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    "The Woman In The Window" auf Netflix: Lohnt sich der mörderische Psycho-Thriller mit Amy Adams und Gary Oldman?
    Von Christoph Petersen — 15.05.2021 um 18:03

    Die Bestseller-Verfilmung „The Woman In The Window“ über eine Frau mit Agoraphobie, die im Haus gegenüber einen Mord beobachtet, ist seit gestern auf Netflix verfügbar. Das sagen die Kritiker*innen, das Publikum und wir selbst zu dem Psycho-Thriller…

    Netflix

    Man sollte als Filmkritiker*in versuchen, jedem Film so unvoreingenommen wie nur irgendwie möglich zu begegnen. Aber ganz egal, wie sehr man sich auch anstrengt, ganz kann man die äußeren Umstände natürlich nicht beiseiteschieben – und so herrschte bei vielen Rezensent*innen wahrscheinlich erst mal Skepsis, als sie sich den Netflix-Thriller „The Woman In The Window“ mit Amy Adams als depressive Kinderpsychologin Dr. Anna Fox, die einen vermeintlichen Mord beobachtet, aufgrund ihrer Alkohol- und Tablettensucht aber ihren eigenen Sinnen nicht mehr trauen kann, eingeschaltet haben.

    Der Grund für diese allgemeine Skepsis ist die bewegte Entstehungsgeschichte der Bestseller-Verfilmung von „Abbitte“-Regisseur Joe Wright: Nach der Übernahme des Konkurrenten 21st Century Fox für 71,3 Milliarden Dollar landete der Film plötzlich im Schoß von Disney. Aber dort hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Nach enttäuschenden Testvorführungen, die das Publikum ziemlich verwirrt zurückließen, wurden zunächst umfassende Nachdrehs angeordnet – und schließlich wurde „The Woman In The Window“ trotzdem an das Streaming-Portal Netflix abgeschoben…

    Das sagt die Kritik zu "The Woman In The Window"

    Hat der Film also alle überrascht und trotz der Vorgeschichte gute Kritiken eingefahren? Die Antwort lautet definitiv nein. Aktuell steht „The Woman In The Window“ bei der Aggregatoren-Plattform RottenTomatoes bei nur 30 Prozent positiver Besprechungen. Gerade in Anbetracht der hochkarätigen Schauspieler ist das schon eine herbe Klatsche…

    So schreibt etwas Pete Hammond für Deadline Hollywood: „Der Cast alleine wird sicher ein neugieriges Publikum anlocken. Aber zu sehen bekommt es dann ein verwirrendes Chaos, das gerne wie ein Film von Alfred Hitchcock wäre, aber sich nirgendwohin entwickelt.“

    Zu den verhalten positiven Stimmen zählt etwa die von Adam Graham von den Detroit News: „Die Auflösung in diesem Fall fühlt sich an wie ein schlechter letzter Happen in einem insgesamt zufriedenstellenden Mahl. Trotzdem gibt es hier eine Menge, auf dem sich das Rumkauen lohnt – und der Cast allein macht ‚The Woman In The Window‘ sehenswert.“

    Alison Willmore erkennt in ihrer Besprechung für Vulture durchaus an, dass Regisseur Joe Wright hier ambitionierte Absichten verfolgt, aber genau das ist für sie am Ende das Problem: „Der Film versucht so hart, die formelhafte Krimi-Vorlage in etwas Edleres zu verwandeln, dass die Twists und Wendungen am Ende kaum noch nachvollziehbar sind.“

    Noch sehr viel fieser formuliert es hingegen Benjamin Lee im britischen Guardian: „Neugier treibt euch vielleicht her, aber die Langeweile wird euch wieder wegtreiben."

    Fazit: Es gibt zwar durchaus einige Kritiker*innen, die der Meinung sind, dass „The Woman In The Window“ als Hitchcock-Hommage vor allem wegen der Leistung von Amy Adams durchaus sehenswert ist. Aber selbst die sind überwiegend nur mild positiv gestimmt, wirklich begeisterte Stimmen gibt es eigentlich gar nicht. Und alle sind sich einig: Die erste Hälfte ist besser als die zweite, in der die Twists plötzlich mehr oder weniger wie aus dem Nichts einschlagen.

    Das sagt das Publikum zu "The Woman In The Window"

    Im Gegensatz zu professionellen Filmkritiker*innen dürfte das generelle Netflix-Publikum sehr viel weniger vorbelastet gewesen sein – deshalb ist diese Meinung in diesem Fall auch besonders spannend. Wenn man sich aktuell auf Twitter zum Hashtag #TheWomanInTheWindow umschaut, dann fällt zunächst auf, wie viele Tweets sich mit der Unvorhersehbarkeit der Twists beschäftigen – und zwar ohne eine weitere Einordnung, ob das nun etwas Gutes oder etwas Schlechtes ist:

    Andere wiederrum zeigen sich – wie eben auch die Zuschauer*innen in den von Disney anberaumten Testvorführungen – eher verwirrt von den plötzlichen Wendungen:

    Das heißt aber nicht, dass „The Woman In The Window“ nicht einen Teil seines Publikums genau so gepackt hat, wie es sich für einen anständigen Psycho-Thriller gehört:

    Dennoch überwiegen die enttäuschten Stimmen – selbst wenn in den meisten zumindest Amy Adams explizit von der Kritik ausgenommen wird:

    Und manchmal hat es ja auch etwas Gutes, einen schlechten Film zu sehen. Wie in diesem Fall einer Twitter-Userin, die ihrem Freund gerade als Gutmachung M&M-Kekse backt, nachdem sie ihn dazu gezwungen hat, mit ihr gemeinsam „The Woman In The Window“ zu schauen:

    Das sagen wir zu "The Woman In The Window"

    In der offiziellen FILMSTARTS-Kritik hat „The Woman In The Window“ 2 von 5 Sternen erhalten. Als Wegguck-Streaming-Thriller geht das gerade noch in Ordnung, vor allem auch wegen des immensen Talents der Produktionsdesigner, die die Wohnung von Anna und die Häuserfront gegenüber in ein wahnsinnig aufwändiges und elegantes Set verwandelt haben. Aber für mehr reicht es einfach nicht…

    Unser Fazit lautet deshalb: „The Woman In The Window“ ist derart bruchstückhaft erzählt, dass die Wendungen irgendwann nicht mehr überraschen, sondern in ihrer unvorbereiteten Beliebigkeit einfach nur noch nerven. Schade um die sich voll in ihre Rollen schmeißenden Schauspieler und die stets sichtbaren inszenatorischen Ambitionen von Joe Wright.

    Unsere ausführliche Kritik zu "The Woman In The Window"
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