr gewalttätiger Szenen inklusive Verstümmelungen die angepeilte Jugendfreigabe erhält, musste Regisseur J.A. Bayona bereits am Set tief in seine Inszenierungs-Trickkiste greifen. Dabei hat er sich zum Erreichen des amerikanischen PG-13-Ratings, das auch alle bisherigen Filme der Reihe bekommen haben, auch so manche sonderbare Richtlinie der MPAA (quasi die US-amerikanische FSK) zunutze gemacht.

    Universal Pictures International France

    Vom Meister gelernt

    Die Behörde scheint nämlich generell kein großes Problem mit Brutalität zu haben, solange bei der Inszenierung von Gewaltakten gewisse Regeln eingehalten werden: So darf etwa kein menschliches Blut zu sehen sein, weshalb Bayona bei Szenen mit potentiell schockierendem Inhalt durch geschickte Schnitte und Einstellungen auch einfach auf das Zeigen des roten Saftes verzichtet. Solche geschickten Tricksereien hat er sich unter anderem vom Thriller-Großmeister Alfred Hitchcock abgeschaut, der es bereits 1946 trotz Verbot geschafft hat, einen für die damalige Zeit viel zu erotischen Kuss in einen seiner Filme zu schmuggeln. Im Interview in einem Hotel in London verrät Bayona uns dazu:

    Es gibt einige Linien, die man nicht überschreiten darf, zum Beispiel das Zeigen von menschlichem Blut. Aber das macht es für mich nur noch aufregender. Man erinnere sich nur an diese eine Szene aus dem Alfred-Hitchcock-Film ‚Berüchtigt‘, in dem Cary Grant eine Frau drei Minuten am Stück küsst. Es war damals nicht erlaubt, sich in einem Film länger als drei Sekunden zu küssen, also hat Hitchcock die Schauspieler angewiesen, ihren dreiminütigen Kuss einfach alle drei Sekunden kurz zu unterbrechen. Wir können dafür kein Blut zeigen. In einer Szene im Käfig schnappt sich der Indoraptor einen Kerl und wirbelt ihn fast durch die Luft – und als er auf dem Boden aufschlägt, hat er keine Hand mehr. Man sieht aber kein Blut. Es macht Spaß, eine Szene so im Grenzbereich zu inszenieren, dass man trotzdem noch den Segen der MPAA bekommt.

    Selbst der Autor war überrascht

    Auch „Jurassic World 2“-Autor und -Produzent Colin Trevorrow zeigte sich ganz überrascht und begeistert davon, wie kompromisslos und intensiv Bayona die von ihm geschriebenen Todesszenen letztendlich in Szene gesetzt hat:

    Die Ideen für die meisten gewaltsamen Tode stammen von mir. Sie stehen im Skript. Aber Bayona hat es drauf, sie so zu inszenieren, dass sie am Ende noch um einiges brutaler und schockierender wirken. Wir haben uns wegen ein oder zwei Tötungsszenen sogar zusammengesetzt und miteinander ausgetüftelt, auf welche Weisen wir die Menschen noch für ihre Sünden bestrafen können. Solche Szenen können gleichermaßen furchteinflößend und befriedigend sein. Deshalb haben wir sehr darauf geachtet, dass die Figuren ihre Tode auch wirklich verdienen.

    Universal Pictures

    Nachträgliche Änderungen an seinem Film musste Bayona übrigens nicht vornehmen, der Gewaltgrad sei ja schließlich auf einem Level mit den anderen Filmen des Franchises:

    Der Film ist ziemlich brutal, aber denkt bloß mal zurück an den ersten ‚Jurassic Park‘, an die Szene, wenn der T-Rex die Kinder im Auto angreift. Das war auch ziemlich brutal! Und die Leute im Publikum, insbesondere die Kinder, lieben diesen Moment. Natürlich versucht man, immer noch ein bisschen weiter zu gehen. Wir haben natürlich darauf geachtet, wo die klaren roten Linien sind, aber an unserem Film haben wir im Endeffekt überhaupt nichts geändert. Der Film, den wir der MPAA gezeigt haben, wurde so wie er war genehmigt.

    Jurassic World 2: Das gefallene Königreich“ läuft seit dem 6. Juni 2018 in den deutschen Kinos.

     

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