Am heutigen 23. Mai 2026 gehen die Filmfestspiele in Cannes zu Ende, bei denen wir auch vor Ort sind. In den finalen Tagen dominiert dabei vor allem ein Film viele Gespräche: „La Bola Negra“, ein sich über drei Zeitebenen erstreckendes Epos, das von Pedro Almodóvar produziert wurde, sorgt für so viel Aufsehen, dass die Diskussion schnell weit über Cannes hinausgetragen wurde.
Satte 20 Minuten Applaus gab es bei der Weltpremiere. Damit wurde so lange geklatscht, wie für keinen anderen Film in diesem Jahr. Laut dem Branchenmagazin Deadline hätte sich das queere Drama damit sogar beinahe den Applaus-Rekord in der Festival-Geschichte geholt. Den halte aber immer noch „Pan’s Labyrinth“ mit 22 Minuten Standing Ovations im Jahr 2006.
Dafür scheint es für „La Bola Negra“ einen anderen Rekord zu geben – dank Netflix. Der Streaminggigant sei in finalen Gesprächen, um die amerikanischen Rechte zu übernehmen, nachdem um diese ein wahrer Bieterstreit ausgebrochen sei. Doch aktuell deutet vieles daraufhin, dass Netflix zahlreiche andere Interessierte wie die Prestige-Verleiher Neon, A24 und Mubi ausgestochen hat. Der Streamingdienst soll dafür rund fünf Millionen Dollar zahlen. Es sei die höchste Summe, die Netflix jemals für die reinen US-Rechte an einem nicht-englischsprachigen Film ausgegeben habe.
Wir haben "La Bola Negra" gesehen - und sind ebenfalls begeistert
Denn mit dem Deal würde sich Netflix nur die Rechte sichern, den Film in den USA exklusiv vertreiben zu können. Das wird natürlich vor allem über die heimische Streamingplattform geschehen, doch alles spricht dafür, dass der Film des Regie-Duos Javier Calvo und Javier Ambrossi vorher in die Kinos kommt. Schließlich wird bereits jetzt über mögliche Oscars für das imposante Drama gesprochen, in welchem auch Glenn Close und Penélope Cruz kleine Nebenrollen haben.
Das würde uns nicht wundern, denn „La Bola Negra“ ist richtig stark. Der Film spielt auf drei Zeitebenen. Im Jahr 1932 will der junge Carlos (Milo Quifes) Teil einer Geheimgesellschaft werden, wird aber abgelehnt, weil es Gerüchte über seine Homosexualität gibt. Während des Spanischen Bürgerkriegs im Jahr 1937 wird der naive Sebastián (Guitarricadelafuente) eher zufällig Teil von Francos Truppen. Bald muss er den schwer verletzten republikanischen Gefangenen Rafael (Miguel Bernardeau) bewachen und verliebt sich in den ehemaligen Fußballer. Und im Jahr 2017 erfährt der über queere Geschichte forschende Historiker Alberto (Carlos González) von seinem Opa, den er nie kannte, und der ihm ein besonders Erbe hinterlässt.
„Ein wahrhaft episches, manchmal etwas überfrachtetes, aber tief bewegendes queeres Geschichts-Melodram“, heißt es im Fazit unserer FILMSTARTS-Kritik über den Film, der nach großem Hollywood-Kino aussieht.
Wie und wann man „La Bola Negra“ in Deutschland sehen können wird, ist aktuell noch nicht bekannt. Es ist gut möglich, dass sich Netflix nach dem aktuell noch nicht finalisierten und bestätigten Erwerb der US-Rechte auch international bemühen wird. Da aber teilweise schon Kinorechte an lokale Firmen gegangen sind, glauben wir aktuell, dass sich Netflix hier erst mal raushält und sich ein lokaler Verleih die deutschen Kinorechte sichern wird.
Nachfolgend haben wir noch einen zweiten Clip aus dem Film für euch: